Stuttgart - Mit einer Crowdfunding-Aktion will die Region der in der Coronapandemie gebeutelten Kreativ- und Kulturszene unter die Arme greifen. Dabei steht nicht die finanzielle Zuwendung im Vordergrund, wie sie von der Künstler*innen-Soforthilfe Stuttgart beispielhaft geleistet wird, die bisher von 2400 Privatleuten und Institutionen mehr als 800 000 Euro gespendet bekommen hat und damit in Not geratene Kulturschaffende direkt unterstützt. „Wir wollen Künstlerinnen und Künstler bestärken und befähigen, ihre vielseitigen Projekte und Ideen umsetzen zu können“, sagte Bettina Pau, die Geschäftsführerin der Kulturregion.
Zeichen für Bedeutung der Kultur
Den finanziellen Grundstock bilden Mittel für den Sommerempfang der Region, der im Juli 2020 coronabedingt ausgefallen war. Der Verband und die Wirtschaftsfördergesellschaft steuern die dadurch eingesparten je 14 000 Euro bei. Damit wolle die Region ein Zeichen setzen, „wie wichtig Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft ist“, hieß es aus allen Fraktionen im regionalen Wirtschaftsausschuss, aus dem die Aktion im November angestoßen worden war und jetzt einstimmig beschlossen worden ist.
„Die Mittel sind keine Spenden und kein Überbrückungsgeld, sondern wir wollen damit unserem Auftrag für regionale Gestaltung nachkommen“, betonte die Regionaldirektorin Nicola Schelling.
Auf der regionalen Crowdfunding-Plattform können sich ab Mitte Februar Künstlerinnen und Künstler mit ihren Projekten bewerben oder von Kulturämtern vorgeschlagen werden. Die Einreichungen werden auf ihre Förderfähigkeit und Umsetzbarkeit hin geprüft. Für den Aufbau der Plattform seien rund 5000 Euro nötig, die restlichen 23 000 Euro sollen ebenso wie erwünschte Gelder von Unternehmen und Privatleuten direkt zur Finanzierung der Kunstprojekte verwendet werden.
Kleinlicher Streit und mahnende Worte
In der Debatte, in der sowohl CDU/ÖDP als auch Linke/Pirat die Ideenurheberschaft für ihre Fraktion reklamierten, stellten sich alle Fraktionen hinter das Projekt, das es in ähnlicher Form auch in München und anderen Städten gibt. Bedenken und zwei Enthaltungen gab es aus der Fraktion der Freien Wähler. Sie mahnte, dass angesichts der prekären Lage der Städte und Gemeinden, die die Region finanzierten, eingesparte Gelder nicht für andere Zwecke ausgegeben werden sollten, zumal es ein ähnliches Projekt bereits im Rems-Murr-Kreis gebe. Die Grünen kündigten an, ihre Sitzungsgelder der nächsten Regionalversammlung für das Crowdfunding zur Verfügung zu stellen.
Die Kulturregion wird vom Verband Region Stuttgart und 43 Städten und Gemeinden getragen, sie besteht seit 30 Jahren und organisiert Kulturprojekte, die in der gesamten Region spielen. Die Crowdfunding-Plattform soll von Mitte Februar an auf den Seiten www.region-stuttgart.de und www.kulturregion-stuttgart.de abrufbar sein und dauerhaft eingerichtet werden. „Viele Kulturschaffende sind von der Coronapandemie hart getroffen und wandern in andere Berufe ab“, sagte Pau. Diesem „Verlust an kreativem Potenzial“ wolle man gegensteuern. Mit der Plattform bestehe eine „gute Möglichkeit, neue Ideen und Ansätze auszuprobieren“.