Kulturwerk Stuttgart-Ost Volles Haus bei der Swinging Christmas Party

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Wer zu spät kam, musste draußen warten: Bei der Swinging Christmas Party am Sonntagabend wurde es richtig voll im Kulturwerk Ost. Die Gäste tanzten in teilweise typischer Kleidung aus den 20er, 30er und 40er Jahren zu Lindy Hop, Balboa oder Shag.

Dicht gedrängt wurde im Kulturwerk Ost zu Swingmusik getanzt. Vor der Tür bildete sich zeitweise eine Warteschlange. Foto: Julia Bosch
Dicht gedrängt wurde im Kulturwerk Ost zu Swingmusik getanzt. Vor der Tür bildete sich zeitweise eine Warteschlange. Foto: Julia Bosch

S-Ost - Auch als Reporterin unserer Zeitung, die noch nie in ihrem Leben zu Swingmusik getanzt hat, gelingt es nicht, die Weihnachtsfeier des Vereins Swingkultur zu besuchen, ohne sich selbst einmal an Lindy Hop, Balboa oder Shag zu versuchen. Nicht einmal eine Minute vergeht, in der die Autorin am Rande der Tanzfläche steht – und schon wird diese vom ersten Tänzer aufgefordert. Mit dem Schottenrock, dem weißen Hemd, der grauen Weste und dem gezwirbelten Schnurrbart fällt der Mann durchaus etwas auf – obwohl hier viele Männer und Frauen im Stil der 20er, 30er oder 40er Jahre gekleidet sind: rot-weiße Pünktchenkleider neben Hosenträgern, weite und hoch geschnittene Anzughosen zwischen sorgsam frisierten Haartollen.

Die Partys werden von Jahr zu Jahr voller

„Bei uns gibt es keinen Dresscode“, sagt Julius Klinger, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins Swingkultur kümmert. „Manche sind bei Partys so gekleidet, wie es früher in Mode war, andere aber auch einfach mit Jeans und T-Shirt.“ Rund 150 Gäste sind am Sonntagabend zu der Swinging Christmas Party des Vereins in das Kulturwerk Ost gekommen. Zeitweise mussten mehrere Menschen vor der Tür warten, da die Veranstaltung so gut besucht war und niemand mehr hineinkam.

„Unsere Partys werden von Jahr zu Jahr voller“, bestätigt Rene Holldorf, der Vorsitzende des Vereins. „Die Swingtanzszene wächst auf der ganzen Welt kontinuierlich seit den 80er Jahren – und das macht sich auch in Stuttgart bemerkbar.“ Derzeit würden etwa 400 Menschen in Stuttgart Swingtanzunterricht nehmen. Diese seien vom Alter her komplett durchmischt: „Unsere Kursteilnehmer sind zwischen Mitte 20 bis Ende 60 – der Durchschnitt liegt bei Mitte, Ende 30“, sagt Holldorf.

Lindy Hop wird in den Knien getanzt

Bis 22 Uhr konnte am Sonntag im Kulturwerk Ost getanzt werden. Die Party war wohl auch deshalb so gut besucht, weil die Tanzmusik von der Stuttgarter Uni Bigband kam. Die Musik sei mit ein Grund dafür, warum sich immer mehr Menschen für Swingtänze interessierten, sagt Julius Klinger: „Swingmusik ist sicherlich kein Massenphänomen, aber es gibt einige Menschen, die diese sehr schätzen.“

Ein weiterer Grund für den Erfolg des Swingtanzes sei die sehr lässige Tanzweise: „Beim Lindy Hop ist man beispielsweise durchgängig in den Knien. Und man orientiert sich weniger am Takt, sondern mehr an der Melodie und der Musik.“ Und der dritte Erfolgsfaktor sei die soziale Komponente: „Bei Swingtänzen tanzt jeder mit jedem, jeder fordert jeden auf.“

Die Kurse sind heiß begehrt

Das können auch Achim Stohr und Martina Kappallo bestätigen. Das Paar aus dem Kreis Böblingen hat erst vor einem Jahr begonnen, Lindy Hop zu tanzen – und sind dem Tanz völlig verfallen: „Man lernt viele Menschen kennen, in den Kursen tanzen wir nur selten miteinander und tauschen permanent die Partner durch“, sagt Martina Kappallo. Die beiden sind durch ihren 24-jährigen Sohn auf Lindy Hop aufmerksam geworden. Der war im Rahmen eines Auslandssemester in der estnischen Hauptstadt Tallinn und hat dort den Tanz kennengelernt. Zurück in Deutschland tanzte er weiter – und brachte seine Eltern auf den Geschmack. „Beim Lindy Hop beispielsweise kann man auf der Tanzfläche auch immer wieder Späßchen machen, das ist sehr cool“, sagt Achim Stohr.

Und dass dies immer mehr Menschen so sehen, zeigte nicht nur der eben sehr gut gefüllte Tanzsaal am Sonntag, sondern auch die Kursanmeldungen beim Verein Swingkultur: „Nach der Freischaltung von neuen Kursen, sind diese innerhalb von zwei Minuten komplett ausgebucht“, berichtet Achim Stohr und schmunzelt: „Einmal ist sogar der komplette Server zusammengebrochen.“

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