Kulturzentrum im Stuttgarter Westen Eine Strategin der Subkultur leitet das Merlin

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Barbara Bruns hat sich verabschiedet, und die Kulturmanagerin Kathrin Dick hat die Geschäfte des Kulturzentrums im Stuttgarter Westen übernommen. Das Booking besorgt nun Arne Hübner.

Das Merlin-Team aus Annette Loers, Arne Hübner und Kathrin Dick hat sich   neu organisiert, nachdem Barbara Bruns (rechts) in den Ruhestand geht. Foto: Kathrin Wesely
Das Merlin-Team aus Annette Loers, Arne Hübner und Kathrin Dick hat sich neu organisiert, nachdem Barbara Bruns (rechts) in den Ruhestand geht. Foto: Kathrin Wesely

S-West - Die eine Kapitänin ist von Bord gegangen, Barbara Bruns hat sich nach 25 als Geschäftsführerin des Merlin in den Ruhestand verabschiedet. Und weil ein Kulturzentrum kein Automobilzuliefererbetrieb ist, hat die Geschäftsführerin nicht nur vom Schreibtisch aus regiert, sondern hat hinterm Tresen gestanden, in der Frühe noch den Saal mitaufgestuhlt und vor allem hat sie Bands gebucht. Ganze Festivals wie das Sommermusikfestival Klinke oder die Pop-Freaks verdanken sich Barbara Bruns. Und so entweicht hier nicht einfach jemand lautlos in den Ruhestand. Die Kontinuität ist aber gewahrt, denn Annette Loers als zweiter Part der Doppelspitze bleibt dem Merlin erhalten.

Für Bruns ist Kathrin Dick gekommen, und sie verspricht, dass alles so bleibt wie es ist. So mag es die neue Geschäftsführerin am liebsten, so nämlich hat sie das Merlin in Jugendtagen einst kennen und schätzen gelernt. Der Wandel, und da stimmen die alte, die neue und die Immer-Noch-Chefin überein, ist bei einer Kultureinrichtung sowieso Programm. Die Veranstaltungen spiegeln die gesellschaftlichen und politischen Debatten, die Sounds und Moden einer Zeit. Es sind die Bands, Autoren, Kabarettisten, Schauspieler, Kleinkünstler aller Art und deren Publikum, die stets die aktuelle Welt in den kleinen Veranstaltungssaal in der Augustenstraße tragen. Die Einrichtung muss nur regelmäßig die Infrastruktur darauf abstimmen. Dick nimmt da dieselbe bescheidene Rolle für sich in Anspruch wie Bruns.

Allerdings ist das Buchen von Bands eine folgenreiche, für eine Veranstaltungslocation wie das Merlin existenzielle Verrichtung. Im Grunde handelt es sich um eine Art Königsdisziplin. Denn die Wahl der Musik bestimmt darüber, welches Publikum fern bleibt und wie lange die durchhalten, die trotzdem kommen. Es ist eine hochgradig verantwortungsvolle, da identitätsstiftende Aufgabe.

Kathrin Dick möchte das lieber nicht machen. Die 31-Jährige hat diesen Teil des Managements auf Arne Hübner übertragen, der bereits das Booking für die Reihe Pop-Freaks besorgt. Denn eine organisatorische Neuerung gibt es nach dem Wechsel doch. War Barbara Bruns sowohl für das Booking als auch für Verwaltung und Finanzen zuständig, so werden die Arbeitsbereiche nun aufgeteilt, was sicher rationeller ist. Als studierte Kulturmanagerin „habe ich mehr den betriebswirtschaftlichen Blick auf das ganze“. Dick ist natürlich nicht Roland Berger, sondern eine in der subkulturellen Wolle gefärbte Strategin, die zuständig ist für die fünf festen Merlin-Mitarbeiter und für die 52 Ehrenamtlichen, die im Haus mitarbeiten.

Gemütlicher als die Schleyerhalle

Dick hat sich gefreut, einen gut organisierten Laden zu übernehmen. Auch mit den Ehrenamtlichen, die sich unter anderem um den Ausschank kümmern, laufe es rund. „Wir hatten schon Konzertabende, da war hinterm Tresen mehr Stimmung als davor“, sagt Annette Loers, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, für Lesungen und Theater im Merlin. „Die Ehrenamtlichen kommen, weil sie sich hier wohl fühlen“, sagt Loers.

Für Dick war das Merlin eine Wunsch-Destination. Gerade fertig mit dem Kulturmanagementstudium in Saarbrücken, wurde sie angeheuert – weil sie das Merlin kannte, als Praktikantin und noch von ganz früher als Klinke-Besucherin. Dick stammt aus Stuttgart und hat bereits im Jazz-Club Bix gearbeitet und in der Strzelski Galerie. Während also Dick die Betriebsleitung wuppt und Loers den Wort-Bereich weiterführt, übernimmt Hübner die Musik.

Auch er hat nicht vor, das Ruder herumzureißen. „Ich bin zwar schon in etwas anderen musikalischen Kreisen unterwegs, aber so unterschiedlich ist der Musikgeschmack von Barbara und mir gar nicht.“ Die Neugier auf neue musikalische Entdeckungen und der Wunsch, verschiedene Musikgeschmäcker zu bedienen, sei ihnen beiden gemeinsam, sagt Hübner. „Wir wollen Musik bieten für Menschen, die Konzerte mögen aber dafür nicht in die Schleyerhalle gehen wollen.“

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.pop-freaks-festival-im-merlin-mehr-als-nur-konzertunterhaltung.16dd4048-57f0-4221-82ce-43a605c902e3.html

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.merlin-klinke-festival-im-lokalkolorit.2eff3b2c-b1ec-48c8-9b6a-b3b28e8fb674.html

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