Kultusminister beraten Ferienkalender Streit um schönste Wochen des Jahres

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Berlin und Hamburg plädieren für eine Neuordnung der Schulferien in Deutschland. Nicht nur bei Baden-Württembergs Kultusminister Susanne Eisenmann beißen sie damit auf Granit.

Ferien sind für viele Schüler  fast das schönste an der Schule. Den Ferienkalender auszutüfteln dagegen ist für die Kultusminister  eine ziemlich schwierige Aufgabe. Foto: dpa/Felix Kästle
Ferien sind für viele Schüler fast das schönste an der Schule. Den Ferienkalender auszutüfteln dagegen ist für die Kultusminister eine ziemlich schwierige Aufgabe. Foto: dpa/Felix Kästle

Stuttgart - Alle paar Jahre wieder legen die Kultusminister der Republik den neuen Ferienkalender fest. Und regelmäßig geraten sie sich darüber in die Haare, wie die schönsten Wochen des Jahres für Schüler, Lehrer und Eltern zwischen Küste und Alpen im Jahresverlauf verteilt werden sollen. Verwunderlich ist das nicht. Denn wie alle Erfahrung lehrt, sind Eltern- und Schülerschaft notorisch unzufrieden mit ihrem Los. Eigentlich immer und in allen Regionen ist die Klage verbreitet, dass in diesem Jahr ausgerechnet die eigenen Sommerferien latent kalt und verregnet waren, während andere Länder, deren Termine früher oder später lagen, mal wieder viel Sonne und entsprechend gute Laune abgekriegt haben. Die Ferienkalender festzulegen ist unter Kultusministern so beliebt wie Lateinklausuren oder das Matheabitur bei vielen Schülern.

Berlin und Hamburg pochen auf eine Neuregelung

Bis 2024 sind die Daten zwar bereits festgelegt, und daran wird auch nicht gerüttelt. Aber in dieser Woche beginnen die Beratungen, wie es danach weitergeht mit der Planung bis 2030. Dass die Termine in den meisten Ländern jährlich wechseln, während die Schulen in Bayern und Baden-Württemberg stets erst am Ende der Ferienperiode geschlossen sind, sorgt nun einmal mehr für Kontroversen zwischen den Kultusministern. Berlin und Hamburg wollen bei der KMK-Sitzung an diesem Donnerstag und Freitag in Berlin vorschlagen, die Sommerferien in allen Bundesländern auf die Zeit zwischen 1. Juli und Mitte September zu konzentrieren, damit jährliche Verschiebungen im Kalender möglichst gering ausfallen. Bisher beginnt die Phase der sommerlichen Schulpausen am 1. Juni.

Bei ihrer Stuttgarter Kollegin Susanne Eisenmann (CDU) beißen die Initiatoren mit ihrem Anliegen auf Granit. Für sie kommt eine grundlegende Neuordnung des Ferienkalenders nicht infrage, erklärt sie auf Anfrage unserer Zeitung. „Die bisherige Ferienregelung hat sich sehr bewährt, deshalb werden wir daran festhalten“, betont Eisenmann lapidar. „Dank des späten Sommerferientermins können wir in Baden-Württemberg eine pädagogisch sinnvolle und konstante Verteilung der Ferien über das Schuljahr hinweg vornehmen“, sagt sie zur Begründung.

Pfingstferien sind im Südwesten besonders beliebt zum Urlaubmachen

Aber nicht nur der pädagogisch sinnvolle Wechsel zwischen Lern- und Erholungszeiten liegt der Kultusministerin und CDU-Spitzenkandidatin am Herzen. Darüber hinaus weiß sie genau, dass die Pfingstferien, die in Baden-Württemberg und Bayern seit jeher fest im Kalender verankert sind, bei vielen Eltern und Lehrern hoch im Kurs. „Die Pfingstferien sind für viele Familien die ideale Reisezeit und teilweise beliebter als die Sommerferien.“ Bei einem früheren Sommerferientermin im Südwesten wäre die Pfingstpause nicht zu halten, betont Eisenmann. Ihr Nein zu einer Neuordnung des Ferienkalenders fällt entsprechend kategorisch aus: „Dies kommt nicht infrage.“

Nicht nur Eisenmann lässt die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres – die sich für ihre Stadt ebenfalls „mehr Kontinuität“ im Schuljahresverlauf wünscht und im Blick auf ein Zentralabitur Schulhalbjahre mit stark unterschiedlicher Länge nicht mehr für tragbar hält – abblitzen. Auch Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein ­wollen nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa nicht am bestehenden System rütteln. Rheinland-Pfalz nennt das gewachsene System zwar ­„bewährt“, fände es aber gut, wenn sich künftig alle Länder am rotierenden System. Am Donnerstag berät die KMK über das Verfahren. Eine Entscheidung ist im Lauf des nächsten Jahres zu erwarten.