InterviewKultusministerin Susanne Eisenmann „Es gibt kein Recht auf pädagogische Freiheit“

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Kultusministerin Susanne Eisenmann ist verblüfft über die von Lehrern geäußerte Kritik, dass Sie mit pädagogischen Vorgaben zur Korrektur von Rechtschreibfehlern von Anfang an ihre Kompetenz überschreite.

Susanne Eisenmann bleibt bei ihrer Haltung: Was falsch ist, muss korrigiert werden. Foto: dpa
Susanne Eisenmann bleibt bei ihrer Haltung: Was falsch ist, muss korrigiert werden. Foto: dpa

Stuttgart - Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht im Schreiben nach Hören eine Ursache für die schlechte Rechtschreibung der Schüler. Sie überlegt auch, ob mehr Deutschunterricht notwendig ist.

Frau Eisenmann, wie bewerten Sie die Diskussion um die Rechtschreibung in Grundschulen?
Ich möchte darauf hinweisen, dass wir in Baden-Württemberg ein nicht zu bestreitendes Problem haben, denn wir liegen in der Kompetenz der Rechtschreibung weit unter dem Bundesdurchschnitt. Das zeichnet sich schon seit 2014 in verschiedenen Vergleichsstudien ab. Das ist kein Vorwurf an irgendjemanden, aber es ist die gemeinsame Aufgabe zu überprüfen, inwieweit wir dem entgegenwirken können. Niemand sagt, die Lehrer können nichts. Veränderung heißt ja nicht, dass jemand bisher etwas bewusst falsch gemacht hat. Mir fehlt in der Gesamtdiskussion, wie man sich den eklatanten Abfall seit Jahren erklärt, wenn mit der Methodik angeblich alles okay ist. Es kann nicht sein, dass man so tut, als hätten wir kein Problem
Die Kritik geht doch eher dahin, dass Sie das Problem allein an der Methode Schreiben nach Hören festmachen.
Wir machen das Problem nicht an einer Ursache fest. Aber dass die Art, wie wir Rechtschreibung vermitteln, ein Thema ist, das kann jeder feststellen, wenn er mit den Schulen, mit Eltern und mit Fachleuten spricht. Natürlich spielt es eine Rolle, ab wann wir anfangen Rechtschreibung zu kontrollieren und einzuüben. Ich halte es für dringend erforderlich, dass orthografische Fehler von Anfang an korrigiert werden. Darum geht es. Das Arbeiten mit der Anlauttabelle wird von mir in keinster Weise verboten. Ich habe vollstes Vertrauen in unsere Lehrer, dass sie das mit dem richtigen Spielraum machen.
Fühlen Sie sich missverstanden durch den Aufruhr bei den Lehrern?
Ja, wobei der Aufruhr sehr organisiert ist. Ich habe eine Fülle von Reaktionen, das Thema treibt Eltern um. Man muss nicht mit der Keule und dem Rotstift korrigieren, aber je früher man korrigiert, desto früher übt sich die richtige Schreibweise ein.
Lehrer werfen Ihnen vor, dass Sie mit pädagogischen Vorgaben Ihre Kompetenz überschreiten. Was sagen Sie dazu?
Das verblüfft mich schon. Es ist gerichtlich bestätigt, dass es keine pädagogische Freiheit als subjektives Recht gibt. Natürlich ist es Aufgabe des Kultusministeriums, Vorgaben zu machen, was wie vermittelt werden soll. Darum zu bitten, frühzeitig orthografisch zu korrigieren, das ist genau die Aufgabe, die ein Kultusministerium hat. Wir legen landeseinheitliche Zielsetzungen fest, sei es im Bildungsplan, durch Erlasse oder Verwaltungsvorschriften. Das ist rechtlich völlig unbestritten. Bei der Umsetzung im Einzelnen vertrauen wir den Lehrern.
Werden Sie weiteren Ursachen auf den Grund gehen?
Natürlich, weitere Themen sind Fachlichkeit der Lehrer und fachfremder Unterricht. Die Frage ist natürlich auch, ob man noch mehr Deutschunterricht in Grundschulen anbieten muss. Das ist dann eine Frage der Ressourcen. Diese Themen werde ich kontinuierlich kommunizieren.