Kultusministerium Baden-Württemberg Nein zu Ukrainisch als zweite Fremdsprache an Schulen

Englisch und eine Feststellungsprüfung in ihrer Muttersprache ermöglicht es ukrainischen Mädchen und Jungen, in die Oberstufe versetzt zu werden. Foto: picture alliance/dpa/Robert Michael

Hessen führt als Pilotversuch Ukrainisch als zweite Fremdsprache ein und verfolgt damit gleich mehrere Ziele. Warum gibt es solche Überlegungen nicht auch in Baden-Württemberg?

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Hessen führt zum kommenden Schuljahr als Pilotversuch Ukrainisch als zweite Fremdsprache an weiterführenden Schulen ein. Dies erfolge mit Blick auf die große Gruppe der rund 20 000 mit ihren Familien vor dem Krieg nach Hessen geflüchteten und beschulten Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine sowie die mehr als 300 ukrainischen Lehrkräfte, die derzeit an hessischen Schulen unterrichten, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Kultusministeriums. Es gehe darum, den Menschen entsprechend ihren individuellen Begabungen noch stärkere Bildungs- und Berufsperspektiven zu bieten und ein klares Zeichen der Verbundenheit in schwierigen Zeiten zu setzen, so der zuständige Minister Armin Schwarz.

 

In Baden-Württemberg gibt es aktuell keine Überlegungen, Ukrainisch als zweite Fremdsprache einzuführen, wie ein Sprecher des hiesigen Kultusministeriums auf Nachfrage mitteilt. Er betont aber: „Auch uns ist wichtig, neu Zugewanderten den Einstieg ins Schulsystem etwas zu erleichtern und ihre mitgebrachten Kenntnisse und Fähigkeiten wertzuschätzen.“

Bereits 870 Feststellungsprüfung in diesem Schuljahr

Die meisten Menschen aus der Ukraine können ihre Muttersprache und zusätzlich Englisch. Angekommen in Baden-Württemberg, müssen sie in kurzer Zeit Deutsch lernen, um erfolgreich am Unterricht teilnehmen zu können. Für die gymnasiale Oberstufe braucht es zusätzlich eine zweite Fremdsprache. Damit Zugewanderte nicht auch noch damit belastet werden, gibt es in Baden-Württemberg die sogenannte Feststellungsprüfung. Diese ermöglicht es, eine der vorgeschriebenen Fremdsprachen durch die Herkunftssprache zu ersetzen. „Dann können sie mit Englisch und den festgestellten Kenntnissen in beispielsweise Ukrainisch in die Oberstufe versetzt werden“, erklärt der Sprecher des Ministeriums. Die Feststellungsprüfungen würden für Schülerinnen und Schüler angeboten, die in die Klassen 7 bis 10 eines Gymnasiums eintreten. In diesem Schuljahr habe es bereits 870 Feststellungsprüfungen in Ukrainisch gegeben.

In der Oberstufe ist eine Feststellungsprüfung nicht möglich. Eine Sackgasse ist das baden-württembergische System aber dennoch nicht. Denn in den Jahrgangsstufen reicht immer schon eine Fremdsprache aus, also zum Beispiel Englisch. Eine zweite Fremdsprache muss nicht belegt werden.

Hessen sieht Ukrainisch als zweite Fremdsprache auch als Option, ukrainische Lehrerinnen und Lehrer für das deutsche Bildungssystem zu gewinnen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Entsprechende Bestrebungen gibt es auch in Baden-Württemberg, aber unabhängig von der Einführung einer zweiten Fremdsprache. Das Land hat mit rund 200 Lehrkräften aus der Ukraine Verträge geschlossen. Sie werden insbesondere bei der Beschulung von geflüchteten Schülerinnen und Schüler eingesetzt.

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