Verein Aufbruch: Kundgebung in Stuttgart B 14 gehört drei Stunden lang den Fußgängern

Von Ralf Recklies 

Der Verein Aufbruch Stuttgart will am 17. September mit einer Demonstration auf der B14 für den Wandel Stuttgarts von einer auto- zu einer menschengerechten Stadt werben. Drei Stunden wird die Stadtautobahn dann für den Verkehr gesperrt sein.

Der vor einem halben Jahr gegründete Verein Aufbruch Stuttgart sieht sich auf dem richtige Weg und spürt bereits, dass ein Prozess des Umdenkens begonnen hat. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Der vor einem halben Jahr gegründete Verein Aufbruch Stuttgart sieht sich auf dem richtige Weg und spürt bereits, dass ein Prozess des Umdenkens begonnen hat. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Ein Glück, dass der in München entwickelte Elektro-Jet Lilium noch nicht als Lufttaxi zugelassen ist. Lilium könnte zwar die oft verstopften Stuttgarter Straßen entlasten und die Feinstaubbelastung reduzieren. Würde der kleine Elektro-Jet aber bereits durch die Landeshauptstadt schwirren, wäre der laut dem Aufbruch-Stuttgart-Vorsitzenden Wieland Backes „sicherste Weg über die B 14“ wohl kaum auf einem Hochseil zu absolvieren. Auf bis zu 52 Meter über dem Straßenniveau wollen Artisten der Traber-Familie laut Fernando Traber am Sonntag, 17. September, die Konrad-Adenauer-Straße (B 14) vom Haus der Geschichte zur Oper überqueren. „Mit einem umweltfreundlichen Fahrrad“, wie Traber ergänzt.

Hochseilakt als Höhepunkt der Kundgebung

Der Hochseilakt soll der Höhepunkt der Kundgebung „Marsch für Stuttgart – eine Stadt in Bewegung“ sein, die von dem im März 2017 gegründeten Verein Aufbruch Stuttgart organisiert wird. Das hat der Ex-TV-Moderator Backes mit anderen Vorstandsmitgliedern des Vereins am Montag verkündet. Auf dem B-14-Abschnitt zwischen dem Wilhelmsplatz und dem Gebhard-Müller-Platz soll von 11 bis 14 Uhr für den Wandel von der auto- zur menschengerechten Stadt demonstriert und für eine attraktiveres Kulturquartier zwischen Kunstmuseum, Wilhelmspalais, Staatsgalerie und Linden-Museum geworben werden. Autos haben dort dann nichts zu suchen.

„Stuttgart hinkt“, so sagt das Aufbruch-Stuttgart-Vorstandsmitglied, der Architekt Arnold Lederer, „international um Jahre hinterher“, was die fußgängerfreundliche Verbindung bedeutender Kultureinrichtungen in der City angehe. Andere Städte hätten gezeigt, wie große Verkehrsadern in fußgängerfreundliche Flächen gewandelt werden können.

Hohe dichte von international renommierten Kultureinrichtungen

Mit der Aktion wolle man sich für ein Umdenken stark machen, und dafür, dass Stuttgart zu einem Vorreiter wird, was die Entwicklung zur menschengerechten Stadt der Zukunft angeht. Kaum eine andere Stadt habe „eine so hohe Dichte von international renommierten kulturellen Einrichtungen, die von einer stark befahrenen Straße getrennt sind“, so Lederer.

„Einige zehntausend Euro“, so Backes,, lässt sich der Verein mit inzwischen 600 Mitgliedern die Aktion Kosten. Das Gros des Geldes wurde gezielt gespendet. „Denn Stuttgart“, so der Eindruck von Backes, „hat nur auf eine solche Initiative gewartet.“ Nach den vielen S-21-Protesten sei die Stadt lange Zeit wie gelähmt gewesen. Das habe sich inzwischen geändert und sei mit ein Verdienst der Aufbruch-Initiative.

Marching Band Stuttgart führt dem Demonstrationszug an

Angeführt von der Marching Band geht es am 17. September von 11 Uhr an ab dem Wilhelmsplatz nicht nur über Asphalt. Auf Höhe des Landtags soll die B 14 mit einem Rollrasen begrünt werden. Mehrere Musseen unterstützen die Aktion mit freiem Eintritt an diesem Tag, wie Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums, ankündigte. Das Ballett, die Oper und andere Institutionen beteiligen sich mit Aktionen. Auch die SSB sind im Boot: Bis zu fünf Personen können an diesem Tag mit einer Ein-Personen-Tageskarte den ÖPNV nutzen.

Sonderthemen