Kundgebung auf dem Cannstatter Wasen Bauernproteste bremsen die A 81 im Kreis Böblingen aus
Trotz des Verbots nutzen etliche Landwirte die Autobahn, um zur Kundgebung auf dem Cannstatter Wasen zu kommen. Das bremste den Verkehr im Kreis Böblingen.
Trotz des Verbots nutzen etliche Landwirte die Autobahn, um zur Kundgebung auf dem Cannstatter Wasen zu kommen. Das bremste den Verkehr im Kreis Böblingen.
Die Landwirte lassen auch Wochen nach dem Aufflammen der Proteste nicht locker. Die Sogwirkung einer großen Kundgebung in der Landeshauptstadt Stuttgart war im Kreis Böblingen deutlich spürbar. Durch ihn verläuft die Autobahn A 81, die Traktoren bauartbedingt eigentlich nicht befahren dürfen. Doch etliche Landwirte ließen sich davon nicht beeindrucken: Als Sammelstelle nutzten viele aus dem Bodenseeraum die Anschlussstelle Sulz am Neckar. Andere trafen sich in Gärtringen.
„Trotz des Verbots fuhren mehrere Traktoren an der Anschlussstelle Sulz auf die A 81 in Fahrtrichtung Stuttgart“, schreibt die Polizei in einer Mitteilung. Sie habe die Traktoren an der Weiterfahrt auf der Autobahn gehindert, das Auffahrverbot erklärt und die Teilnehmenden aufgefordert, sich dem Konvoi wieder auf der vorgegebenen Strecke auf Landstraßen anzuschließen. „Dies lehnten diverse auf der Autobahn befindliche Landwirte zunächst ab und forderten eine Weiterfahrt auf der A 81, andernfalls drohten sie diese zu blockieren“, heißt es vom zuständigen Polizeipräsidium in Konstanz. Erst nach einer Vollsperrung des Abschnitts hätten die Demonstranten überzeugt werden können, die Autobahn zu verlassen, heißt es. Laut Tobias Olbrich, Landwirt aus Herrenberg, sei den Bauern zwar in Aussicht gestellt worden, die Autobahn zumindest zwischen Rottweil und Horb befahren zu dürfen. „Sie mussten dann aber doch über die Landstraßen fahren und waren dadurch erst da, als die Kundgebung fast schon vorbei war.“
Im Kreis Böblingen jedenfalls war gegen 10 Uhr eine Kolonne aus Traktoren auf der Autobahn unterwegs – und bremste den Verkehr aus. Das bestätigt Polizeisprecher André Kielneker vom Ludwigsburger Präsidium: „Die Einsatzkräfte haben den Umstand hingenommen und versucht, einen Fahrstreifen den Traktoren zuzuordnen.“
Die Landwirte sind also offenbar auf ganz verschiedenen Wegen durch den Landkreis Böblingen Richtung Stuttgart gelangt. Allerdings eben teilweise verspätet, sagt Thomas Olbrich, der zum Organisationsteam der Kundgebung auf dem Cannstatter Wasen gehört, selbst aber nicht in der Kolonne mitgefahren ist. Als Beiratsmitglied des Vereins Land schafft Verbindung Baden-Württemberg (LSV), der die Kundgebung organisiert hat, war er seit 8 Uhr auf dem Wasen. „Als ich ankam, standen schon die ersten zwei Traktoren aus Lörrach da, die auf eigene Faust losgefahren sind“, sagt er.
Sein erstes Fazit am späten Nachmittag lautet: „Bis auf die Anreise aus dem Süden, war es relativ erfolgreich.“ Er schätzt, dass insgesamt etwa 3500 Teilnehmer vor Ort waren, darunter rund 80 aus dem Kreis Böblingen. „Die Stimmung war recht gut“, sagt der Herrenberger. Allerdings sei den Politikern bei ihren Reden der Unmut der Landwirte entgegengeschlagen.
„Wir erwarten, dass die Politik jetzt handelt und auf unsere Forderungen reagiert“, sagt Olbrich. Die hat der LSV in einem Positionspapier zusammengefasst: Bürokratieabbau und eine klare Herkunftsland-Kennzeichnung für landwirtschaftliche Produkte etwa. Wie sich die Rückfahrt gestaltet, konnte Olbrich am späten Nachmittag noch nicht sagen. Er geht aber davon aus, dass sie sich bis in die Nacht ziehen wird – gegen 16 Uhr waren zwei Drittel der Teilnehmer noch nicht losgefahren.
Bauernverband
Dieser hat sich vor einiger Zeit neu formiert. Der Kreisverband Böblingen ist im Bauernverband Nordschwarzwald-Gäu-Enz aufgegangen.
Veranstaltung
Dieser veranstaltet am kommenden Samstag, 3. Februar in der Büchighalle in Göbringen seinen zweiten Bauerntag seit der Fusion der Kreise Freudenstadt, Böblingen, Calw und dem Enzkreis.
Programm
Eingeladen sind alle Bäuerinnen und Bauern, sowie interessierte Bürger. Es spricht unter anderem die Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz (CDU), Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium
Vortrag
Zu hören ist außerdem der Beitrag „Ist die Kuh ein Klimakiller“ von Wilhelm Windisch, ehemals Professor für Tierernährung an der Technischen Universität in München