Kuno Banzhaf aus Ditzingen Wanderführer, zuweilen Penner und auch Balletttänzer

Der Wandersmann und seine Sammlung an Wegekarten aus der Region Foto: factum/Granville
Der Wandersmann und seine Sammlung an Wegekarten aus der Region Foto: factum/Granville

Auf 60 Jahren Mitgliedschaft im Schwäbischen Albverein kann Kuno Banzhaf zurückblicken. Dabei führt der rüstige Rentner noch heute Wandergruppen an. Privat wandert er aber inzwischen nur noch zum Wurstessen ins Bärenschlössle.

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Ditzingen - Eine ganze Schublade voll mit Wanderkarten besitzt Kuno Banzhaf – von der Schwäbischen Alb, Blau-beuren, Tübingen, aber auch aus Kreta und Mallorca. Die braucht er auch, denn Kuno Banzhaf ist seit 60 Jahren mit seinen Kollegen vom Schwäbischen Albverein Ditzingen unterwegs, war 30 Jahre lang stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe und führt heute noch Wanderungen an. „Nur wenn ich zu Fuß laufe, kann ich die Natur oder die Stadt erleben. Wenn ich mit dem Auto fahre, kann ich die Pflanzen nicht riechen“, sagt der fitte Wandersmann.

1958 ist der gebürtige Münchinger nach Ditzingen gezogen – zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern. Bei einem Kappenabend während der Faschingszeit habe er sehr nette Tischnachbarn gehabt, die im Albverein gewesen seien. Mit denen habe er sich angefreundet. „Und dann bin ich auch dem Albverein beigetreten“, sagt der pensionierte Industriekaufmann. Zuerst sei er in der Jugendgruppe aktiv gewesen und auch auf Klettertouren mitgefahren, zum Beispiel ins Donautal. Später habe er die Jugendgruppe geleitet. „Unsere nicht mehr ganz so junge Jugendgruppe trifft sich heute noch einmal im Jahr zu einer größeren Wanderung“, sagt Banzhaf.

Mit dem Akkordeon spielt er den Saal leer

Der 82-Jährige selbst führt nur noch zwei Touren im Jahr an, eine im August und Ende Dezember den „Jahresschluss mit Kuno“ wie es im Programmheft der Ortsgruppe Ditzingen heißt. Früher habe er viele Wanderungen organisiert und geleitet. unter anderem auch Nachtwanderungen Ende Juni. „Um 20 Uhr sind wir meist losgelaufen, bis zur nächsten Gaststätte“, erzählt Banzhaf lebhaft. „Und dann sind wir von Mitternacht bis zum Morgengrauen durchgewandert. Wenn wir dann beim Sonnenaufgang auf dem Berg standen, da hatte so manch einer Tränen in den Augen.“ Am Ende jeder Wanderung stehe die gemeinsame Einkehr in eine Hütte oder einen Gasthof auf dem Programm. Da packt Banzhaf dann sein Akkordeon aus. „Und ich spiele den Saal leer“, sagt er verschmitzt. „Ich ich bin ja nur ein Amateur und komme gar nicht mehr zu Üben.“

Das gemeinsame Zusammensitzen nach der Wanderung sei ihm wichtig, sagt Banzhaf. „Das ist ja auch das Schöne am Albverein, dass wir gemeinsam wandern.“ Das sei heute nicht mehr so beliebt, stellt er fest. „Die Familien wollen lieber unter sich bleiben, statt in der großen Gruppe zu wandern.“ Ein Aspekt, den der gesellige Banzhaf nicht verstehen kann. Bei ihm seien Fremde, Bekannte und die gesamte Familie oft mitgewandert, sein Sohn Uwe hat bis vor Kurzem auch Wanderungen geführt.

Mit dem Fahrrad ist er viel unterwegs

Neben den Ausflügen in die Natur hat Banzhaf auch bunte Abende organsisert. Vor allem den Kappenabend des Vereins von 1970 bis 2008. „Das war ein Spaß“, erinnnert er sich. In seiner Waschküche hätten sich die Organisatoren öfter getroffen und sich bei Bier, Wein und Brezeln Sketche überlegt für den Faschingsabend. Außerdem stand Banzhaf bei den Veranstaltungen oft auch selbst auf der Bühne. Ob im Männerballett in der Gruppe oder als lustiger Penner im Solostück. „Ich bin immer einer der letzten, die gehen. Dann kann auch keiner schlecht über mich sprechen, wenn ich weg bin“, sagt er über sich.

Ein kleines bisschen ruhiger ist Banzhaf aber doch geworden. Früher sei er mit Frau und Kindern fast jedes Wochenende gewandert, auch ohne Albverein. Auf langen Wanderungen merke er nun aber seine Hüfte. „Jetzt wandere ich nur noch ans Bärenschlössle zum Wurstessen“, sagt er. Mit dem Fahhrad sei er aber immer noch viel unterwegs. Besonders gerne im Spätsommer, wenn das Getreide hoch stehe. „Das hat was Erhabenes, wenn man da durchfährt“, sagt der Naturliebhaber.




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