Künstler brauchen Publikum. Diese Erkenntnis brachte Hanns-Otto Oechsle am Donnerstagabend bei der Ausstellungseröffnung von Form und Farbe wieder ins Bewusstsein. Dass sich auch für die 49. Auflage der Traditionsveranstaltung in Oberstenfeld sieben Künstlerinnen und Künstler fanden, die ihre Werke einer Schar Interessierter präsentieren, ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist das Publikum, das eine Ausstellung erst zum Erfolg führt.
In diesem Jahr gab es davon zahlreiche, wie Oechsle, der die Schau traditionell organisiert und dabei auch seine Gemälde mit Heimatbezug zeigt, dankbar registrierte. Zwar ist seit Jahren personell eine große Konstante unter den Kunstschaffenden auszumachen, doch erfreut sich die Ausstellung nach wie vor regen Zuspruchs. Das liegt wohl auch an der hohen Güte der Exponate, die durch Niveau und Kreativität überzeugen.
Pilze färben Holz
Neu hinzugekommen ist Hubert Krimmel. Er ist zusammen mit Heinz (Enzo) Weber der „Holzwurm“ unter den sieben Teilnehmenden, die sich auch handwerklichen Themen wie Schmuck und Keramik widmen und dabei ansprechende Stücke gestalten. Krimmel arbeitet figürlich mit Wurzelholz, das er meist auf Spaziergängen sammelt. In der intensiven Auseinandersetzung mit dem Material entstehe die Form, wie er erklärte – ein Ergebnis, das ihn bisweilen selbst überrasche. „Ich nehme mit, was mich anspricht, und mache daraus, was das Holz mir anbietet“, so seine kreative Formel.
Da sich im Holz manchmal ein Pilz befinde, leiste der schon gewisse Vorarbeit – auch farblich, wie ein Exponat aus Zwetschgenholz zeigt, das starke Rottöne aufweist. Krimmel hat dem länglichen Stück sogar ein Gesicht verliehen. „In jedem Stück steckt etwas Persönliches von mir drin.“
Heinz Weber, seit rund 20 Jahren dabei, verfolgt eine eigene Intention: „Leuten näherzubringen, was der deutsche Garten alles an Hölzern aufweist.“ Der Künstler gestaltet aus Eibe, Wacholder, Kirsche, Goldregen, Ginkgo oder Zwetschge ästhetische Deko- und Nutzobjekte, die durch ihren weichen Oberflächenglanz auffallen.
Ehre für neuen Bürgermeister
Ute Enzer zählt nicht nur zu den langjährigsten Mitgliedern der Künstlerriege, sie unterstützt Oechsle auch tatkräftig bei der Organisation. Zudem fällt sie durch ihre Vielfalt auf: Textilien wie bestickte Tischsets und Patchworkdecken gesellen sich zu Bonsais und einer berauschenden Perlenflut. Hannelore Nowocien ist die Großmeisterin im Klöppeln und ebenfalls eine sichere Bank, was die Teilnahme betrifft. Ihre zarten, zeitraubenden Arbeiten faszinieren auch jene, die selbst nicht handarbeiten.
Zum ersten Mal wurde die Ausstellung von Kai Kraning eröffnet. Der neue Oberstenfelder Bürgermeister, erst seit wenigen Tagen im Amt, bezeichnete es als „besondere Ehre, die Traditionsveranstaltung begleiten zu dürfen“. Die Ausstellung ist freitags von 14 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet.