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„Kunst im Club“ Ist es Kunst? Es ist Urban Art!

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Am Freitag und Samstag steigt in Stuttgart das erste Urban-Art-Festival. Es nennt sich „Kunst im Club“ und findet im Club Zollamt statt. Doch nicht nur der Fokus auf die inter- und multidisziplinäre Urban Art ist an dieser Veranstaltung etwas Besonderes.

Der Stuttgarter Graffiti-Veteran Dingo Babusch wird im Club Zollamt ebenfalls mitmischen. Foto: privat
Der Stuttgarter Graffiti-Veteran Dingo Babusch wird im Club Zollamt ebenfalls mitmischen. Foto: privat

Stuttgart - Mit einer Definition des Begriffs „Urban Art“ tun sich die Veranstalter von „Kunst im Club“ selbst schwer. „Unkommerziell“ sei diese Art von Kunst, sagt einer der Beteiligten, „frei, direkt und ungefiltert, wenn man es sieht, weiß man, ob es Urban Art ist“.

Jedenfalls ist Urban Art multi- und interdisziplinär, es kann Graffiti sein oder Bildhauerei oder Musik. Manchmal ist es auch alles zusammen. Wer will, kann seinen Blick für diese Ausdrucksform am Freitag und Samstag, 3./4. August, im Stuttgarter Club Zollamt schärfen. Da versammelt „Kunst im Club“ zwanzig Künstler vornehmlich aus der Region, die nach Ansicht der Veranstalter alle unter das Label „Urban Art“ fallen. Der Stuttgarter Graffitiveteran Dingo Babusch ist mit „Mixed Media“ vertreten, Susann Meissner zeigt Panografien, Sebastian Klemm gastiert mit einer interaktiven Performance-Installation, Boris Loder zeigt seine digital bearbeiteten Fotografien – allesamt junge, unangepasste und/oder ungewöhnliche Künstler, die nicht nur für sich genommen, sondern auch und vor allem in ihrem Neben- und Miteinander besonders sind.

Das ganze Publikum ist der Kurator

Urban Art wird im Kern von einem kleinen Kreis Ehrenamtlicher um die Stuttgarter Kunsttherapeutin Lena Moskwa organisiert; die beteiligten Künstler bringen sich auf verschiedenste Weise in die Veranstaltung mit ein und sind auch an beiden Tagen anwesend. „Das gehört zum Konzept. Es geht ums Netzwerken“, sagt Lena Moskwa, „wir wollen keine Soloshows.“ Überhaupt verträgt sich Urban Art nur begrenzt mit der Kunst des Kuratierens. Das gesamte Publikum ist der Kurator; gut ist, was gut ankommt.

Im „Zollamt“ erwartet die Besucher weder eine Galerie noch eine Verkaufsmesse wie die im September in Berlin stattfindende „Stroke“, vielmehr eine Leistungsschau der süddeutschen Urban Art. In jedem Fall gebe es Talente zu entdecken, verspricht Organisatorin. Der Ort der Ausstellung soll die entsprechende Atmosphäre schaffen: Das „Zollamt“ ist eine Event-Location unweit des ehemaligen Güterbahnhofs in Bad Cannstatt. Die Künstlerkolonie von den Waggons am Nordbahnhof will ganz in der Nähe ihre Container aufstellen.

„Die Location ist perfekt“, sagt die Macherin von „Kunst im Club“ – schließlich sei der Rahmen, in dem Urban Art präsentiert wird, fast genauso wichtig wie die Kunstwerke selbst. White Cube, heißt das, war gestern. Heute gilt: Kunst in der Dis­cothek anschauen und abends bei der After-Show-Party an selber Stelle zu elektronischer Musik tanzen.