Kunst im Schloss Filseck Ersetzt der Hund den Therapeuten?

Ausstaffiertes Hündchen: Cornelius Völker „o.T.“ Foto: Klaus_Heider

Der Mensch liebt Tiere. Deshalb kann man auf Schloss Filseck nun allerhand Haustiere bewundern. Aber was wollen die Künstler mit ihren Tierbildern eigentlich sagen?

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Mancher käme vermutlich in Verlegenheit bei der Frage, wen er mehr liebt – den Partner oder das Haustier? Verständlich, denn so freudig, wie ein Hund Frauchen und Herrchen begrüßt, muss denen das Herz einfach aufgehen.

 

Künstlern scheint das nicht anders zu gehen. Tiere sind von jeher ein beliebtes Motiv in der Kunst. Schon als der Mensch in Höhlen saß, begann er, Tiere an die Wände zu zeichnen oder aus Elfenbein zu schnitzen. Auf Schloss Filseck bei Göppingen hat man sich deshalb für die diesjährige Sommerausstellung ein populäres Thema vorgenommen mit „Auf den Hund gekommen. Das Haustier in der Kunst“.

Das Schloss bei Göppingen ist ohnehin einen Ausflug wert – und bevor es in die Schenke auf einen Kaffee oder auf den Spielplatz geht, bietet sich ein Gang über die knarzenden Holzdielen im Ostflügel an, wo einen nun Hund, Katze und auch ein Meerschweinchen begrüßen. Aber die Auswahl an Gemälden lässt vermuten: der Hund ist der Künstler bester Freund.

Wenn die Dame mit dem Hund tanzt

Es sind die Frauen, die offenbar besonders auf die Liebe des Tieres angewiesen sind. Inge Pries zeigt eines dieser einsamen Herzen – eine Dame, die mit ihrem Hund tanzt, der dazu Stelzen auf Herrenschuhen trägt. Auch Comics finden sich in der Ausstellung – auf einem, erklärt eine junge Frau ihrer Mutter, dass ein Hund all ihre Probleme lösen werde. Dann solle sie eben einen „fucking dog“ anschaffen, sagt Mama genervt, „aber geh trotzdem zur Therapie.“

Hier wurde eine wuschelige Katzenpfote ins Bild gesetzt, dort steht ein schwarzer Rottweiler, den Ottmar Hörl lebensecht aus Kunststoff gefertigt hat. Eines der ungewöhnlichsten Bilder malte aber Aloys Sauter vor fast hundert Jahren: „Le Buffet“.

Der Belgier war Karosseriebauer, aber auch ein passionierter Hobbykünstler. Mit Liebe zum Detail hat er eine Holzwerkstatt gemalt, in der hüben gearbeitet wird und drüben besagtes Büffet steht – ein stattlicher Schrank, der in jedem Haushalt treue Dienste leisten würde. Sauter beeindruckte vor allem das handwerkliche Können des Schreiners, weshalb er auf dem Bild auf eine Art Urkunde eine Hommage an den Mann schrieb, „der dieses Möbelstück fertigte“ - ohne Maschinen, ohne Modell oder Plan, eine „einzigartige Handarbeit“.

Zugegeben, der Hund und die Katzen spielen auf dem Bild keine allzu große Rolle. Aber ohnehin ist die von der Kunsthalle Göppingen zusammengestellte Ausstellung recht flott und ohne viel Hintersinn zusammengestellt worden. Erklärtexte gibt es nicht und mit dem bunten Sammelsurium wollte man auch nicht in die Tiefe gehen und hinterfragen, was es eigentlich genau mit dem Haustier auf sich hat.

Von christlicher Tradition bis Ästhetik

So sprechen die Bilder für sich – und eines verrät dieser Rundgang durchaus über das Wesen der zeitgenössischen Malerei: Sie interessiert sich in erster Linie für sich – also für das Medium Malerei und ästhetische Fragen. Anders war das noch bei Eugen Wolff-Filseck. Er war nicht nur der Sohn des einstigen Gutsverwalters von Schloss Filseck, sondern auch ein Maler des Impressionismus. Als er 1909 zwei elegante Damen im Salon malte, trug der Hund auf dem Teppich wesentlich zur Stimmung des Bildes bei und unterstrich das Laissez-Faire dieser wohlhabenden Herrschaften.

Auch HAP Grieshaber, dessen Holzschnitt „Noah und die Kreatur“ von 1975 gezeigt wird, ist klar in der christlichen Tradition verortet. Die Hundebilder jüngeren Datums wollen dagegen keine Botschaft mehr vermitteln, sondern sehen in Tieren in erster Linie ästhetische Motive. So hat Anneliese Hermes auf großem Format „Atze“ porträtiert, der mit treuem Blick unser aller Freund sein könnte. Cornelius Völker hat mit sinnlich bestechender Farbigkeit ein Meerschweinchen gemalt und dabei jedes Haar mit fast greifbarem Pinselstrich festgehalten. Tatjana Doll interessierte dagegen eher ein Sprachspiel: „Bitte Hund an Leinen“ nennt sich ihr Bild, das eine schwarze Hundesilhouette zeigt auf, Achtung: Leinen.

Ein Hase hat sich dann doch in die Ausstellung verirrt, mit grimmigem Blick schaut er vom Siebdruck von Heike Kathi Barath. Oder ist es doch ein anderes Tier? Bei dem Hündchen, das Maria Luisa Witte auf einem kleinen Bild gemalt hat, bleibt kein Zweifel. Es liegt auf dem Rücken und scheint darauf zu warten, dass man ihm den Bauch krault. Hunde können einen eben auch lehren, den Moment zu genießen. Um das zu verdeutlichen, hat die Künstlerin auch noch eine Lebensweisheit von Seneca aufs Bild geschrieben: „Eines Tages wirst du sehr unglücklich sein, aber deswegen musst du nicht jetzt schon unglücklich sein.“

Sehenswertes Ausflugsziel

Denkmal
Das heutige Schloss Filseck, das zwischen Faurndau und Uhingen liegt, ging aus einer Burg hervor, die um 1230 gebaut wurde. 1597 begann Burkhard von Berlichingen, die alte Burg von 1230 durch ein Schloss im Renaissance-Stil zu ersetzen. Die Galerie im Ostflügel des Schlosses wurde 2016 eröffnet und wird von der Kunsthalle Göppingen bespielt.

Info
Ausstellung bis 27. Juli, geöffnet Mittwoch bis Sonntag 13 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei. adr

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