Kunst in Bad Cannstatt Die hohe Kunst der Glasgestaltung
Glasmalermeister Valentin Saile hat Studierenden an der Freien Kunstschule Stuttgart seltene Einblicke in das Handwerk gegeben. Die Begeisterung war groß.
Glasmalermeister Valentin Saile hat Studierenden an der Freien Kunstschule Stuttgart seltene Einblicke in das Handwerk gegeben. Die Begeisterung war groß.
Etwa ein Dutzend Studierende der Freien Kunstschule Stuttgart im Stadtteil Hallschlag in Bad Cannstatt haben sich eine Woche mit der Kunst der Glasgestaltung und der Glasmalerei beschäftigt. Kein geringerer als der Stuttgarter Glasmaler Valentin Saile hat sich bereit erklärt, erstmals seine Kenntnisse in der Glasgestaltung und Glasmalerei einschließlich Kunstgeschichte Studierenden weiterzugeben. Saile ist auch studierter Kunsthistoriker. Sein Großvater Wilhelm Saile war mit Adolf Hölzel befreundet und hat für den berühmten Wegbereiter der Moderne einst die Glasbilder fürs Stuttgarter Rathaus nach dessen Entwürfen gefertigt. „Weil Hölzel die Glasmalerei revolutioniert hat“, freut sich Rektor Martin Handschuh darüber, dass Saile an die Freie Kunstschule Stuttgart gekommen ist, die Hölzel ja auch einst gegründet hat. Die Studierenden waren begeistert über diese seltene Möglichkeit, von dem Meister Theorie und Praxis zu erfahren. Nachdem sie sich mit der Geschichte der Glasmalerei vom Mittelalter bis in die Neuzeit beschäftigt und auch Glasfenster angeschaut hatten, wurden sie zwei Tage selbst praktisch tätig.
In die Werkstatt der Freien Kunstschule haben sie ihre Entwürfe mitgebracht: abstrakte und konkrete Formen. Saile gab Tipps. Er hatte Spezialklebstoff, Blei, Glasschneider und mundgeblasenes Glas der Glashütte Lamberts mitgebracht, die auf Echt-Antik-Gläser spezialisiert ist und den Studierenden ebenfalls im Kurs Einblicke in ihre Arbeit gab. 200 Muster leuchteten den Betrachtern entgegen. Das machte Lust, aktiv zu werden. Bettina Parpart, Studentin im fünften Semester, fasziniert die Lichtwirkung, wie sie sagt, wie die Gläser leuchten. Sie hat einen baumartigen Entwurf dabei. Ein anderer hat ein Glasgefäß, welches er künstlerisch gestalten möchte. Siegfried Krüger ist beeindruckt, was man aus Glas machen kann. „Jetzt sehe ich die Details.“
Künstler Stefan K. hat einen „Gargoyle“ mitgebracht, ein Fabelwesen, welches als Schutzgeist an Außenwänden von Kirchen angebracht war. Sein Gargoyle-Entwurf ist ein teuflischer Kopf mit Hörnern. Für den Studierenden ist der Kurs „ein totales Highlight, weil ich in die Richtung gehen möchte“, sagt der 59-Jährige.
Saile ist gefragt: Mal gibt er Hinweise, wie der Entwurf besser umsetzbar ist, dann wie man Glasplatten zuschneidet. Während das Messer bei ihm ruhig und sicher läuft, mühen sich andere ab. Aller Anfang ist schwer. Die Studierenden sammeln Erfahrungen. Einige zeichnen mit Blaupapier ihren Entwurf, andere fertigen schon auf dem Glas eine Pinselzeichnung an. Ilona Krüger will ihre bunten Gläser überlappen lassen und freistellen. „Ich hoffe auf viel transparentes Glas.“ Die Kursteilnehmer sind mit Feuereifer dabei. Manche stellen fest: Malen geht einfacher, als das Glas schneiden. Die Studierenden nehmen mit, wie viel Arbeit und wie anspruchsvoll die Glasgestaltung ist. Als Ausbildung dauert sie drei Jahre. Viel Bewunderung erhält Saile für sein handwerkliches Können, die Erfahrung und die Hilfen, die er weitergibt, damit sich der Zauber des Lichts für jeden individuell entfalten kann.