Vor dem Hospiz St. Martin ziert ein Herz aus bunten Blättern die Grünfläche. Was hat es damit auf sich?

Wenn die Blätter an den Bäumen bunt werden, nach und nach auf den Boden fallen und verwelken, dann wird einem bewusst, dass das Leben vergänglich ist. Wer in diesen Tagen in der Jahnstraße am Hospiz St. Martin in Degerloch vorbeigegangen ist oder dort jemanden besucht hat, dem ist vielleicht das große, bunte Herz aus Blättern aufgefallen. Dieses Herz hat nicht etwa der Wind so kunstvoll dahin geblasen. Dieses Symbol der Liebe haben zwölf Kinder gestaltet, die vor allem eines miteinander verbindet: sie müssen oder mussten sich von einem geliebten, nahe stehenden Menschen für immer verabschieden.

„Die Idee mit dem Blätterherz ist spontan entstanden“, erzählt Barbara Hummler-Antoni, die seit 2010 Kunsttherapeutin und Trauerbegleiterin im Hospiz St. Martin ist. Mehrmals im Jahr wird dort ein Erlebnistag, der sogenannte „Stein- und Feder-Tag“, für trauernde oder Abschied nehmende Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren angeboten. Dieses Mal stand der Tag unter dem Titel „Abschied ist gelb, rot, blau und...“. Es ging darum, welche Farben und Formen die Kinder für ihre Erfahrungen im Abschiednehmen, mit Sterben, Tod und Trauern finden. „Die Kinder durften ihre eigene Leinwand gestalten, wie große Maler und Künstler“, sagt Hummler-Antoni.

Vergänglichkeit am Beispiel der Natur

Die Kinder seien mit dem Malen jedoch früher fertig gewesen als gedacht und so sei die Idee aufgekommen, raus in den Wald zu gehen, um schöne bunte Blätter zu sammeln, so die Kunsttherapeutin. Mit Tüten voller Blätter kamen die Kinder schließlich zurück. Daraus formten sie das Herz mit dem roten Rahmen. „In die Mitte stellten wir eine Kerze, um an alle zu denken, die nicht mehr auf Erden, sondern nur noch in unseren Herzen sind“, erzählt die Trauerbegleiterin. Kinder verstehen anhand von Beispielen aus der Natur wie verwelkte Blätter Tod und Vergänglichkeit am besten. Es ist die Ebene, die sie am meisten anspricht, erklärt Hummler-Antoni.

Ausstellung im Lindenmuseum über Tod und Trauer

Während das Herz aus Laub so langsam seine Form verliert und die Blätter mit dem Wind verwehen oder mit dem Boden eins werden, so bleiben die Leinwandwerke der kleinen Künstlerinnen und Künstler bestehen und können vom 2. bis zum 6. November bei einer Bilder-Ausstellung zum Thema Tod und Trauer im Stuttgarter Linden-Museum betrachtet werden.

Die Schau ist frei zugänglich. Die Eröffnung ist am Mittwoch, 2. November, um 17.30 Uhr.