Kunst in der Steigkirche Bad Cannstatt Realistische Gemälde voller Spiritualität

Pfarrer Andreas Jauss zeigt seine realistischen Werke in der Steigkirche von 29. Mai bis 23. Juli. Foto: Iris Frey

Ökumene pur: Der katholische Geistliche Andreas Jauss stellt erstmals in der evangelischen Steigkirche seine Kunstwerke aus. Ab Pfingstmontag sind die Gemälde in Öl und Acryl zu sehen.

Lokales: Iris Frey (if)

Ökumene ist Jauss sehr wichtig. Der 63-jährige Pfarrer, der zugleich freischaffender Künstler ist mit Ausstellungen von Amerika bis Salzburg und Stuttgart, möchte das auch in seiner Predigt am Pfingstmontag aufnehmen, wie er kurz vor der Eröffnung seiner Ausstellung erklärt. Kunst und Kirche wirken in der Steigkirche ineinander. Jauss, seit 2021 in St. Rupert Pfarrer, gelingt der Spagat scheinbar mühelos. Er ist ein Künstler, den „fasziniert, das zu malen, was nie jemand malen würde“. Er malt nicht nur einen Schutthaufen vor Palmen, auch Graffiti. Jeden Buchstaben. Jeden Farbtupfer. Alles exakt. Realistisch.

 

Die Motive findet der Künstler auf Reisen

Auf Reisen findet Jauss seine Motive: in Amerika, Italien, Sizilien und Andalusien. „Ich suche nach dem Besonderen im Gewöhnlichen“, sagt Jauss. Manchmal, wenn er fotografiert, wenn er sein Motiv entdeckt hat, wird er von Passanten kritisch beäugt. Will er gar das Gelände kaufen oder das Haus? Doch der Maler sammelt Motive. Das macht ihm viel Spaß, wie er erzählt. Und dann malt er, in Öl oder Acryl. Oft menschenleere Straßen, Autos, Strand, Häuser. Immer wieder das Meer. Jede Welle. Das reizt Jauss.

Seit er auf der Kunstakademie Karlsruhe von 1992 bis 1998 Malerei und Grafik studiert hat, malt er realistisch. Er hält leere Tankstellen fest, Palmen in Reih und Glied im südlichen Licht Spaniens. Ein Mann am Meer – unweigerlich der Vergleich: der Künstler im Bild. Er verneint es nicht. Pfarrer Jauss malt erst einmal und hinterher stellt er die Durchdringung fest. Ist es die Unendlichkeit, die Ewigkeit, wenn er einen Menschen darstellt, der vor einer Glaswand steht und ins Meer blick? „Wir sehen in die Ewigkeit und stehen doch wie hinter einer Glaswand“, sagt der Künstler. Aber von der Ewigkeit komme das Licht, das Symbol für den Sohn Gottes, so der Pfarrer. Dieses Bild hat er hinter den Altar in der Steigkirche gehängt.

In den Bildern steht die Zeit manchmal still

Jauss möchte Bilder so malen, dass Betrachter in ihnen eine Deutung oder Geschichte finden können. Seine Ausstellung nennt er „Der Lauf der Dinge“. Ursprung dafür ist eine Reihe von etwa 500 Schwarz-Weiß-Bildern, die er seit dem Kunststudium so genannt hat, Dokumente seines Lebens. Ein paar davon sind in der Steigkirche zu sehen und – das besondere – auch die fast gleichen Motive in Farbe. In der Reihe dokumentiert er die Zeit und Zeitgeschichten. Auch mal aus der Presse, Fotos und Berichte, die ihn zu Gemälden inspirieren. In seinen Bildern scheint die Zeit aber auch mal still zu stehen. Sie laden zum Nachdenken ein.

Stipendium in den Vereinigten Staaten

In Amerika hat Jauss in den neunziger Jahren ausgestellt. Er hatte ein Reisestipendium der Columbus State University in Georgia. Als einer der ersten mit eigener Homepage wurde er von einem amerikanischen Galeristen entdeckt. Er stellte an drei Kunsthochschulen in Amerika aus, darunter auch in Chicago. Er erlebte dort erstmals einen typischen „Gallery Talk“ und will diesen am 11. Juli um 19 Uhr in der Steigkirche anbieten. Jauss ist vom amerikanischen Maler Edward Hopper tief beeindruckt. „Er ist wichtig für mich. Man hat einmal über mich gesagt, ich bin der deutsche Hopper.“

Inspiriert von Caspar David Friedrich

Und doch geht er künstlerisch seinen Weg. In der Malerei von Jauss finden sich die Themen Freiheit, losgelöst und unterwegs sein. Beispielsweise vom Highway 101 bis nach La Pusch im US-Bundesstaat Washington. Und da kommt dann noch der Maler Caspar David Friedrich ins Spiel, der ihn fasziniert hat. „Bilder sind immer Fiktion“, sagt er. In seinen Bildern findet man selten Hinweise auf Ortschaften. Seine Idyllen, die er malt, sind trügerisch, erkennbar auf den zweiten Blick. Und immer voller Geschichten. Fein komponiert, oft monatelang gemalt. Beeindruckend in ihrer Ausstrahlung, vollendeten Maltechnik und Wirkung. Bevor Künstler Jauss als Spätberufener Pfarrer wurde, hat er gemerkt, dass ihm noch etwas im Leben fehlt. Die Lücke ist jetzt gefüllt, sagt er. Und meint das Engagement für die Kunst und die Kirche. Sie funktioniert. Und das i-Tüpfelchen dazu ist jetzt die Ökumene pur, die er in der Steigkirche verwirklicht.

Service

Die Ausstellung ist von 29. Mai bis 23. Juli in der Cannstatter Steigkirche, Auf der Steig 21, zu sehen. Weitere Infos unter www.steig-kirchengemein.de und unter www.jauss.de .

Weitere Themen