Kunst in Herrenberg Metallene Mathematik blickt auf abstrakte Rinde

Der Bildhauer Max Schmitz entwickelt Figuren aus einem Oktaeder. Foto: Stolte

Ingrid Dahn, Petra Gill und Max Schmitz zeigen in der Galerie der Stadt Herrenberg ihre Wege in die Abstraktion: Einmal von der Natur aus, einmal von der Idee aus.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Metallische Mathematik, Organische Abstraktionen und eine erleuchtete Skulptur sind zur Zeit in der Galerie des Herrenberger Kulturzentrums in der Tübinger Straße zu sehen.

 

Ein bisschen an kykladische Idole erinnert eine der zentralen Figuren im Werk des Bildhauers Max Schmitz: Der „Koordinator“ ist eine schreitende Figur aus Stahlbech, die jedoch keine Umrisse mehr zeigt. „Hier sehen Sie nur noch die Ebenen der Bewegung“, erklärt Max Schmitz, dem einst ein Künstlerkollege den Tipp gegeben hatte, in diese Form der Darstellung zu gehen: „Oskar Schlemmer hat schon alles mit Umriss gemacht, wenn du was werden willst, Schmitz, dann gehst Du in die Bewegung.“ Er ging – und ging noch weiter in die reine mathematische Abstraktion. Auf einer mathematisch exakten Spirale angeordnet sieht man zunächst einen Oktaeder und dann weitere Figuren, die mit dem Achtflächner in Beziehung stehen. Der Clou daran ist, dass alle Figuren die gleiche Masse haben und sich immer komplexer entwickeln.

Aus den Wäldern Warmbronns

Einen ganz anderen Weg in die Abstraktion ist die Verpackungsingenieurin Petra Gill gegangen. Sie ließ sich von Baumrinde inspirieren. Zunächst wollte sie deren Strukturen malen aber dann griff sie zur Kamera. Über Jahre hat sie Tausende Fotos geschossen und die besten jetzt ausgestellt. Das Ergebnis erstrahlt in einer Farbigkeit, die man den Baumriesen nicht zugetraut hätte: graue und apfelgrüne, knallrote, orange und weiße Rindenstücke bringen sich zum Leuchten. Um die Farbkompositionen noch wirkungsvoller zu machen, hat sie die Fotos paarweise angeordnet. Die meisten ihrer Aufnahmen sind in den Wäldern ihres Heimatortes Warmbronn entstanden oder in den botanischen Gärten von Tübingen und Hohenheim.

Wenige Werke, aber sehr gehaltvolle Stücke, hat Ingrid Dahn beigetragen. Ein echter Hingucker ist eine Skulptur aus Plexiglas, die direkt im Fenster des Kulturzentrums steht. Auf Vorschlag der Kuratorin Elena Hocke, die zugleich stellvertretende Leiterin der Herrenberger Volkshochschule ist, wurde die Skulptur auf einen Leuchttisch gestellt, wo sie jetzt ganz wunderbar feine Licht- und Schattenfelder zeigt, die ihre Ästhetik noch einmal vertiefen.

Ein Philosoph und Ägyptologe

Elena Hocke charakterisiert die Arbeiten von Schmitz und Dahns als „von Neugierde, Erfindung und Erkenntnis“ geprägt. Der in Oberhausen geborene Bildhauer Max Schmitz studierte von 1958 bis 1959 Kunstgeschichte, Ägyptologie und Philosophie an der Universität München und besuchte von 1959 bis 1962 die Kunstakademie Karlsruhe, wo er seine Ehefrau Ingrid Dahn kennenlernte. Von nun an gingen sie gemeinsam durchs Leben: Sie studierten unter anderem bei den Professoren Fritz Klemm und Hans Kindermann. Wichtiger Bezugspunkt für beider bildhauerisches Werk wurde Wilhelm Loth, dessen Assistent Max Schmitz war. Von 1963 bis 1965 studierten sie dann – besonders prägend für ihre Werke - Bildhauerei bei Rudolf Hoflehner, bei dem Max Schmitz wiederum assistierte.

Die Ausstellung „Dahn, Gill, Schmitz. Malerei, Foto, Skulpturen“ geht noch zum 6. September. Die Galerie ist geöffnet Montag bis Mittwoch von 8.30 bis 17 Uhr, Donnerstag von 8.30 bis 18.30 Uhr, Freitag von 8.30 bis 12 Uhr, Samstag von 9.30 bis 12 Uhr. Sonntage und Feiertage ist geschlossen.

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