Kunstforum Weil der Stadt Die Installation an der Kirche macht den Anfang

Beate Kienzle (li,) und Steffi Cramer sprechen über die Installation auf dem Vorplatz der Kirche St. Peter und Paul. Foto: Simon Granville

Das Kunstforum in Weil der Stadt feiert sein 30-jähriges Bestehen. Arbeiten des Künstlers Johannes Pfeiffer stehen dabei im Mittelpunkt.

Normalerweise heißt es, ein großes Event wirft seine Schatten voraus. Beim Kunstforum Weil der Stadt, das am 14. Juli sein 30-jähriges Bestehen feiert, scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Weiße Schnüre ziehen sich an der Südfassade der Stadtkirche St. Peter und Paul von der Kirchenwand herab auf einen Berg von Sandsteinen. Diese Installation, die der Künstler Johannes Pfeiffer zum Geburtstag des Kunstforums geschaffen hat, erinnert an helle Sonnenstrahlen. Man könnte meinen, der Heilige Geist habe an Pfingsten, als die Arbeit fertig wurde, seine Strahlen von der Kirche auf die Steine herabgesendet.

 

Neben der Installation gehört zu dem Geburtstagsprojekt ein sogenanntes Leuchtrad des Künstlers und eine Ausstellung mit Zeichnungen, Holzdrucken und Objekten von ihm in der Wendelinskapelle. Die wird bereits am Sonntag, 23. Juni, eröffnet. Am Jubiläumstag im Juli gibt es eine Führung, bei der es von einem (Kunst-)Ort zum anderen geht. Der Startpunkt ist die Installation mit dem Titel „Transitorische Antipoden“ auf dem Vorplatz von St. Peter und Paul, wo die Besucher und Besucher dann auch erfahren, was es mit dem Titel der Installation auf sich hat, wie Steffi Cramer vom Kunstforum verrät. Sie hat gemeinsam mit Beate Kienzle die Ausstellungen kuratiert.

Installation, Leuchtrad und Ausstellung

„Johannes Pfeiffer will bei seinen Installationen den Ort immer mit einbeziehen“, ist von Cramer zu erfahren. Er nehme wenig Materialien und schaffe damit einen neuen Zusammenhang. „Der Besuch des Bauhofs war für mich sehr wichtig. Ich habe dort das Material gefunden, das ich für meine Außeninstallation brauchte“, so der Künstler. „Pfeiffer wollte Steine in der gleichen Farbe wie die Kirche“, sagt Cramer. Da Beate Kienzle ihn zuvor ausführlich in die Geschichte Weil der Stadts eingeführt hatte, fanden die Findlinge sein Interesse.

Neben den amorphen Steinen fanden sich auf dem Bauhof Teile, die ursprünglich den Sockel des Keplerdenkmals gebildet hatten, das mit der Umgestaltung des Marktplatzes versetzt wurde. „Die Steine gehörten zum alten Sockel, der sich unter dem eigentlichen Denkmal verbarg. Sie landeten zunächst auf dem Bauhof in Merklingen und kamen dann zur Sammelstelle beim Wasserwerk. Dort hat sie Johannes Pfeiffer entdeckt“, erzählt Beate Kienzle. Auf einem dieser Steine ist noch der Name „Kepler“ zu lesen. Ein Freund Pfeiffers, der Bildhauer Roland Bischofberger, hat den Namen für die Installation noch etwas herausgearbeitet.

Der Name „Kepler“ ist noch zu erkennen

Bei allen Steinen gab es einiges zu tun. „Wir haben Moos von den Steinen abgeschrubbt – im Schweiße unseres Angesichts“, sagt Cramer. Sie und Beate Kienzle freuen sich, dass sie auch dabei von den Bauhofmitarbeitern tatkräftig unterstützt wurden. „Wir sind sehr dankbar, dass sie mitgespielt haben“, betont Cramer.

Der Künstler Johannes Pfeiffer vor seinem fluoreszierenden Rad im Seilerturm /privat

Froh sind Cramer und Kienzle ebenfalls darüber, dass sie Pfarrer Gruber von der St. Peter und Paul Kirche für die Installation gewinnen konnten. Immerhin sind die Schnüre an einem Ring befestigt, der an einem bereits vorhandenen Loch in der Kirchenwand in sieben Meter Höhe verankert wurde. Pfarrer Anton Gruber sagt: „Grundsätzlich bin ich offen für so etwas.“ Dem Weiler Stadtpfarrer gefällt die Installation. Sie habe etwas von Transzendenz. Er habe zuvor andere Kunstwerke von Johannes Pfeiffer und dabei deren Verbindung von der Erde zum Himmel und vom Himmel zur Erde gesehen. „Der Platz hat jetzt eine andere Bedeutung, ein anderes Leben bekommen“, meint Cramer.

Das Karrenrad in der ehemaligen Arrestzelle im Seilerturm hat einen Durchmesser von 2,60 Meter und passt damit genau in den Turm. Es ist aus angeschliffenem Robinienholz, welches eine fluoreszierende Eigenschaft hat und mit Schwarzlicht angestrahlt, goldgelb leuchtet.

Das Holzrad wird mit Schwarzlicht angestrahlt

„Wir wollten dieses Mal auch etwas für die Öffentlichkeit machen“, betont Steffi Cramer. Normalerweise seien sie ja nur mit den Ausstellungen in der Wendelinskapelle vertreten. „Wir wollten mal etwas außerhalb der Kapelle.“ Das ist ihnen jetzt mit dem Projekt zum 30-jährigen Bestehen gelungen – und sie haben zudem Sponsoren dafür gefunden. Auf die Besucherinnen und Besucher wartet am 14. Juli ein Programm von 11.30 Uhr bis etwa 16 Uhr. Der Beginn ist im Klösterle, wo Musik vom Pianisten Moritz Winkelmann von „Klassik im Klösterle“ zu hören ist. Gegen 12.30 Uhr werden die Besucher mit einem Orgelspiel von Pfarrer Gruber bei der Kirche empfangen. Gegen 14 Uhr besteht die Möglichkeit, sich bei einem Imbiss beim Rössle zu stärken.

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