Kunstinstallation bei der EnBW-City auf dem Fasanenhof Bunte Lichtblitze am Nachthimmel

Das Kunstwerk „Flashouse“ besteht aus 568 LED-Elementen. Daten wie Temperatur und Jahreszeit beeinflussen den Lichtfluss. Foto: EnBW
Das Kunstwerk „Flashouse“ besteht aus 568 LED-Elementen. Daten wie Temperatur und Jahreszeit beeinflussen den Lichtfluss. Foto: EnBW

Der Künstler Michael Bielicky hat für die EnBW-City die Lichtinstallation „Flashouse“ entworfen. Er hat uns erzählt, warum es für ihr eine magische Erscheinung ist.

Filder-Zeitung: Leonie Schüler (lem)
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Fasanenhof - Wie ein Lindwurm schlängeln sich bunte Lichtpunkte an der 60 Meter hohen Fassade der EnBW-City nach oben, bis sie verblassen. Kurze Zeit später erscheint ein neuer Leuchtstreifen, der sich in anderer Weise seinen Weg am Hochhaus hinauf bahnt. Wie ein Feuerwerk setzt sich das bunte Farbenspiel immer weiter fort.

Der deutsch-tschechische Künstler Michael Bielicky hat das Kunstwerk mit dem Namen „Flashouse“ im Auftrag der EnBW entworfen. Seit Dezember erscheinen die Lichtblitze am Nachthimmel, jeweils zwischen 19 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Die Planungen und Entwürfe dazu haben allerdings schon im Jahr 2010 begonnen, kurz nachdem das Energieunternehmen seinen Neubau auf dem Fasanenhof bezogen hatte. „Kunst am Bau“ war bei der EnBW damals schon ein Thema: Drei Kunstwerke stehen seit dem Einzug im und um das Gebäude. „Dann hat man überlegt, dass auch das Hochhaus ein Kunstwerk bekommen soll“, sagt Johannes Brümmer, der sich im Unternehmen um Kunst und Kultur kümmert. Nach einer internationalen Ausschreibung bekam Michael Bielicky den Zuschlag.

Ein Kunstwerk mit Leuchtturm-Funktion

Die Vorgabe war, ein Lichtkunstwerk zu schaffen, welches das Thema Energie ausdrückt. „Es sollte eine Leuchtturm-Funktion haben“, sagt Brümmer. Zu sehen ist die Lichtinstallation im Umkreis von etwa drei Kilometern, unter anderem von vorbeifahrenden Autofahrern auf der B 27 und der A 8 oder auch von Passagieren in startenden und landenden Flugzeugen des benachbarten Flughafens.

Etwa sieben Jahre lang tüftelte Bielicky, der Professor für Digitale Medien an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe ist, an der Realisierung des Projekts. Schwierig war zum einen, das Kunstwerk in ein bereits bestehendes Gebäude zu integrieren. Ferner gab es viele Sicherheitsvorgaben, etwa beim Brandschutz. Eine weitere Herausforderung war die Technik, für die Bielicky sich Hilfe bei dem technischen Ingenieur Alex Wenger holte. „Es war für uns ein Riesenabenteuer“, sagt der Medienkünstler. „Es war aufwendig und experimentell – das ist meine Natur. Jedes meiner Projekte ist ein Prototyp.“

Das Blinken hat einen tieferen Sinn

Bei all seinen Kunstwerken ist innovative Technologie aber immer nur das Medium. Was zählt, ist der Inhalt, der vermittelt wird. Bie­licky wollte demnach nicht nur hübsche Lichter entwerfen, die beliebig blinken, sondern einen Sinn einarbeiten – wenn auch auf versteckte, codierte Weise. Daher entschied er sich dazu, das Blinken auf drei verschiedenen Datensträngen basieren zu lassen: Temperatur, Jahreszeit und Schwankungen im Stromnetz. Alle Daten beeinflussen den Lichterstrom in Echtzeit. „Dadurch bekommt es eine Art organisches, pulsierendes Verhalten. Im weitesten Sinne wird das Blinken zum Lebewesen“, erklärt der 64-Jährige. Er nennt diese Kunstform datengesteuerte Erzählung. Das Kunstwerk ist dadurch nicht nur Selbstzweck, sondern reagiert auf Impulse aus der Umwelt. Ziel ist aber nicht, dass Betrachter diese Daten aus dem Lichtermeer herauslesen. „Keiner soll davor stehen und sagen: Ah, die Temperatur fällt. Sondern es soll ein Gefühl vermittelt werden.“ Durch die Codierung unterliegt das Kunstwerk einem permanenten Wandel und sieht nie gleich aus. Nicht nur die Farben ändern sich, sondern auch die Fläche, über die sich die Lichter ergießen. „Das strenge und geometrische Gebäude wird dadurch in seiner Struktur aufgebrochen“, erklärt der Künstler.

Die Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern EnBW hat Bielicky als angenehm empfunden. „Das Unternehmen ist innovativ und künstlerisch aufgeschlossener als viele Museen“, sagt er. Dass die Kunst in öffentlichem Raum stattfindet, habe den Vorteil, dass es auch jenem Publikum zugänglich wird, das sonst nicht ins Museum geht. Insofern sei es ein kleiner Beitrag zur Kultivierung der Gesellschaft. Der Effekt sei zwar nicht messbar, doch Bielicky ist sich sicher: „Kunst streichelt die Seele.“

Ein unerwartetes Aha-Erlebnis

Dass sein Name kaum in Erscheinung tritt, stört Bielicky nicht. „Für die Masse ist es eine Art anonymes Kunstwerk. 90 Prozent werden nicht recherchieren, von wem es ist. Für sie bleibt es eine magische Erscheinung.“ Ziel sei, die Betrachter zu bereichern und ihnen ein momentanes, unerwartetes Aha-Erlebnis zu schaffen. Viele erkennen auch den Bezug zur EnBW nicht, was laut dem Kunstbeauftragten Brümmer nicht primäres Ziel ist. Schließlich, betont Brümmer, sei es Kunst und keine Werbung. „Wir werden deswegen nicht mehr Verträge abschließen“, sagt er. Ein positiver Einfluss auf das Unternehmensimage sei aber natürlich erwünscht.

Kunstförderung hat im Konzern eine lange Tradition. Das selbstauferlegte Ziel ist es, zeitgenössische Kunst zu zeigen, die extra für die EnBW entworfen wird. Damit kommt das Unternehmen seiner kulturellen Verantwortung nach, erklärt Brümmer. „Kunst drückt Alternativen zu der Welt aus, in der wir leben. Sie soll Menschen anregen, weiterzudenken, innovativ zu sein und nicht nur ausgetretene Pfade zu gehen.“ Das passe zum eigenen Haus, denn in Zeiten der Energiewende müsse auch die EnBW aufgeschlossen dafür sein, sich für neue Wege in die Zukunft zu öffnen.

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