Das Stuttgarter Kunstmuseum zeigt Michel Majerus in einer großen Werkschau. So umfassend war das 2002 ums Leben gekommene Junggenie bisher selten zu sehen.

Kultur: Amber Sayah (say)

Stuttgart - Für ihn steht das Kunstmuseum Kopf. Um die Monumentalformate des Künstlers Michel Majerus zeigen zu können, hat die Hausherrin Ulrike Groos am Kleinen Schlossplatz umgeräumt: Die ständige Sammlung ist in den Kubus gewandert, wo sonst die Sonderausstellungen stattfinden, und wird dort seit dem 19. November unter dem Titel „180 Grad“ neu präsentiert. Im Erd- und Untergeschoss wurde so auf 2500 Quadratmetern Platz geschaffen für Majerus’ Monumentalformate, die den Maßstab der Räume im Kubus gesprengt hätten, in den ehemaligen Tunnelröhren im Erd- und Untergeschoss des Museums aber ideal untergebracht sind.

Mehr noch: für die schwarzen Riesenlettern der Arbeit „One by which you go in one by which you go out“ scheint die hundert Meter lange Wand im UG wie gemacht zu sein. Nie zuvor haben sich im am Kleinen Schlossplatz Raum und Kunst so ergänzt und durchdrungen, nie zuvor die offene, geschossübergreifende Architektur mit ihren Brücken und Sichtverbindungen sich als so werkgemäß erwiesen wie in dieser Ausstellung.

Die mehr als hundert Gemälde und Installationen umfassende Retrospektive zeigt das Werk des 2002 bei einem Flugzeugabsturz mit 35 Jahren ums Leben gekommenen Junggenies in allen Phasen und Facetten. Charakteristisch ist, neben den gewaltigen Dimensionen, der anarchische Stilmix aus Elementen der Trash- und Popkultur und der Kunstgeschichte. So wie dreißig Jahre zuvor die Vertreter der Pop Art die Welt der Werbung und der Comics „kunstfähig“ gemacht hatten, so ging bei Majerus – durch und durch ein Kind der neunziger Jahre – die neue Ikonografie der elektronischen Medien, von Internet und Computer, in seine Arbeiten ein. Stets finden sich in seinen Bildern aber auch malerische Spuren, Farbspritzer und -schlieren, gestische Pinselschwünge und -krakeleien.

Studium an der Stuttgarter Kunstakademie

Seine künstlerische Ausbildung hat der gebürtige Luxemburger Majerus an der Stuttgarter Kunstakademie erhalten, bei Lehrern wie K. R. H. Sonderborg und Joseph Kosuth. Das war für Ulrike Groos auch der Grund, das Werk des Künstlers in Stuttgart zu zeigen. Ob es ihr allerdings gelingen wird, im Frühjahr Majerus’ große Skaterrampe auf dem Schlossplatz aufzustellen, steht noch in den Sternen.

Das Land will die Benutzung nur an Tagen genehmigen, an denen die Skater nicht mit anderen Veranstaltungen auf dem Schlossplatz konkurrieren. Da es aber in der fraglichen Zeit kaum veranstaltungsfreie Tage gibt, wäre die Rampe nach Ansicht der Kunstmuseums „ein totes Objekt“, seine Aufstellung daher unsinnig. Ulrike Groos hofft aber, dass „die Gespräche mit dem Land noch nicht zu Ende sind“.

Bis 9. April 2012, Di–So 10–18 Uhr, Mi und Fr 10–21 Uhr. Zur Ausstellung bietet das Kunstmuseum Audioführungen per iPod an, die speziell für junge Besucher gedacht sind, aber auch nützliche Informationen für Erwachsene enthalten.

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