Kunstmuseums-Direktorin Ulrike Groos Ihr Markenzeichen ist die Vernetzung

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Nächstes Jahr wird der Glaskubus der städtischen Sammlung Stuttgarts zehn Jahre alt. Das soll groß gefeiert werden. Aber vorher wird noch umgebaut. Da passt es gut, dass die Direktorin Ulrike Groos ihren Vertrag gerade verlängert hat.

Erfolgreich: Die Direktorin des Stuttgarter Kunstmuseums Ulrike Groos. Foto: Frank Eppler
Erfolgreich: Die Direktorin des Stuttgarter Kunstmuseums Ulrike Groos. Foto: Frank Eppler

Stuttgart - Auf Otto Dix ist Verlass. Die satten Zuwachsraten von mehr als 15 Prozent in der Besucherstatistik 2013 des Stuttgarter Kunstmuseums (siehe StZ vom 20. Januar 2014) führt die Direktorin Ulrike Groos vor allem auf den in der Publikumsgunst immer noch ganz oben rangierenden Hausheiligen am Kleinen Schlossplatz zurück. Die im November 2012 gestartete und bis Anfang April des vergangenen Jahres dauernde Schau über „Das Auge der Welt – Dix und die Neue Sachlichkeit“ bescherte dem Kunstmuseum das beste Ergebnis seit 2006 – und mag so dazu beigetragen haben, dass die erfolgreiche Galeriechefin der Stadt erhalten bleibt. Wie berichtet, hat Ulrike Groos, die 2009 als Nachfolgerin von Marion Ackermann in Stuttgart antrat, ihren Vertrag vor Kurzem um weitere fünf Jahre verlängert.

Dix werde darum auch in Zukunft eine feste Größe im Programm des Kunst­museums bleiben, sagt Groos. Denn der Maler ist nicht nur bei jungen und alten Besuchern des Hauses beliebt, sondern bietet ihrer Ansicht nach auch noch viel Stoff für Forschung und Wissenschaft. Gerade eine junge Generation von Kunsthistorikern widme sich seinem Werk mit frisch erwachtem Interesse und trete mit neuen Thesen an die Öffentlichkeit. Die liebste Meinung der Kritiker, dass Museen den Besuchernachwuchs heutzutage nur noch mit spektakulären Spaß­installationen wie der Skaterrampe von Michel Majerus 2012 auf dem Schlossplatz erreichen könnten, wird durch die Statistik dagegen nicht erhärtet. Die Wirklichkeit ist wie immer weniger simpel, als die Meinungsmacher sie gern hätten.

Gleichwohl ruht sich Groos auf dem Quotenkönig Dix nicht aus. In ihren ersten fünf Amtsjahren hat sie kontinuierlich fortgesetzt und weiterentwickelt, was ihre Vorgängerin Ackermann begonnen hatte: aus der eigenen Sammlung heraus Sonderausstellungen zu entwickeln und Schwerpunkte zu setzen, sich dabei aber an internationalen Maßstäben zu orientieren. Das war bei ihrem Einstand mit der „Eat Art“-Schau schon so, die sie zwar aus Düsseldorf mitgebracht, in Stuttgart aber um Arbeiten von Dieter Roth oder Daniel ­Spoerri aus dem Bestand des Kunst­museums erweitert hatte. Und das ist bei der aktuellen Retrospektive mit Werken von Willi Baumeister nicht anders. „Es sind sorgsam komponierte Ausstellungen wie diese, die der Kunst ihren Ort geben, die die  konkreten, spezifischen Bedingungen künstlerischer Produktion und ihrer Wahrnehmung herausstellen – ohne den Werken ihre Wirkmacht zu nehmen“, schrieb die FAZ in einer ausführlichen Würdigung der Schau. Die Aufmerksamkeit der überregionalen Zeitungen hat der Baumeister-Ausstellung nach Groos’ Beobachtung in den letzten Wochen einen merklichen „Besucherschub“ beschert.