Kunstprojekt für Augen und Ohren in Böblingen Gesucht: Brückengeschichten zum Geburtstag

Archivaufnahme der „Elefantenbrücke“ – die so heißt, weil hier einst Böblinger und Sindelfinger Fußballer nach verlorenen Spielen mit gesenktem „Rüssel“ den Heimweg antraten. Foto:  

Zu ihrem Jubiläum plant die DAT-Kunstschule ein interaktives Projekt zum Anschauen und Anhören – und hofft auf Hilfe der Böblinger.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Was bei Romeo und Julia die Montagues und die Capulets sind, das ist hier im Landkreis die Städterivalität zwischen Böblingen und die Sindelfingen. Und was bei Shakespeare der Balkon ist, das ist bei dieser komplizierten Nachbarschaftsbeziehung eine bestimmte Brücke, die auf Höhe der S-Bahnstation Goldberg über die A 81 führt und mit der die Menschen beider Städte sehr spezielle Geschichten verbinden. Eine davon soll jetzt im Rahmen eines interaktiven Kunstprojekts ihren Niederschlag finden.

 

„Über Brücken“ heißt das Motto dieser Aktion im Rahmen der diesjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten der Böblinger Musik- und Kunstschule. Gemeinsam kommen beide Einrichtungen auf 100 Jahre: die DAT-Kunstschule mit den Fachbereichen Dance, Art und Theater feiert 40-jähriges, die Musikschule 60-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass plant die Schule über das Jahr verteilt Veranstaltungen und Angebote, die Brücken ins Böblinger Stadtleben schlagen sollen.

Kunstspaziergang für Augen und Ohren

Den Auftakt machte am vergangenen Wochenende ein Gesprächsformat mit dem Oberbürgermeister Stefan Belz im Städtischen Feierraum, das mit der Devise „Kunst und Umweltschutz“ überschrieben war. Weitere solcher „Jubiläums-Specials“ zu den Themen Bildung und Stadtplanung folgen.

Zentrales Ereignis rund um das Jubiläum soll das für den Zeitraum vom 25. Juni bis zum 27. Oktober angesetzte Kunstprojekt „Über Brücken“ werden. Die Idee dahinter: Brücken und andere Bauwerke rund um die beiden Böblinger Seen sollen im Sommer von den jungen Talenten der Kunstsparte bespielt werden. Ergänzend dazu kann jeder, der sich diese Freiluftausstellung anschaut, via Handy-App eine Geschichte als Tonbeitrag anhören. Dieser so genannte „Audio-Walk“ durch Böblingen funktioniert ähnlich wie eine Museumsführung per Kopfhörer.

Theaterpädagogin sammelt Geschichten

Die beiden Hauptverantwortlichen hinter dem Kunstspaziergang für Auge und Ohr sind Katharina Müller und Sabine Altenburger. Müller, die bei der DAT-Kunstschule als Kostüm- und Bühnenbildnerin tätig ist, koordiniert die künstlerischen Beiträge. Diese sollen in den kommenden Monaten von den Schülerinnen und Schülern des Kunstfachbereichs gestaltet werden.

Die am Landestheater Tübingen (LTT) tätige Theaterpädagogin Sabine Altenburger übernimmt die Aufgabe, Brückengeschichten mit und ohne Lokalbezug zu sammeln und aufzuzeichnen. An jedem Standort soll es einen Wortbeitrag geben, der jeweils per QR-Code zum Nachhören aufs Handy geladen werden kann. Der Audio-Walk soll dabei nicht nur über Bauwerke wie die Alba-Brücke gehen, sondern auch über Zebrastreifen oder durch die Parkstraßen-Unterführung.

Erinnerungen an die „Elefantenbrücke“

Passend zum 40-Jährigen der DAT-Schule peilen Müller und Altenburger 40 Kunstwerke an 40 Punkten an . . . oder 20 Geschichte an 20 Punkten – so ganz festgelegt haben die Projektverantwortlichen sich da noch nicht. In jedem Fall hat Sabine Altenburger noch viel zu tun, wenn sie bis zum 25. Juni genug Geschichten zusammenbekommen will. Sie plant deshalb unter anderem den Besuch in Schulklassen und in den Stadtteiltreffs.

Was sie bisher gehört hat, macht schon jetzt Lust auf mehr: „Eine Sindelfingerin hat mich angerufen und mir von dieser Eisenbahnbrücke zwischen Böblingen und Sindelfingen erzählt“, berichtet Altenburger von einem Autobahnüberweg auf Höhe des Goldbergs, der im Volksmund „Elefantenbrücke“ hieß. Hier hatten sich früher die Jungs aus beiden Städten gerne mal heftig um die Mädels der jeweiligen Nachbarstadt gekloppt. Später habe die Frau selbst einen Böblinger geheiratet. Wie man sich vorstellen kann, stieß dies bei ihrer Familie zunächst nicht unbedingt auf Begeisterung – heute kann sie herzlich darüber lachen.

Beiträge zum Projekt können an an Sabine Altenburger übermittelt werden. Per Mail (ueber_bruecken@gmx.de) oder telefonisch unter der Nummer 0 71 21 / 13 63 778.

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