Kunstprojekt in der Natur Wings tanzen in Weinstadt mit dem Wind

Albrecht Rühle (rechts) hat das Schmieden vor zehn Jahren für sich entdeckt. Mit Künstler David Klopp bearbeitet er das Eisen für die Flügel. Foto: Gottfried Stoppel

David Klopp und Albrecht Rühle haben sich für ein Kunstprojekt aus Metall und Bast zusammengetan. Neun von ihnen gestaltete Flügel werden am Sonntag beim Naturfreundehaus Strümpfelbach aufgestellt.

Weinstadt - Die erste Belastungsprobe bringen die Kunstwerke von David Klopp und Albrecht Rühle bereits vor der ersten offiziellen Installation hinter sich. In den stürmischen Böen dieser Woche biegen sich die meterhohen Flügel, drehen sich die Metallstäbe in alle Richtungen, flattern die langen Bastfäden, die die Fläche der engelsgleichen Flügel bilden.

 

Von Sonntag an sollen neun „Wings“ in der Nähe des Naturfreundehauses bei Strümpfelbach stehen und dort vor dem Remstalpanorama mit dem Wind tanzen. Das Element hat es David Klopp bereits seit einer Weile angetan: „Ich finde es faszinierend, wie sich Material bewegt, auf den Wind reagiert“, erklärt der Land-Art-Künstler aus Winterbach.

Kreative Zusammenarbeit von Land-Art-Künstler und Kunstschmied

Im heimischen Garten hatte der 41-Jährige deswegen den Prototyp eines Doppelflügels aufgestellt. Dabei musste er feststellen, dass die von ihm oft und gerne verwendeten Weidenruten der Belastung durch den Wind nicht standhielten. Deswegen ging er ins Gespräch mit dem Weinstädter Metallgestalter Albrecht Rühle, mit dem er bereits bei einem anderen Projekt zusammengearbeitet hat.

„Albrecht hat erst einmal meinen Prototypen nachgebaut“, erzählt David Klopp, der dann mit Rühle die Gestaltung der Doppelflügel ausfeilte. Die beiden arbeiten mit Moniereisen. Die Stangen werden in der Esse erhitzt und dann mit einem Lufthammer flach geklopft. Die typische Riffelung bleibt dabei bestehen. Mit Hammer und Amboss werden die Stangen anschließend verschieden stark gebogen. „Wir wollen nicht lauter gleiche Flügel haben, sondern zeigen unterschiedliche Flugphasen“, sagt David Klopp, für den es das erste Projekt mit Metall ist und der bei Albrecht Rühle in der Werkstatt viel über das Material gelernt hat.

Reizvolles Zusammenspiel der Materialien

Andersrum ist auch Albrecht Rühle ganz angetan von der Zusammenarbeit mit dem Land-Art-Künstler: „Er sprüht vor Ideen und reißt bei mir mit seiner Kreativität Wände ein“, sagt Rühle, der erst vor zehn Jahren zum Schmieden gefunden hat und bisher eher kleinere Skulpturen gefertigt hat. Der 62-Jährige findet vor allem das Zusammenspiel der verschiedenen Werkstoffe reizvoll: An die gebogenen Metallstangen werden nämlich die filigranen Bastfäden geknüpft, die dann die Flügelfläche bilden.

Die Flügel können sich dank einer Metallhülse in den Wind drehen. Wer würde nicht gerne solche Flügel haben, sich vom Wind davontragen lassen – gerade in dieser Zeit, in der die Reisefreiheit eingeschränkt ist, viele Ziele unerreichbar sind? Gedanken zu den aktuellen Beschränkungen waren ein weiterer Ausgangspunkt von David Klopp: „Museen sind geschlossen, es wird dieses Jahr kaum Ausstellungen geben“, sagt der 41-Jährige.

Die Flügel könnte in andere Gemeinden weiterziehen

Deswegen wollen die beiden ihre Kunst im Freien erlebbar machen, „etwas für die Allgemeinheit tun“, sagt Albrecht Rühle. Die „Wings“ stehen direkt neben dem Skulpturenpfad von Karl Ulrich Nuss, „der uns seinen Segen gegeben hat“, wie Klopp betont.

Bei entsprechendem Anklang und Unterstützung können sich die beiden gut vorstellen, dass die Flügel wie Zugvögel weiterziehen, an landschaftlich reizvollen Punkten anderer Gemeinden im Remstal Halt machen und der Schwarm stetig anwächst. „Wir möchten mit unserem Kunstprojekt darauf aufmerksam machen, dass sich die Natur ständig im Wandel befindet und sich die Dinge auch wieder zum Besseren ändern können“, sagt David Klopp.

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