Kunstschule Fellbach Wie der Blick ins All vereint

Bernd Volkert (links) freut sich über den Neuzugang in seiner astronomischen Sammlung – ein Bild von Claus Stefan Müller. Foto: Gottfried Stoppel

Ein Bild aus der Fellbacher Kunstschule findet über eine Stuttgarter Ausstellung einen Käufer – und der jugendliche Maler Claus Stefan Müller in dem Sammler überraschend einen Gleichgesinnten.

Fellbach - Wahrscheinlich hat noch nie ein Mensch einen weiteren Umweg von Stuttgart nach Fellbach genommen als Bernd Volkert: Denn ohne den Asteroiden Ida und seinen Mond Dactyl, die irgendwo zwischen den Planeten Mars und Jupiter die Sonne umkreisen, hätte der Stuttgarter Politikwissenschaftler kürzlich wohl nicht in die Kunstschule gefunden.

 

Es war nämlich ein Bild des Asteroiden gewesen, das diese Reise überhaupt veranlasste. In der Ausstellung „Kunst im Office“ hatte es Volkerts Aufmerksamkeit erregt. Dem raumfahrtbegeisterten Sammler war sofort klar: Dieses Bild konnte nur ein Gleichgesinnter gemalt haben. Denn wer kennt schon den Namen des ersten Asteroiden, bei dem ein natürlicher kleiner Mond gefunden wurde? Die 1989 gestartete Raumsonde Galileo hatte diesen kleinen Mond auf ihrem Weg zum Jupiter entdeckt.

Zwei Generationen kommen einander näher

Den 17-jährigen Künstler, der dieses ungewöhnliche Motiv gewählt hatte, wollte Volkert treffen – und das Bild kaufen. Es hätte eine kurze Übergabe werden können. Tatsächlich entdeckten da aber zwei Menschen ihre gemeinsame Leidenschaft für die Rätsel des Kosmos: Es kam, wie es kommen musste. Die beiden vergaßen vor lauter Fachsimpeln beinahe die Zeit. Der 63-jährige Volkert, der das Abgeordnetenbüro des baden-württembergischen Sozialministers Manfred Lucha (Grüne) leitet, hat früher beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gearbeitet. Bis heute verfolgt er gebannt, was sich in der Raumfahrt tut.

Claus Stefan Müller, der das Albert-Magnus-Gymnasium im Cannstatter Sommerrain besucht, richtet seinen Blick zwar auch auf den Nachthimmel. Allerdings meist auf Ziele, die sich weit jenseits der menschengemachten Objekte in der Erdumlaufbahn befinden. Dafür hat er ein Teleskop zuhause, das in der Lage ist, die feinen Ringe des Saturn ebenso wie die Wirbel in der Atmosphäre des Jupiters zu zeigen. Er habe sich schon immer für naturwissenschaftliche Themen interessiert, sagt Müller. Erst war es das Schicksal der Dinosaurier, dann entdeckte er die unendlichen Weiten des Weltraums.

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Von der Lektüre der „Was ist Was“-Bücher über den Besuch der Sternwarte auf der Stuttgarter Uhlandshöhe bis zum intensiven Studium der Aufnahmen des Hubble-Teleskops war es nur noch ein kleiner Schritt. Dann kam Müller vor fünf Jahren über den Dozenten Armin Subke zur Fellbacher Kunstschule – und entdeckte mit Hilfe der Malerei den Weltraum noch einmal ganz neu. Denn sie erlaubte es ihm, sich auf eine bis dahin ungekannte Art und Weise in die Aufnahmen weit entfernter Landschaften – etwa von Asteroid Ida – zu vertiefen.

Was die Teleskope nicht vermocht hatten, ermöglichten ihm nun Pinsel und Ölfarben: Die Entdeckung neuer Details, die Variation der scheinbar immer gleichen Perspektive. Inzwischen ist für ihn klar, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen will. Nach dem Abitur will er Astrophysik studieren.

Die Malerei ergänzt eine Leidenschaft

Tatsächlich sei Claus Stefan Müller nicht der einzige Fall, bei dem sich die Malerei als ideale Ergänzung für eine andere Leidenschaft erwiesen habe, sagt Kerstin Schäfer, die Leiterin der Kunstschule. An einer Sache lange dran zu bleiben, sie immer wieder neu zu entdecken – das könnten Schüler in Malerklassen wie bei Subke besser lernen als im klassischen Schulunterricht. Deshalb seien in der Stuttgarter Ausstellung „Kunst im Office“ gleich zwei Schüler von Subke vertreten gewesen.

Der Verkauf des Bildes hat Claus Stefan Müller jedenfalls seinem nächsten Ziel einen Schritt nähergebracht: Er will sich ein zweites Teleskop zulegen, mit dem er die Sonne ins Visier nehmen kann. Bis dahin wird er sein altes auf die Sterne am Nachthimmel richten. Und beim Beobachten, sagt er lächelnd, werde ihm vielleicht nun das eine oder andere Mal auch der Käufer seines Bildes Gesellschaft leisten.

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