Seit 1989 gibt es die Kunstschule in Plattenhardt. Pro Semester bietet sie 230 bis 250 Kurse und Projekte für Kinder und Erwachsene an. Vieles ist sofort ausgebucht. Wie kommt das?

Aus der Ferne ist nur ein leises, beständiges Klopfen zu hören, aber vor Ort wird klar: Hier fliegen buchstäblich die Fetzen. Eine Gruppe Jugendlicher beackert im Hof der Kunstschule Filderstadt mit Hammer und Meißel große Steine. Der Sommerferienkurs „Steinbildhauerei für Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren“ ist gerade frisch gestartet. Noch sind die Sandstein-Brocken, die die jungen Leute mit der Dozentin Martina Steinmann bearbeiten, gewaltig und roh, am Ende der fünf Kurstage sollen individuelle Kunstwerke daraus geworden sein.

 

Der Steinbildhauerkurs ist nur eines von 230 bis 250 Angeboten, die die Kunstschule mit Sitz in Plattenhardt pro Semester bereithält. Ausgerichtet werden nicht nur diverse Kurse, es gibt auch zahlreiche Kooperationen und Projekte mit Kindergärten oder Schulen, Ausstellungen, Wettbewerbe, Ferienworkshops und – ein Bereich, der mit dem Rechtsanspruch ab 2026 noch wichtiger werden wird – Grundschul-Ganztagsangebote. 2024 kamen so rund 9200 Unterrichtsstunden mit mehr als 7700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zusammen. Der Leiter der Kunstschule, Ali Schüler, berichtet von nahezu 80 Dozentinnen und Dozenten, die sich mitunter schon viele Jahre einbringen. „Wir sind eine der größten Kunstschulen landesweit“, sagt er. Längst nicht nur Menschen aus Filderstadt interessiere das. „Selbst Kinder kommen von außerhalb“, sagt Manuela Kallinger, eine der beiden Leiterinnen der Jugendkunstschule.

Aus der Volkshochschule herausgelöst

Die Kunstschule Filderstadt wurde 1989 gegründet, seinerzeit wurde sie aus der Volkshochschule herausgelöst, so Ali Schüler. Seit 2006 ist sie eingegliedert ins städtische Amt für Bildung, Kunst und Kultur, hier profitiere man von einer Einbindung in kommunale Prozesse und können Synergien bilden. Kooperiert wird mit diversen sozialen Einrichtungen in der Stadt. Finanziert wird die Kunstschule über Kursbeiträge, Sponsoren, Drittmittel und den Förderverein, als kommunale Einrichtung insbesondere über städtische Zuschüsse. „Die Stadt leistet sich diese Kunstschule“, sagt Ali Schüler.

Den Erfolg der Einrichtung machen aber vor allem ihre Angebote aus. Experimentelle Tuschmalerei aus Japan steht hier ebenso auf dem Programm wie spezielle Brenntechniken oder Glassfusing, also die Fusion von Keramik und Glas. Arbeiten mit Holz und Metall, nähen, malen, fotografieren: In zehn Ateliers und Werkstätten kann man sich kreativ austoben. Vor allem auch in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen will die Kunstschule Akzente setzen und hat sich breit aufgestellt. „Es geht auch immer um eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung durch Kunst“, sagt Manuela Kallinger.

Kunst hat viele Facetten – die Kunstschule in Plattenhardt deckt mit ihren Kursen viele davon ab. Foto: dpa

Los geht es bereits mit der ästhetischen Frühbildung in den Kritzel-Kratzel-Kursen, die, so sagt sie, neuerdings auch vormittags ausgerichtet werden und sich vor allem an Familien richten, die noch auf einen Betreuungsplatz warten. Ältere Kinder und Jugendliche wiederum können aus einer Vielzahl von Angeboten wählen – und tun es auch. Schöpferisch arbeiten mit den eigenen Händen und der eigenen Vorstellungskraft ist offenbar in, aller digitalen Angebote zum Trotz. „Ich habe seit Corona den Eindruck, dass die Jugendlichen sehr bei der Sache sind“, sagt Manuela Kallinger. Viele blieben über Jahre, ist zu hören, schickten irgendwann ihre eigenen Kinder.

Jeder zweite Kurs ist schon vor der Veröffentlichung ausgebucht

Ali Schülers Resümee: Jede Kunstschule habe ihre Spezialitäten, und in Filderstadt habe man sich „über Jahrzehnte einen guten Ruf erarbeitet“. Durch Weitermeldelisten, in die sich Kunstschüler jeweils gleich für den Nachfolgekurs anmelden, sind viele Angebote schnell voll. „50 Prozent dieser Kurse sind ausgebucht, wenn sie ins Heft kommen“, sagt er. Dennoch sei es möglich, noch reinzukommen. „Es ist immer gut, sich für Wartelisten anzumelden, es gibt immer die Möglichkeit reinzurutschen“, sagt er. Das Ziel der Kunstschule: möglichst alle Bevölkerungsgruppen erreichen. Ali Schüler betont: „Wir sind eine Einrichtung für Menschen von zwei bis 102 Jahren.“

„Tag der KulTour“ am 9. November

Termin
Anlässlich des Stadtjubiläums 50 Jahre Filderstadt richtet die Kunstschule gemeinsam mit dem städtischen Amt für Bildung, Kunst und Kultur am Sonntag, 9. November, einen sogenannten „Tag der KulTour“ aus. Die Kunstschule an der Schulstraße 13 in Plattenhardt bietet an diesem Nachmittag zwischen 15 und 18 Uhr kostenlose Workshops für Jugendliche und Erwachsene an. Ebenso werden Ausstellungen in allen Räumen und Bewirtung angekündigt.

Programm
Das neue Semester der Kunstschule Filderstadt beginnt im September und endet im Februar 2026. Das komplette Programm findet sich online auf www.vhs-filderstadt.de. car