Kunstturnerin Michelle Timm Stuttgart ist viel schöner als Berlin

Michelle Timm wird im nächsten Jahr auf dem Wirtemberg-Gymnasium ihr Abitur machen. Foto: Baumann
Michelle Timm wird im nächsten Jahr auf dem Wirtemberg-Gymnasium ihr Abitur machen. Foto: Baumann

Michelle Timm, Freundin von Marcel Nguyen, lebt und trainiert seit September in Stuttgart. Für das Traumpaar des Turnens steht an diesem Wochenende in Heilbronn der erste Härtetest des Jahres an.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Die Liebe zum Turnsport ist groß bei Michelle Timm. So groß, dass sie dafür ihre Heimatstadt Berlin verlassen hat und mit 19 Jahren nach Stuttgart gezogen ist, ins Turnmekka Deutschlands.

Hier sind die Trainingsbedingungen optimal. Hier, so hofft Michelle Timm, könnte ihr Traum von Olympia doch noch wahr werden. Seit September trainiert die elegante Sportlerin im Kunstturnforum in Bad Cannstatt unter den Trainern Guti Probst-Hindermann, Robert Mai und Elena Dolgopolova. Der Wechsel hatte in erster Linie sportliche Gründe. „In Berlin konnte ich mich nicht weiterentwickeln“, sagt Michelle Timm. Dort gab es keine Turnerin in ihrer Altersklasse und mit ihrem Niveau, sie trainierte meist alleine.

In Stuttgart hat sie stattdessen eine Trainingsgruppe. „Das motiviert natürlich viel mehr, wir pushen uns gegenseitig“, sagt die Schülerin, die im nächsten Jahr auf dem Wirtemberg-Gymnasium ihr Abitur machen will. Stuttgart, sagt sie, biete eine perfekte Mischung aus Professionalität und familiärer Atmosphäre.

Schluss mit der Fernbeziehung

Und nicht nur das. Stuttgart bietet für Michelle Timm noch viel mehr. Das Turnen ist nämlich längst nicht mehr die einzige Liebe in ihrem Leben. Ihre Augen strahlen, wenn sie vom zweiten Grund für den Umzug von Berlin ins 650 Kilometer entfernte Stuttgart erzählt: Marcel Nguyen, Topturner, Stuttgarter und seit gut einem Jahr der Mann an der Seite der Sportlerin. Mit ihm teilt sie sich in Stuttgart eine Wohnung. „Nach einem Dreivierteljahr Fernbeziehung zwischen Berlin und Stuttgart, hat es uns gereicht“, sagt sie, „von daher hatte der Wechsel nach Stuttgart wirklich nur Vorteile.“ Außerdem verbindet die 19-Jährige mit der Landeshauptstadt ohnehin nur Positives. Vor drei Jahren stand sie beim DTB-Pokal in der Team-Challenge ganz oben auf dem Treppchen. Und da will sie wieder hin. Schließlich hätte sie in diesem Jahr ein Heimspiel in der Porsche-Arena.

Wen die Frauen-Cheftrainerin Ulla Koch für den 34. DTB-Pokal nominiert, entscheidet sich an diesem Wochenende. Am 4. März ab 14 Uhr findet in der Heilbronner Römerhalle der National Team Cup statt. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen treten die Nationalmannschaften gegen den amtierenden Meister – Straubenhardt bei den Männern, Stuttgart bei den Frauen – sowie einer Auswahl der besten Turner der Bundesliga an. Der Team Cup ist gleichzeitig die erste Qualifikation für die Einzel-EM im rumänischen Cluj Napoca (20. bis 23. April). Als zweite Qualifikation zählt die Team-Challenge beim DTB-Pokal (17. bis 19. März).

Vom Trampel zur besten Turnierin in Deutschland

An die EM, oder gar die WM (2. bis 8. Oktober in Montreal) will Michelle Timm allerdings noch gar nicht denken. Zu oft hat sie in ihrer Karriere schon Rückschläge erlebt, war verletzt, wenn Großereignisse anstanden. Deshalb denkt die deutsche Sprung-Vizemeisterin mittlerweile nur noch von Wettkampf zu Wettkampf.

Dass sie einmal zu Deutschlands besten Turnerinnen zählen würde, war ohnehin nicht zu ahnen als Michelle Timm mit drei Jahren zum ersten Mal ins Kinderturnen ging. „Früher war ich ein kleiner Trampel“, sagt sie. Sie hat viel ausprobiert, Ballett, Wasserspringen, sogar Fußball. „Ich komme aus keiner sportlichen Familie, es sind alle eher kräftig. Daher wollten meine Eltern dass meine Schwester und ich Sport machen“, erinnert sie sich. Der Plan ist mehr als aufgegangen. Dass sie sich am Ende für das Turnen entschieden hat, hatte eher pragmatische Gründe. „Ich bin eine kleine Frostbeule. Beim Wasserspringen war es mir einfach zu kalt“, sagt sie.

Marcel Nguyen kann darüber sehr froh sein, schließlich haben sich die beiden - natürlich - beim Turnen kennen gelernt. Beim National Team Cup ist der doppelte Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele in London selbstverständlich auch am Start. Und das ist für Michelle Timm nochmal eine Extra-Motivation, sich ganz besonders ins Zeug zu legen. Liebe verleiht ja bekanntlich Flügel.

Unsere Empfehlung für Sie