Kunstvermittler in Esslingens Villa Merkel Moderne Kunst auf Augenhöhe

Neue Zugänge zur Kunstvermittlung probieren Johannes Kaufmann, Lisa Marie Rauscher und Johanna Knoop in der Villa Merkel aus. Nicht nur bei Führungen stecken sie die Menschen mit ihrer Begeisterung an. Foto: Ines Rudel

Kommunikativ und offen sind die jungen Kunstvermittler der Villa Merkel. Mit neuen Formaten wollen sie für die moderne Kunst in der Esslinger Galerie begeistern.

Esslingen - Mit ihrer Begeisterung für die Kunst stecken Johannes Kaufmann, Johanna Knoop und Lisa Rauscher das Publikum in der Galerie der Stadt Esslingen an. Die drei jungen Kunstvermittler sprühen vor Ideen. Um den Besucherinnen und Besuchern der Villa Merkel „ein Erlebnis für alle Sinne“ zu bieten, wie es Johanna Knoop formuliert, gibt es neben den öffentlichen Führungen auch Angebote für Schulen und Familien oder die „Artheartbar“, ein lockeres Begegnungsformat für Kulturinteressierte und Kunstschaffende.

 

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Das Vermittlungsteam hat sich zum Ziel gesetzt, die Galerie einem breiten Publikum zu öffnen. Neben Kaufmann, Knoop und Rauscher sind auch Lisa Hövelborn, Lara Eva Socher, Deborah Bay, Laura Becker und Alexa Dobelmann mit dabei. Von diesem Team schwärmt Johannes Kaufmann. Ihm macht es großen Spaß, sich auch in diesem Kreis über ästhetische Themen auszutauschen. Gemeinsam überlegen die jungen Leute, wie man ästhetische Inhalte locker vermittelt.

Eine gemeinsame Sprache finden

Um den Menschen die moderne Kunst nahe zu bringen, die in der Esslinger Galerie gezeigt wird, ist es Johannes Kaufmann wichtig, eine gemeinsame Sprache mit den Teilnehmern der Kunstführungen zu finden: „Schön ist, wenn da ein Dialog über moderne Kunst entsteht, und wenn wir die Menschen in ihren Alltagswelten abholen können.“ So könne man Zugänge zur abstrakten Kunst schaffen, „auch wenn sich diese erst mal nicht allen erschließt.“ Ihm sei wichtig, da Assoziationen zu wecken. Etliche der Kunstführungen bietet das Team auch in leichter Sprache an. Eine gemeinsame Ebene zu finden, das ist ihnen allen ein Anliegen.

Wie Kunstvermittlung „mit allen Sinnen“ funktionieren kann, zeigt Johanna Knoop beim Rundgang durch die aktuelle Ausstellung „Fiction? Better Than Reality!“ (deutsch: Fiktion? Besser als die Wirklichkeit). Sie lässt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Zeitungspapier zerknüllen oder feine Spuren im Sand ziehen. „Kunst sollte man nicht allein mit dem Kopf wahrnehmen“, sagt Johanna Knoop. Die 31-Jährige wünscht sich, „dass die Werke auch das Herz erreichen, dass man sie sehen, anfassen und auch riechen kann.“

Tanzen im Mais

Sofern das möglich ist und die Werke nicht beschädigt werden, lädt sie bei den Führungen dazu ein, sich auch mal in einem Kunstwerk zu bewegen. „Tanzen sie doch mal“, ermunterte sie die Gruppe bei der Sommerausstellung von Gabriela Oberkofler, die getrocknete Maisstauden in einem Raum aufgehängt hat. Viele bewegten sich dann umso beschwingter durch die raschelnden Pflanzenteile. Die Werke aus der Ecke des Erhabenen und des Unnahbaren zu holen, das findet die kommunikative Kunstvermittlerin wichtig.

Was gefällt den drei Kunstvermittlern denn besonders an ihrer Arbeit? „Ich genieße den Austausch mit den Menschen, die zu den Führungen kommen“, sagt Lisa Marie Rauscher. Da bekomme sie selbst viele Impulse, entdecke manches Mal auch die Kunstwerke neu, sagt die 27-Jährige. Dass sie mit ihrer freundlichen Art leicht einen Zugang zu Kindern wie auch zu Erwachsenen findet, spürt man schnell.

Großen Spaß macht es Johanna Knoop, die vielen Angebote der Villa Merkel auch im Internet und in den sozialen Medien zu platzieren. So erreiche man gerade ein junges Publikum, das ansonsten eher selten ins Museum geht. Sie hat ein Händchen für die griffige, bunte Sprache des Internets. Die persönliche Begegnung ersetze das natürlich nicht, sagt sie lachend. Aber sie freut sich, wenn mal ein neues Gesicht nach einem Instagram-Post ins Museum schneit.

Brücken bauen zwischen Akteuren

Ihre Rolle im Museumsbetrieb finden die Kunstvermittler besonders spannend. Johanna Knoop spricht da vom „Rezeptionsdreieck“, in dem sie die Werke, die Besucher und die Vermittler sieht. Da gilt es für Johannes Kaufmann, Brücken zu bauen – auch zwischen Kunstschaffenden, Kuratorinnen und Kuratoren. Da erarbeite man sich auch gemeinsam Wissen, bringt es Johanna Knoop auf den Punkt.

Die historischen Räume der Villa Merkel aus den Jahren 1872 und 1873 findet das Trio ideal für Begegnungen und Gespräche. Für Kinder bieten die Kunstvermittler im Rahmen des Kulturrucksacks auch Formate zum Mitmachen an. Es sei faszinierend, die Kunstwerke durch die Augen der Kinder zu sehen, findet Lisa Marie Rauscher. Wenn das Lachen der Jungen und Mädchen durch die Räume hallt, genießt sie das sehr.

Familien könnten über die Kunst ins Gespräch kommen, hat Johanna Knoop immer wieder beobachtet. „Wir wünschen uns Kommunikation auf Augenhöhe“, sagt Johannes Kaufmann. Deshalb ist die Galerie auch Teil des Netzwerks Kultur, das im Rahmen der Esslinger Teilhabe-Strategie Menschen aller Schichten zusammen bringt.

Gemeinsame Projekte anstoßen und Ideen verwirklichen

Neues Format
 Die Artheartbar dient als Plattform für ein Netzwerk aus Kulturinteressierten. Begegnung und Austausch stehen dabei im Zentrum sowie Fragen darüber, wie Leerstellen im Kulturangebot erkannt, genutzt und bespielt werden können. Das Programm wird von den Menschen, die mitmachen, selbst kuratiert.

Erste Runde
 Wechselwirkungen von Kunst im öffentlichen Raum sind das übergreifende Thema im Herbst. Am Donnerstag, 30. September, treffen sich die Teilnehmer ab 18.18 Uhr an der „Haltestelle“ im Merkelpark. Dann gehen sie gemeinsam auf Entdeckungsreise zur modernen Kunst in dem öffentlichen Garten.

Zweite Runde
 Ziel der Artheartbar ist es, gemeinsame Projekte anzustoßen und Ideen zu verwirklichen. Die zweite Runde ist am 14. Oktober ab 18.23 Uhr geplant – Treffpunkt ist dann am Gingko-Kunstwerk vor der Villa Merkel, der roten Plastik aus Stahl. Nach einem Rundgang wird dann bei einem Getränk diskutiert.

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