Mit einem Klotz aus Ton in der Hand ist Bärbel Meyer in der Kunstwerkstatt im Rektor-Franke-Haus in Holzgerlingen anzutreffen. Das ist nichts Ungewöhnliches: Im vergangenen Sommer hat sie die Leitung der Werkstatt übernommen, Kurse gibt sie dort aber schon seit vielen Jahren. Vom Ingenieurstudium über Glasperlenschmuck bis hin zur Töpferei: Bärbel Meyers beruflicher Werdegang ist gespickt mit ungewöhnlichen Wendungen, doch wer sie trifft, versteht, warum: Sie ist fröhlich, enthusiastisch und hat keine Scheu, Neues auszuprobieren – und das, ganz wörtlich zu verstehen, mit der Hand am Arm.
Tische mit bunten Tischdecken, Bilder an den Wänden und Tassen aus Ton, die die Fensterbänke säumen – in der Kunstwerkstatt im Rektor-Franke-Haus geht es bunt zu. Jung und Alt können sich hier kreativ verwirklichen: Die angebotenen Kurse reichen von Töpfern über Nähen, Aquarell bis hin zum Filzen und sind immer gut besucht. Eltern und Großeltern verbringen dort einen schönen Nachmittag mit dem Nachwuchs – einige Kurse sind bereits für Kinder ab vier Jahren – , aber auch ältere Senioren in ihren Achtzigern kommen vorbei und lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Besonders beliebt ist momentan das Bemalen von Tassen, das Bärbel Meyer seit diesem Jahr neu anbietet. „Mir macht das einfach Spaß“, sagt sie.
Vom Ingenieurberuf zum kreativen Tausendsassa
Ihr beruflicher Werdegang hat sie vom Ingenieurberuf zum kreativen Tausendsassa geführt: „Bei mir gibt’s keinen richtigen roten Faden“, sagt sie und lacht. Mathe und Chemie gefielen ihr in der Schule besonders gut. Nach ihrem Studium der Verfahrenstechnik arbeitete Bärbel Meyer vier Jahre lang in der Pharmaindustrie. „Nach meinen Schwangerschaften war es aber schwierig, dort wieder einzusteigen“, erzählt sie. Doch sie brachte sich oft in Schulprojekten ein und knüpfte so auch Kontakt zu einer anderen Bärbel – nämlich Bärbel Behringer, die über viele Jahre die Holzgerlinger Kunstwerkstatt geleitet hat und auch heute noch einige Kurse anbietet.
Irgendwann begann Bärbel Meyer dann mit der Produktion von Glasperlen, um daraus Schmuck herzustellen. „Dazu musste ich in Amerika einen Propangasbrenner bestellen“, erzählt die 58-Jährige. Es sei eine kleine Odyssee gewesen, bis das Gerät bei ihr in Deutschland angekommen sei. Von Glasperlen-Schmuck über Taschen und Kleider nähen: Alles hat sie sich über die Jahre selbst angeeignet. „Mit Youtube kann man heutzutage vieles lernen“, sagt sie. Ihre vielen Interessen lassen sie auch heute noch nicht los: Während der Pandemie hat sie ein Fernstudium der Psychologie begonnen. Damals konnte sie sich voll auf das Studium konzentrieren, heute geht es zwar etwas langsamer voran, doch sie ist immer noch mit Begeisterung dabei. „Da kann ich auch viel für meine Kurse mitnehmen“, sagt sie.
In der Vergangenheit war sie oft auf Märkten unterwegs, um dort ihre selbstgemachten Produkte anzubieten. Mittlerweile konzentriert sie sich allerdings auf die Kurse in der Kunstwerkstatt in Holzgerlingen, die den Hauptteil ihrer Zeit einnehmen und geht nur noch vereinzelt auf Märkte – doch die Verbindung und eine gewisse Leidenschaft bleiben: Seit zehn Jahren kümmert sie sich ebenfalls um die Organisation des Kunsthandwerkermarktes jeden Frühling, zu dem sie selbst einst als Ausstellerin gestoßen ist. Erst vor Kurzem hat der Markt wieder in der Burg Kalteneck stattgefunden.
Das Programm der Kunstwerkstatt gibt es auf der Webseite
Viele ihrer Kurse in der Kunstwerkstatt sind bereits voll, doch einige Plätze in den Kursen in den Sommermonaten sind noch frei. Das Programm für das erste halbe Jahr gibt es auch Online auf der Webseite der Kunstwerkstatt. Bärbel Meyer hat außerdem vor, noch einige Termine zum Bemalen von Tassen anzubieten. Informationen darüber veröffentlicht sie immer im Gemeindeblatt Holzgerlingen. Auch beim Sommerferienprogramm wird sie teilnehmen und kurz vor Weihnachten steht das beliebte Kerzenziehen wieder auf dem Plan.
Infos Mehr zum Programm und den Kursen gibt es auf der Homepage im Internet unter https://kunstwerkstatt-holzgerlingen.de