Kurios im Kreis Rottweil Boeing im Wald – Lufthansa überrascht mit einem „Geständnis“

Die Boeing im Wald ist nun auch mit einer Info versehen. Die scheint allerdings wiederum nicht ganz richtig. Foto: Screenshot/Google Maps

Die Boeing im Wald bei Sulgen zieht – obwohl sie nicht fliegt – weite Kreise. Jetzt antwortet die Lufthansa in Frankfurt auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten mit einem überraschenden Geständnis.

Es ist ein Kuriosum, das für vielfältige Reaktionen und großes Interesse sorgt. Google Maps zeigt in einem Waldstück im Kreis Rottweil, nördlich von Schramberg-Sulgen, eine Boeing an, die da scheinbar mit abgebrochenem Flügel im Wald liegt.

 

Seit der Schwarzwälder Bote den Darstellungsfehler entdeckt und darüber berichtet hat, suchen viele Leser selbst auf der virtuellen Karte das weiße Riesen-Flugzeug. Auch überregionale Medien berichten darüber. Und jetzt kommt erneut Bewegung in die Sache. Zum einen reagiert Google, zum anderen die Lufthansa.

Fehler wird häufig gemeldet

Zunächst zu Google: Seit die Boeing durch unsere Berichterstattung einigermaßen „berühmt“ wurde, scheint der Fehler sehr oft an Google gemeldet worden zu sein. Das Unternehmen hatte schon auf unsere erste Anfrage erklärt, man wolle sich die Sache ansehen – jetzt meldet uns ein Leser, dass er direkt Antwort von Google bekommen habe.

Gelöscht oder nicht gelöscht?

Nachdem er eine „schlechte Bewertung“ bezüglich dieser Fehlinformation in der Karte auf Google abgegeben hatte, habe er die Info erhalten, dass seine Rezension leider nicht in den Bewertungen veröffentlicht werden könne, „weil der Ort, zu dem du diesen Beitrag gepostet hast, aus Google Maps entfernt wurde“. Der Leser schickt uns einen Screenshot dieser Antwort und meint: Er sehe das Flugzeug jetzt nicht mehr auf Maps.

Doppelt kurios: Denn unsere Redaktion schaut ebenfalls nach, und sieht das Flugzeug sehr wohl noch – allerdings ergänzt um eine Beschreibung. Am Flugzeug steht nun „Boeing 747-400 (Frachtflugzeug)“. Interessant. Diese Bauart der Boeing wiederum führt uns in der Recherche zur Lufthansa, die mehrere dieser Modelle in Diensten haben soll.

Nachgefragt bei der Lufthansa

Wir fragen deshalb bei der Lufthansa-Pressestelle nach und schicken der Kranich-Airline die entsprechenden Fotos. Passt das auf den Lufthansa-Flugverkehr? Lässt sich vielleicht sagen, welches Flugzeug auf welcher Route da eventuell beim Überflug den Google-Kartendaten in die Quere kam?

Die Antwort aus Frankfurt folgt recht schnell – und ist nicht nur umfangreich, sondern auch wirklich überraschend. Ein Sprecher zeigt sich höchst zerknirscht. „Mist, erwischt, wir hatten nicht gedacht, dass das durch Google einmal aufgedeckt werden könnte“, schreibt er. Dabei habe man das Flugzeug im Wald so gut getarnt gehabt. „Aber Wind und Wetter müssen das Tarnnetz beseitigt haben.“

Er ergänzt: Das Flugzeug sei mitnichten beim Überflug fotografiert worden. „Das Flugzeug haben wir dort geparkt. Leider ist uns dabei eine Tragfläche abgebrochen. Macht aber nichts, das Flugzeug soll sowieso nicht wieder eingesetzt werden.“ Wer es bis dahin noch nicht gemerkt hat, dem sei ausdrücklich gesagt: Der Lufthansa-Sprecher beweist mit seiner Rückmeldung Humor.

Parkplatz in Spanien ist voll

Und er hat zum „Hintergrund“ dieser ungewöhnlichen Park-Aktion auch gleich eine Erklärung parat. „Durch Corona ist der globale Flugverkehr zusammengebrochen, wie Sie wissen. Sämtliche Airlines mussten ihre Flugzeuge parken. Traditionellerweise nutzt Lufthansa den Flugplatz Teruel in Spanien dafür. Doch weltweit wurden die Parkplätze knapp. Und Knappheit bedeutet immer steigende Preise. Das wollten wir nicht mehr bezahlen und haben uns für diese ungewöhnlich Unterbringung entschieden. Wir waren der Meinung, da kommt keiner drauf und wir haben viel Geld gespart. Jetzt ist es raus!“

Jumbo als neue Touristenattraktion?

Die Lufthansa denke natürlich auch schon weiter. „Momentan überlegen wir, den geparkten Jumbo, wie die Boeing 747-400 liebevoll genannt wird, zur begehbaren Touristenattraktion umzugestalten. Ich denke, das wäre doch was für die Region, ähnlich wie der TK Elevator Testturm in Ihrer Gemeinde.“

Kein Frachtflugzeug

In der Tat interessant, in der Region wäre man sicher erfreut – so lange der Wald nicht darunter leiden muss. Eine sachliche Information gibt es aus Frankfurt dann zum Schluss auch noch: „Es handelt sich im Übrigen nicht um ein Frachtflugzeug, wie bei Google fälschlicherweise behauptet. Lufthansa hatte und hat keine Boeing 747-400 in der Frachtversion betrieben.“

Ein Fehler im Fehler also, wobei das vielen Nutzern recht egal sein dürfte. Zwischen vielen schlechten Nachrichten Tag für Tag sorgt die kuriose „Boeing im Wald“ nämlich derzeit vor allem für ziemlich viel Erheiterung. Sogar bei der Lufthansa in Frankfurt.

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