Kuriose Fastnachtsbräuche Schweinsblasen und falsche Nasen

Von red/dpa 

Schweinsblasen auf den Schädel und Froschkutteln auf dem Löffel: Für Außenstehende mag die Fastnacht im Südwesten seltsam erscheinen. Dafür gibt es auch gute Gründe.

Metzgermeister Thomas Winterhalter befestigt eine „Saubloder“, eine mit Luft gefüllte Schweinsblase, am Hagenschwanz eines Elzacher „Schuttigs“. Der Hagenschwanz ist der getrocknete Penis eines Bullen. Foto: dpa
Metzgermeister Thomas Winterhalter befestigt eine „Saubloder“, eine mit Luft gefüllte Schweinsblase, am Hagenschwanz eines Elzacher „Schuttigs“. Der Hagenschwanz ist der getrocknete Penis eines Bullen. Foto: dpa

Saublodere: Manche Metzger haben in der Fastnachtszeit alle Hände voll zu tun. Sie produzieren „Saublodere“ - eine mit Luft gefüllte Schweinsblase, die etwa bei Umzügen der Waldshuter Narro-Zunft oder in der Schwarzwaldgemeinde Elzach zum Einsatz kommt. Die Narren schlagen die „Saublodere“ mit Wucht auf den Boden - was einen Höllenlärm verursacht. Und so manch ahnungsloser Zuschauer bekommt sie auch mal auf den Kopf gehauen - was aber nicht wirklich schmerzt.

Karbatschen: Lasst es krachen! Besonders in der oberschwäbischen Fasnet und in den Bodenseeregionen ist das Schnellen von Karbatschen eine wichtige Tradition - Karbatschen sind geflochtene Geißeln aus Lederriemen oder Hanfseilen. Beim Schnellen werden sie so geschwungen, dass dabei Überschall entsteht - und die Peitsche ordentlich knallt. Der Lärm soll böse Geister vertreiben.

Froschkutteln: Mmmmmhhh, das schmeckt! Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) löffelt seit fast 40 Jahren am Fastnachtsdienstag in Riedlingen (Kreis Biberach) tapfer einen Teller Froschkutteln leer - eine braune Suppe aus Rinderinnereien. Die Narren der Zunft Gole laden ihn ein, treffen sich morgens in der Altstadt, rauchen Zigarren und schunkeln durch die Gegend. Unter dem Ruf „Rei, Kuttle, rei“ genießen sie später das Gericht aus Rinderpansen, -herz, -leber und -nieren, um danach aus dem Rathausfenster auf den Marktplatz zu rutschen.

Wolfacher Nasenzug: Beim Wolfacher Nasenzug verkleiden sich etwa 300 Männer mit einer selbst gebastelten Nase - etwa aus Holz, Plastik oder Pappe. Mann hinter Mann geht es im Gänsemarsch durch die Stadt. Frauen und Mädchen ist es nicht erlaubt, am Umzug teilzunehmen. Wird im Nasenzug eine weibliche Teilnehmerin entdeckt, landet sie unterwegs im Stadtbrunnen.

Fledermäuse: Batwoman in Meßkirch? Im Kreis Sigmaringen wechselt die Narrenmutter - eine Art Gruppenleiterin - in jeder Saison. Und damit die „alte“ Narrenmutter auch standesgemäß verabschiedet werden kann, wird sie vom Zeremonienmeister der Katzenzunft unter Chor-Gesängen mit magischen Worten in eine Fledermaus verwandelt: „Lacri, facri, Katz und Maus, lux perdux treib Teufel aus, lirum, larum, pax et laus, werde zu ‚ner Fledermaus“.

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