Mal kurios, mal rührend, mal dramatisch: Eine Ausstellung in Burgstetten (Rems-Murr-Kreis) zeigt jetzt die Lieblingsstücke von Menschen und erzählt deren Geschichte. Die Exponate reichen vom Puppenhaus bis zur Patrone.
In der Villa Habanos fehlt es an nichts: Edle Zedernholzmöbel in allen Räumen, die Wände sind mit stilvollen Tapeten bestückt, und jedes Zimmer hat einen Kronleuchter. Kein Wunder, dass Ursula Methner die prachtvolle Puppenstube zu ihrem Lieblingsstück gekürt hat. Der Uropa hat sie vor rund 130 Jahren angefertigt, das Holz der Möbel stammt von seinen Zigarrenschachteln. Um solche Gegenstände, die Menschen sehr am Herzen liegen, dreht sich nun eine Sonderausstellung des Historischen Vereins Burgstetten. Unter dem Titel „Als wär’s ein Teil von mir“ zeigt der Verein im Januar in der Pfarr- und Zehntscheuer Erbstetten Dinge, die einen ganz besonderen Stellenwert für ihre Eigentümer haben.
Von so hohem materiellen Wert wie die großbürgerliche Puppenstube, deren Anblick wohl jedes Sammlerherz höher schlagen lässt, sind nur wenige der Exponate. Und doch sind sie den Besitzern allesamt lieb und teuer. So hat ein vielfach geflickter Kuschelhase in der Ausstellung ebenso einen Ehrenplatz wie ein 55 Jahre altes, vielgetragenes Paar Halbschuhe, wie die allererste Schallplatte – in diesem Fall „Out of the blue“ vom Electric Light Orchestra – oder ein bunter Wickelrock mit Paisley-Muster.
Sirius I war einer der ersten Personal Computer
Letzteren hat Sieglinde Krauter vor 50 Jahren in der angesagten Londoner Carnaby Street, einer hippen Einkaufstraße im Stadtteil Soho, erstanden – zu einer Zeit, als es noch keine Billigflieger gab und sie daher mit ihren Freundinnen per Zug auf die Insel reiste. Den Rock findet sie bis heute schön: „Er steht für Flower-Power der Hippiezeit, Jugend und Freiheit“.
Die Geschichten und Erinnerungen, die mit jedem Stück verknüpft sind, können Besucher auf kleinen Texttafeln neben den Exponaten lesen. Durch sie werden selbst Alltagsgegenstände zu etwas Besonderem, wie etwa der ziemlich ramponierte uralte Pott, in dem Edith Eckerts Oma einst den Salzvorrat in der Speisekammer aufbewahrte. Jochen Elzmann stellt seinen ersten PC zur Schau: Das Anfang der 1980er-Jahre produzierte Modell Sirius I der Firma Victor Technologies hatte der Konkurrenz von IBM einiges voraus, konnte sich aber letztlich nicht durchsetzen. An seinen stattlichen Preis erinnert sich Jochen Elzmann bis heute: „Er kostete 9595 Deutsche Mark, was nach heutigen Preisen ungefähr 20 000 Euro entspricht.“
Verhängnisvolle Gewehrpatrone, segensreicher Insulinpen
Manche Stücke haben das Leben ihrer Eigentümer nachhaltig verändert. Die dramatischste Geschichte ist mit einer Gewehrpatrone verknüpft. Die steckte im April 2018 im Gewehr von Maike Elzmann. Beim Training platzte die Patrone im Patronenlager, dank sehr viel Glück kam die Sportschützin aber mit einer geplatzten Lippe und einem Bluterguss davon: „Die Patrone erinnert mich daran, wie zerbrechlich das Leben ist, und wie wichtig es ist, jeden Moment bewusst zu schätzen.“
Karl-Gerd Krumbachs Leben hat ein unscheinbar wirkender, länglicher Gegenstand verändert, der an einen schicken Kugelschreiber erinnert. Tatsächlich handelt es sich um einen der ersten Insulinpens, ein Werkzeug, mit dem Diabetiker sich einfach und sicher Insulin injizieren können. Krumbach durfte den Pen, der die Spritze ersetzte, Mitte der 1980er-Jahre bei einer Klinikstudie testen. Sein humorvolles Fazit: „Somit bin ich einer der ältesten Penner in Stuttgart.“
Zwei Termine
Museum
Die Ausstellung ist am 6. Januar von 11 bis 17 Uhr und am 26. Januar von 13 bis 17 Uhr in der Friedhofstraße 21 in Burgstetten zu sehen.