Kuriose Sportveranstaltung in Marbach Schweißtreibender Lauf im Steinbruch
Beim 1. Rielingshäuser Traillauf Rocks & Run vor ungewöhnlicher Kulisse wird Geld für die Ortsbücherei in dem Stadtteil von Marbach (Kreis Ludwigsburg) gesammelt.
Beim 1. Rielingshäuser Traillauf Rocks & Run vor ungewöhnlicher Kulisse wird Geld für die Ortsbücherei in dem Stadtteil von Marbach (Kreis Ludwigsburg) gesammelt.
Der Regen in der Nacht auf Samstag hat einige Passagen der ziemlich genau zwei Kilometer langen Laufstrecke im Steinbruch der Firma Klöpfer am Ortsrand des Marbacher Stadtteils Rielingshausen in kleine Schlammgruben verwandelt. Am Samstag gegen Mittag indes lacht gelegentlich die Sonne vom Himmel. Beste Bedingungen also für den 1. Rielingshäuser Steinbruch-Lauf. Nicht zu warm und nicht zu kalt, kein Wasser mehr von oben. Allerdings ordentlich Matsch von unten.
Etwa drei Dutzend Kinder sind bereits am Vormittag rund 600 Meter weit gerannt. Welche Buben und Mädchen auf der Strecke waren, ist ganz gut zu erkennen: die mit den getrockneten Matsch-Spritzern an der Kleidung. Emil Klöpfer, fünf Jahre, ist einer der Buben. Auf die Frage, wie ihm der Lauf in Papas Steinbruch denn gefallen hat, gibt’s nur ein cooles Handzeichen: der Daumen seiner rechten Hand zeigt nach oben. Emil will keine langweiligen Fragen beantworten, sondern nach seinem Lauf lieber weiter in dem übergroßen Sandkasten neben dem Start-Ziel-Bereich spielen.
Sein Vater Matthias Klöpfer, der Geschäftsführer der gleichnamigen Firma, hingegen erzählt gerne. Dass er ein passionierter Läufer sei und die Idee für den Lauf mitten im Steinbruch hatte. Dass er super gern mitlaufen würde, aber leider zu viel zu tun habe mit der Organisation des sportlichen Events. In Zusammenarbeit mit der Handball Spiel-Gemeinschaft (HSG) Marbach-Rielingshausen richten er, ein paar seiner Mitarbeiter und viele Helfer der HSG den Traillauf aus, Motto in nahe liegender Alliteration: Rocks & Run.
12 Uhr, der Startschuss. Die schnellsten der gut 100 Läuferinnen und Läufer legen mit einem beeindruckenden Tempo los. Auf dem Rundkurs geht es sofort über Stock und Stein bergauf, bald vorbei an riesigen Arbeitsgeräten und unter den krakenhaften Armen von gewaltigen Baggern hindurch. Was für eine kuriose Laufstrecke! Je Runde müssen die Sportler etwa 120 Höhenmeter überwinden. Obgleich es für Mitte Juni vergleichsweise kühl ist – der Schweiß rinnt bei vielen Läufern bald in Strömen über Stirn und Rücken.
Alle paar hundert Meter sitzen Streckenposten. Zur Kontrolle. Sicher ist sicher. Niemand soll unbeobachtet eine Abkürzung nehmen. Die meisten Starter haben aber ohnehin nur ein Ziel: durchhalten, zwei Stunden lang rennen, rennen, rennen. Punkt 14 Uhr ist Schluss, wer bis dahin die meisten Runden in dem urtümlichen Ambiente absolviert, hat gewonnen.
Im Start-Ziel-Bereich gibt es Obst und Wasser. Manche Läufer machen hier kurz Stopp, trinken einen Schluck. Zum Beispiel ein Mann, geschätzt Ende 30. „Papa, renn!“, fordert ihn sein Sohn gnadenlos auf, nicht nachzulassen. Nach ein paar Sekunden setzt sich der Papa auch schon wieder in Trab – mit der Erkenntnis, die den inneren Schweinehund bekämpfen soll: „Die Konkurrenz schläft nicht.“ Nein, die schläft in der Tat nicht, die rennt. Und wie! Die schnellsten Läufer benötigen für ihre ersten zwei Kilometer auf dieser holperigen Hindernisstrecke nur etwa acht Minuten. Obwohl der Matsch zeitweise zentimeterdick an den Schuhsohlen klebt.
Johann Rippl indes hat bald genug. Der 64-jährige Mann aus Leonberg ist ein bisschen außer Puste und sagt, die außergewöhnliche Laufstrecke gefalle ihm „sehr gut“. Aber diese Anstiege! Die hätten ihn ziemlich geschlaucht. Deshalb ist für ihn schnell Ende im Gelände – nach zwei Runden, vier Kilometern und ziemlich genau 30 Minuten.
Gegen 13 Uhr macht Heike Obleser nach vier Runden eine kurze Verschnaufpause, trinkt Wasser und erzählt, dass sie quasi mitlaufen müsse. Heike Obleser ist städtische Büchereimitarbeiterin, und die Ortsbücherei in Rielingshausen soll den Erlös des Laufs bekommen. Genutzt wird er für die Einrichtung eines sogenannten Wohlfühlraums für Kinder und Eltern. Matthias Klöpfer erzählt, die Bücherei werde 3000 Euro von mehreren Sponsoren des Laufs erhalten. Und er sagt zu, dass Rock & Run auch im nächsten Jahren stattfinden soll.
Macher
Das Unternehmen Köpfer wurde 1952 gegründet, Firmensitz ist Winnenden-Birkmannsweiler. Über den Winnender Wirtschaftsförderer Tim Hettich kam die Firma in Kontakt zu dessen Onkel, dem Sportfachmann Rolf Hettich aus Backnang. Dieser hat den Veranstaltern des Steinbruch-Laufs ein paar Tipps gegeben. Hettich sagt vor Ort, der Steinbruch-Lauf habe Potenzial für ein paar hundert Starter. Die Handball Spiel-Gemeinschaft (HSG) Marbach-Rielingshausen wurde 1992 gegründet. Das Frauen- und das Herrenteam spielen in der Bezirksoberliga.
Gewinner
Timo Striegel (LAZ Ludwigsburg) gewinnt die Männerwertung, er schafft 14 Runden in 1:56,51 Stunden. Bei den Damen gewinnt die Triathletin Julia Leye (TSV Neustadt), sie absolviert elf Runden in 1:57,04 Stunden.