Seit bei Regenfällen ein Baum auf die Straße gestürzt ist, ist die Zufahrt zum Restaurant gesperrt. Der Inhaber droht, sein Lokal zu schließen, wenn die Stadt nichts unternimmt.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Es ist ein gewöhnlicher Mittwochnachmittag. Jack Khano steht allein in seinem Restaurant „GiG – Genuss im Grünen“ in Ludwigsburg-Hoheneck. Gäste? Fehlanzeige. „Ich habe zu meinen Mitarbeitern gesagt: Bleibt zu Hause, ich mache das selbst, weil ich weiß, es kommt eh keiner.“ Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits fünf Stunden geöffnet. Normalerweise, erzählt Khano, habe er zu diesem Zeitpunkt schon zehn bis 15 Tische mit Gästen.

 

Schuld an der ganzen Misere ist ein umgestürzter Baum. Seitd dieser infolge starker Regenfälle auf den Otto-Konz-Weg gerutscht ist, ist die einzige direkte Zufahrtsstraße zum Restaurant gesperrt. Das ist mittlerweile mehr als zwei Monate her, der Baum ist längst weg. Ein Ende der Sperrung ist trotzdem nicht in Sicht. Was aber in Sicht ist, ist das Ende des Restaurants – wenn sich nicht bald etwas an der Situation ändert.

Gefällte Bäume waren aus Kostengründen nicht entfernt worden

Die Vollsperrung sei wegen der „Gefahr für Leib und Leben“ vom zuständigen Fachbereich veranlasst worden und könne erst wieder aufgehoben werden, „wenn die Fachabteilung eine gefahrlose Benutzung des Otto-Konz-Weges bestätigt“, erklärt die Stadt auf Anfrage.

Im angrenzenden Fischerwäldle waren vor sechs Jahren Bäume gefällt, aus Kostengründen aber nicht entfernt worden. Einer dieser Baumstämme hatte sich Anfang September gelöst und war auf die Straße gerutscht. Die Stadt hat nun einen Gutachter beauftragt; wenn das Gutachten vorliegt, soll eine Spezialfirma die anderen Baumstämme in den Steilhängen entfernen, um so die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Drei Mitarbeiter musste Khano bereits entlassen

Einen konkreten Termin, wann der Weg wieder geöffnet wird, gibt es von der Stadt aber weiter nicht. Das macht Restaurantinhaber Khano zu schaffen. Es kämen keine Spaziergänger oder Radfahrer mehr, Veranstaltungen würden abgesagt, Reservierungen storniert. „Ich weiß nicht, warum ich gerade noch offen habe“, sagt Khano. Eigentlich nur wegen der Wochenenden, an denen manchmal noch kleinere Gruppen kämen.

Das Restaurant „GiG – Genuss im Grünen“ kämpft wegen der Straßensperrung ums Überleben. Foto: Simon Granville

Mittlerweile hat Khano bereits drei Mitarbeitern kündigen müssen. Vollzeitkräfte hat er nicht mehr, nur noch Aushilfen. „Unter der Woche brauche ich keine Mitarbeiter mehr. Das mache ich allein, weil keiner kommt“, sagt Khano. Ein Großteil des Geldes, das er über den Sommer erwirtschaftet habe, sei in den rund zwei Monaten aufgebraucht worden. „Ich liebe mein Restaurant. Ich habe mir das die ganzen Jahre über aufgebaut – auch mein Personal. Das hat mir am meisten wehgetan, sie zu entlassen.“

Viele Gäste wollen die Umleitung nicht auf sich nehmen

Der Teil des Otto-Konz-Wegs zwischen Restaurant und Schleuse Poppenweiler wurde Ende Oktober wieder freigegeben, seitdem sind immerhin die Parkplätze wieder nutzbar. Geändert hat das an der Situation aber nicht viel. Denn die aufwendige Umleitung über den Stadtteil Oßweil wollen viele Gäste nicht auf sich nehmen, gerade die älteren, erzählt Khano.

Wie lange er in dieser Situation den Betrieb noch fortführen kann? „Ganz ehrlich: Am liebsten hätte ich gestern schon zugemacht. Ich schaue mir jetzt noch den November an und entscheide dann Anfang Dezember, ob ich dichtmache oder nicht. Bis dahin hoffe ich, dass die Stadt Gas gibt.“