Kurzreisen während des Fernunterrichts Kultusministerin Eisenmann verbietet Reisen vor Ferienbeginn

Wo sind die Schüler eigentlich im Home Office? Foto: imago /epd/A. Bingel

Einige Schüler in Baden-Württemberg nutzen die neuen Freiheiten im digitalen Fernunterricht für Kurzreisen innerhalb Deutschlands. Jetzt hat Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) das strikt verboten.

Stuttgart - Die Arbeiten sind geschrieben, die Noten stehen fest, doch es sind immer noch neun Schultage bis Ferienbeginn. Normalerweise wird der Endspurt vor den Ferien kreativ genutzt für Projekttage, Ausflüge oder Schulfeste und deren Vorbereitung – all das fällt jetzt wegen der Corona-Auflagen weg. Hinzu kommt, dass sich an weiterführenden Schulen immer noch Wochen oder Tage des Präsenzunterrichts ablösen mit Zeiten, die die Schüler zuhause mit digitalem Fernunterricht verbringen – also mit der großen Freiheit. Dass die „Luft raus“ sei beim digitalen Lernen, das geben viele Schüler offen zu.

 

Manche Schülergruppen nutzen die neue Freiheit des Fernunterrichts nach Informationen unserer Zeitung auch dazu, um kurz vor den Ferien mehrtägige Deutschlandreisen auf eigene Faust zu unternehmen. Kann der Lehrer das kontrollieren, ob man von einer Jugendherberge in Hamburg oder Berlin seine Mails checkt und an Videokonferenzen teilnimmt?

Lesen Sie hier: Corona-Nachhilfe in den Ferien – in Stuttgart genügend Plätze garantiert

Fernlernen in heimischer Umgebung

Ralf Scholl, Landesvorsitzender des Philologenverbandes, kennt das Phänomen: „Durch das rollierende System sind die meisten Schüler ja nur jede zweite oder sogar dritte Woche ‚live’ an der Schule. In den Fernlern-Wochen gibt es offensichtlich an vielen Schulen einzelne Schüler, die diese Zeit zum Reisen nutzen.“ Auch habe er von einer Schule gehört, dass dort eine Familie schon am Wochenende vor der letzten Schulwoche in die Ukraine fliegen wollte. Der betroffene Schüler sollte in den Wochen vor Ferienbeginn digitalen Fernunterricht haben und hatte angefragt, ob er sein Zeugnis auch erhalten könne, wenn er nicht anwesend sei – so flog die Sache auf. In Kurzreisen von Schülern, so sie am Fernunterricht trotzdem „wirklich teilnehmen“, sehe er im übrigen „kein großes Problem“, sagt Ralf Scholl.

Das Kultusministerium in Stuttgart aber will auch in Corona-Zeiten keinen Schlendrian einreißen lassen. Auf Anfrage teilte eine Sprecherin von Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) mit: „Die Phasen des Fernunterrichts sind nicht dazu gedacht, dass Schüler verreisen.“ Die Schülerinnen und Schüler müssten auch während der Fernlernphase erreichbar sein, sie sollten da „in heimischer Arbeit“ Aufgaben erledigen, Lerninhalte wiederholen und üben.

Lesen Sie außerdem: Vertretungslehrer – Für die Sommerferien gibt’s keinen Cent

„Eigenmächtige Ferienverlängerung“

Auch das Thema „eigenmächtige Ferienverlängerung“ – also der frühe Start in die Ferien oder die verspätete Rückkehr – beschäftige die Schulen immer wieder. „Ein Massenphänomen ist das zum Glück nicht“, so die Sprecherin. Eine Beurlaubung sei nur in Ausnahmefällen möglich, wie dem Antritt einer Kur, einem Schüleraustausch oder der Teilnahme an einem Wettbewerb. Auch gebe es einige persönliche Gründe wie die Hochzeit von Geschwistern, ein Todesfall in der Familie oder ein Wohnungswechsel. „Eine geplante Urlaubsreise früher anzutreten zählt nicht zu den Ausnahmegründen.“

Wie im Schulgesetz festgelegt, hätten die Eltern dafür zu sorgen, dass ihre Kinder am Unterricht und allen Schulveranstaltungen teilnehmen, so die Sprecherin des Ministeriums: „Dazu zählt auch der Fernlernunterricht.“ Bei einer eigenmächtigen Verlängerung der Schulferien werde es „Ärger mit den Bußgeldbehörden“ geben.

„Nach diesem Schulhalbjahr ist die Luft wirklich raus“

Elisabeth Schilli, Pressesprecherin des Landesschülerbeirats und selbst Schülerin einer elften Klasse, sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass sie selbst noch nichts von reisenden Schülercliquen gehört habe. „Ich kann aber bestätigen, dass die Luft nach diesem Schulhalbjahr wirklich raus ist. Die Motivation hat sich halbiert, es fällt jetzt schwer, sich noch für den Unterricht aufzuraffen.“ Die Vorfreude auf einen normalen Präsenzunterricht nach den Ferien sei groß.

Es sei für sie unverständlich, so Elisabeth Schilli, dass jetzt an manchen Schulen der Präsenzunterricht nur dürftig gestaltet werde: „Da kommen die Schüler für zwei Stunden am Tag an die Schule und sollen dann Filme schauen. Die Zeit könnte man sinnvoller nutzen.“ Was die Reisetätigkeit anbelange, da würde sie die ins Ermessen der Schüler stellen: „Theoretisch ist es egal, ob ich meinen Fernunterricht vom eigenen Schreibtisch oder von woanders verfolge“, meint Elisabeth Schilli.

Das Kultusministerium hat es den Schulen überlassen, wie sie die Zeugnisausgabe – eventuell zeitlich gestaffelt und räumlich getrennt – organisieren. Aber vorbeikommen müssen die Schüler schon selbst. Spätestens bei der Zeugnisausgabe müssten die Schüler „anwesend“ sein, heißt es beispielsweise beim Ferdinand-Porsche-Gymnasium in Stuttgart. Andernfalls könne das Zeugnis nicht ausgegeben werden.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Schule Ferien Susanne Eisenmann Video