Léa Linster in Stuttgart Warum die Spitzenköchin die Schwaben liebt

Von Uwe Bogen 

Léa Linster lacht gern. In Stuttgart kann die Spitzenköchin besonders viel lachen. Zur Premiere von Monika Hirschle in der Marquardt-Komödie war sie aus Luxemburg angereist. Ob Küche, Autos oder Theater – Schwäbisch gefällt ihr.

Schauspielerin Monika Hirschle (links) und Spitzenköchin Léa Linster   bei der Premierenfeier in der Komödie im Marquardt. Foto: Klaus Schnaidt 13 Bilder
Schauspielerin Monika Hirschle (links) und Spitzenköchin Léa Linster bei der Premierenfeier in der Komödie im Marquardt. Foto: Klaus Schnaidt

Stuttgart - Ein Stern lässt sich nicht vererben. Wenn ein Koch oder eine Köchin abtritt, muss der Nachfolger selbst alles geben, um den Guide Michelin zu überzeugen. Léa Linster, die als erste und bisher einzige Frau 1989 den Bocuse d’Or erhalten hat, die höchste internationale Auszeichnung der Gourmetküche, freut sich sehr, dass es äußerst erfolgreich in ihrem Restaurant in Luxemburg weitergeht. Ihr Nachfolger ist ihr Sohn Louis Linster. Dem Junior ist es bereits im ersten Jahr gelungen, einen Stern zu holen. Seine Mutter, die nach vier Jahrzehnten die Verantwortung ihres Hauses abgegeben hat, nutzt die neue Freiheit zum Reisen. Zur Premiere ihrer Freundin Monika Hirschle, dem Publikumsliebling in der Komödie im Marquardt, fuhr sie nach Stuttgart – in die Stadt, aus der ihr Auto (bei einer langjährigen Sterneköchin natürlich eines mit Stern) kommt.

Ihr Lachen steckt an

Léa Linster hat ein ansteckendes und erfrischendes Lachen. Es gibt nur wenige Menschen, deren Gesichtszüge eine so große Zufriedenheit und Lebensfreude ausstrahlen. Ach, wie herzhaft konnte die 64-Jährige lachen in der ausverkauften Premiere von „Koi Ausk0mma mit dem Einkomma“! Die klassische Tür-auf-Tür-zu-Komödie mit irrwitzigen Verwechslungen funktioniert seit über 60 Jahren. Monika Hirschle, die man „Stuttgarts Heidi Kabel“ nennt, hat das Stück um ein Rentnerpaar, das ein Zimmer doppelt untervermietet, ins Schwäbische übersetzt – in der Mundart zündet der Unterhaltungsstoff selbst bei einer Besucherin aus Luxemburg, die nicht täglich die schwäbische Sprache hört.

Ob sie alles verstanden hat? „Aber klar!“, sagt Léa Linster bei der Premierenparty, zu der ein weiterer Luxemburger dazustößt. Der Sänger und Schauspieler Loïc Damien Schlentz, der gerade in Stuttgart mit „Comedian Harmonists“ so erfolgreich ist, dass alle Vorstellungen ausverkauft sind und es im Juli eine mehrtägige Zugabe gibt, feiert in der Marquardt-Komödie mit. „Das Schwäbische klingt so lustig“, sagt er, „auch wenn man es nicht versteht.“

Warum es in Stuttgart einen Schnäpperle-Stammtisch gibt

Eines dieser lustigen schwäbischen Worte ist das Schnäpperle. Die Moni, wie Monika Hirschle von ihren Fans genannt wird, erklärt der Freundin aus Luxemburg, was ein Schnäpperle ist und warum sie sich mit schwäbischen Kreativen zum Schnäpperle-Stammtisch trifft. Aus einer Wette heraus ist der Name für den Stammtisch entstanden. Léa Linster lacht mal wieder. „Was ein Schnäpperle ist, weiß eine Frau in meinem Alter“, sagt sie. Was man in Luxemburg zum männlichsten Körperteil sagt? Ihre Antwort kommt rausgeschossen: „Ab sofort Schnäpperle“.

Über eine gemeinsame Freundin hat Monika Hirsche die Fernsehköchin kennen gelernt und bei ihr auch schon einen Kochkurs besucht. Was sie gelernt hat? Léa Linster antwortet: „Ich hab’ der Moni erst mal beigebracht, dass Wasser von allein kocht. Und weil uns das Wasser nicht dazu gebraucht hat, haben wir Champagner getrunken.“

Was Léa Linster über den Brand von Baiersbronn sagt

Die Luxemburgerin ist ein Fan der schwäbische Küche, wie sie sagt. „Spätzle und Maultaschen sind genial“, findet sie, „aber nur, wenn man sie selbst macht.“ Die Autorin, deren neues Buch „Mein Leben, meine Rezepte“ jetzt erschienen ist, versteht nicht, warum es in vielen Restaurants Fertig-Spätzle gibt. „Das geht gar nicht.“ Ihr gefallen einfache Gerichte, die ohne Schischi zubereitet werden. Sie ist ein Fan der ehrlichen und direkten Küche – und auch ein Fan des ehrlichen und direkten Theaters. Bei der Premierenfeier sagt Intendant und Regisseur Axel Preuß, dass dieses Stück heute noch so treffend aktuell sei, weil es die Themen Wohnungsnot und Altersarmut behandelt. Und Monika Hirschle bedankt sich am Mikrofon bei ihm, dass er als Nordlicht ein schwäbisches Stück mit viel Herzblut inszeniert habe.

Wir lachen viel mit Léa Linster und sprechen dann noch ein ernstes Thema an, den Brand der Traube Tonbach in Baiersbronn. Als eine Frau, die am liebsten alles positiv sieht, sagt sie: „Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass das alte Haus abgebrannt ist – denn jetzt kann der Drei-Sterne-Koch Torsten Michel neu anfangen und neue Zeichen setzen.“

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