Lach-Olympiade Nachhilfe im Kehrwochenlachen

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Zum Schießen: In Obertürkheim findet die 1. Schwäbische Lach-Olympiade statt. Frauen sind in der lustigen Überzahl. Die weit gereisten Teilnehmer sind Experten in Lach-Yoga – und wälzen sich vor Lachen am Boden.

Es darf gelacht werden: Teilnehmerinnen der Lach-Olympiade in Aktion. Foto: Lichtgut/Rudel
Es darf gelacht werden: Teilnehmerinnen der Lach-Olympiade in Aktion. Foto: Lichtgut/Rudel

Stuttgart - Es gibt sicherlich lustigere Orte auf der Welt als den Gemeindesaal der Andreaskirche in Obertürkheim. An diesem Samstagnachmittag steht die christliche Begegnungsstätte mit rund 50 Besuchern indes Kopf: Es wird gekichert, sich gekugelt und so ekstatisch wie vielstimmig aus vollem Halse gelacht, dass man sich als Beobachter ratlos am Kopf kratzt. Liegt ein Leck an einer Lachgasleitung vor? Hat jemand den VfB Stuttgart als kommenden Deutschen Meister prognostiziert?

Nichts dergleichen. Im für seine Ausgelassenheit bekannten Obertürkheim findet die 1. Schwäbische Lach-Olympiade statt. Veranstaltet wird der Kicher-Wettbewerb von Susanne Klaus, Betreiberin der Stuttgarter Lachschule, und von Carmen Goglin, Macherin der Reutlinger Lachschule. Die Basis der Olympiade ist Lach-Yoga, eine eigenwillige Variation der fernöstlichen Entspannungstechnik. Hier wie dort geht es um Tiefenatmung. Selbstverständlich hat das lustigste Event seit Erfindung der Kehrwoche einen ernsten Hintergrund: Lach-Yoga wird unter anderem in der Schmerztherapie eingesetzt.

Eine Dame aus dem Odenwald erlacht den ersten Platz

Schmerzen hat im Gemeindesaal der Andreaskirche an diesem Samstag keiner, höchstens Bauchschmerzen vor Lachen. Die Teilnehmer der ersten Disziplin werden von den Zuschauern mit einer La-Ola-Welle gefeiert, begleitet durch das gemeinsam vorgetragene Mantra „sehr gut, sehr gut, yeah!“ Zwischendrin müssen sich alle gemeinsam hinstellen, ein „hähä, hihi, hihi“ anstimmen und dabei verschiedene Körperteile beklatschen, beim zweiten „hihi“ werden die eigenen Pobacken sanft getätschelt. Die Jury kürt derweil die Gewinner der ersten Runde. Es werden Urkunden verteilt und Medaillen umgehängt. Platz eins hat Anita Kirchgässner erlacht. Frage der Moderatorin Susanne Klaus: „Wie fühlt man sich als Olympiasieger?“ – Antwort Kirchgässner: „Sehr gut.“ Yeah.

Kirchgässner ist mit ihrer Mitlacherin Waltraud Herberich extra aus dem Odenwald angereist. In Buchen sind beide Damen Teil des örtlichen Lachtreffs. Herberich hat sich einst im Rahmen einer Schmerztherapie in Lach-Yoga ausbilden lassen. „Ich stehe zu 150 Prozent hinter dieser Sache. Anita war früher eine sehr schüchterne Person. Heute lacht sie nach Herzenslust vor Publikum.“

Brüllen vor Lachen bei der Kehrwoche

Die meisten Teilnehmer der Lach-Olympiade sind erfahrene Lach-Yogis. Frauen sind bei dieser Veranstaltung eindeutig in der Überzahl. Es dominiert die praktische Kurzhaarfrisur. Manche Teilnehmerinnen tragen Smiley-T-Shirts,

Die zweite Disziplin des Nachmittags: Kehrwochenlachen. „Sortiert euch nach Schönheit“, fordert Susanne Klaus. „Also gut, sortiert euch nach Länge eurer Haare.“ Die Teilnehmer stellen pantomimisch Kehrwochenbewegungen dar – und brüllen dabei vor Lachen. Eine Teilnehmerin kugelt sich auf dem Boden. Den souveränsten Auftritt legt Kunibert Lettau aufs Parkett. Er lacht das Schild, das ihn zur Kehrwoche auffordert, einfach weg. Zurecht heimst er den ersten Platz ein.

Kunibert Lettau ist aus Hohenlohe angereist. „Ich habe bei Frau Klaus Lachkurse belegt. Lachen in der Gruppe ist noch energiegeladener“, so Lettau. Susanne Klaus betreibt ihre Lach-Schule seit zehn Jahren. Sie hat sich an der Lachuniversität in Bangalore in Indien ausbilden lassen. Klaus schwört auf lachen als Mittel der Stressbewältigung: „Das Geniale am Lachen: Es kann jeder.“ Carmen Goglin ergänzt: „Die Entspannung kommt von alleine, weil man nicht gleichzeitig lachen und grübeln kann.“ Goglin trägt ein Shirt mit dem Aufdruck „All You Need is Love and Laugh“. Das Oberteil hat sie beim Lachyoga-Kongress in Salzburg erstanden. Zum Schießen, diese Lach-Yogis.

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