Lackieranlagenbauer Bei Dürr stapeln sich Aufträge aus Deutschland

Von  Inge Nowak 

Autobauer modernisieren Werke, Küchenmöbelhersteller investieren in neue Anlagen – der Lackieranlagenhersteller Dürr profitiert vom Investitionswillen deutscher Konzerne. Die Rendite dürfte im gesamten Jahr zwar sinken, der Umsatz könnte aber auf Rekordniveau steigen.

Die Zahl der Beschäftigten bei Dürr ist im Halbjahr weiter gestiegen. Foto: dpa
Die Zahl der Beschäftigten bei Dürr ist im Halbjahr weiter gestiegen. Foto: dpa

Stuttgart - Plus 56 Prozent – Aufträge aus Deutschland sind beim Lackieranlagenhersteller Dürr in die Höhe geschnellt. Bestellungen im Wert von 373 Millionen Euro standen im ersten Halbjahr in den Büchern des Anlagenbauers aus Bietigheim-Bissingen, schreibt das Unternehmen im Zwischenbericht. Die Aufträge kommen etwa aus der Autoindustrie. Dabei handele es sich um mittelgroße Bestellungen – unter anderem Lackieranlagen – von zwei Fahrzeugherstellern für die Modernisierung bestehender Werke, erläutert ein Dürr-Sprecher. Die Namen der Hersteller wollte er nicht nennen. Auch die Tochter Homag, die Holzbearbeitungsmaschinen herstellt, habe große Aufträge erhalten; unter anderem von einem hiesigen Küchenmöbelhersteller.

Stolz ist das Unternehmen zudem auf einen Großauftrag für Lackiertechnik eines japanischen Konzerns in den USA. Es ist für ausländische Firmen normalerweise schwierig von einem japanischen Autohersteller einen Zulieferauftrag zu erhalten, weil dieser Aufträge meist konzernintern vergibt. Dürr schreibt der Order denn auch eine „Signalfunktion“ zu, so der Sprecher, dass Japaner Interesse an der Technologie der Bietigheimer haben. Insgesamt ist der Auftragseingang von Dürr im Halbjahr allerdings um sechs Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro gesunken. Berücksichtigt man, dass Anfang 2017 die Ecoclean-Sparte verkauft wurde, habe das Minus nur noch bei 1,4 Prozent gelegen.

Produktionsprobleme bei Homag

Rund läuft bei Dürr freilich nicht alles. Liefer- und Produktionsprobleme haben die Entwicklung der Tochter Homag gebremst. Zu Verzögerungen bei der Bearbeitung der Aufträge sei es gekommen, weil die Produktionskapazitäten nicht ausgereicht hätten, erläutert der Sprecher. Zudem hätten Zulieferer Komponenten nicht in der gewünschten Zeit und im gewünschten Umfang liefern können. Beide Probleme seien mittlerweile behoben. In der Nähe des Stammwerks in Schopfloch seien zwei neue Produktionshallen in Betrieb genommen worden. Und um die Belieferung mit Komponenten sicherzustellen, habe man das Lager erhöht, sagt der Sprecher. Insgesamt ist das Unternehmen, hinter dem die Familie des früheren Bahn-Chefs Heinz Dürr steht, mit der Entwicklung zufrieden. Der Umsatz im Halbjahr lag mit gut 1,7 Milliarden Euro zwar leicht und der Jahresüberschuss mit 68 Millionen Euro (Vorjahr: minus 33 Prozent) deutlich unter Vorjahr. Dürr-Chef Ralf Dieter ist aber zuversichtlich: „Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung wird sich in den kommenden Monaten aufgrund unseres hohen Auftragseingangs beschleunigen.“

Dürr erwartet, dass der Umsatz für das gesamte Jahr zwischen 3,7 und 3,9 Milliarden Euro liegen wird – und damit den Vorjahresumsatz (3,7 Milliarden Euro) voraussichtlich übersteigt. Die Ebit-Marge (das Ergebnis vor Steuern und Zinsen im Vergleich zum Umsatz) soll 7,0 bis 7,5 Prozent erreichen und damit am unteren Rand des Zielkorridors liegen. Im ersten Halbjahr war diese Marge auf 5,8 (Vorjahr: 8,4) Prozent abgerutscht. Dürr beschäftigt konzernweit gut 15 200 Mitarbeiter (plus 4,8 Prozent), gut 8000 davon in Deutschland.