Ladensterben in Esslingen Oberer Metzgerbach verödet

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Gleich zwei Geschäfte nahe der Pliensau machen zu: das Modegeschäft Art und Wert sowie das Kaufhaus Hops. Es scheint, als würde der Rand der Haupteinkaufsmeile absterben.

Die Kunstgeschäfte verschwinden aus der Stadt. Als eines der letzten hat jetzt das Kaufhaus „Hops“ geschlossen. Foto: Horst Rudel
Die Kunstgeschäfte verschwinden aus der Stadt. Als eines der letzten hat jetzt das Kaufhaus „Hops“ geschlossen. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Mit großen Ambitionen ist es gestartet, das Kaufhaus Hops im Oberen Metzgerbach im September 2017. Es sollte eine Art Plattform werden für die Künstler der Stadt und der Region. Die Idee klang einleuchtend. Künstler konnten hier Ausstellungsflächen mieten, um ihre Werke zu präsentieren. Wer keine Miete zahlen wollte, arbeitete dort als Verkäufer, was natürlich besonders für Newcomer interessant war.

Das Aus kam nach der Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Die Fäden im Kaufhaus Hops hielt die Gesellschaft Wohnwerk in Esslingen zusammen, die ihren Sitz in der Kanalstraße hat. Hier sind diverse Handwerker unter einem Dach, die gemeinsam etwa eine Hausrenovierung machen können. Der Geschäftsführer des Wohnwerks ist Zelimir Schneck. Er hat das Kaufhaus Hops aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. „Die Gesellschafter haben eine Wirtschaftlichkeitsprüfung gemacht und festgestellt, es hat sich nicht getragen“, sagt Schneck.

Am Konzept lag es vermutlich nicht. Denn das „Fünfeck“ am Blarerplatz verfolgt eine ähnliche Strategie, auch dort können Künstler und Kunsthandwerker Regalflächen mieten, um ihre Werke zu verkaufen. Doch dieser Betrieb geht auch in Richtung Gastronomie. Es gibt dort Kaffeeseminare und auch Kaffee, den die Verkäuferin Leila Dendic ausschenkt. Über der historischen italienischen Kaffeemaschine spielt ein Röhrenradio Swing aus digitalisierten Schellackplatten, während Leila Dendic die Glaskünstlerin Nicole Mehnert einlernt. Mehnert stellt Perlen, Ringe und lustige Blumenvasen aus recycelten Glühbirnen her. Wenn sie die Abläufe kennt, dann wird sie den Verkauf im Fünfeck alleine machen.

Damit bleibt das Fünfeck nahezu der einzige künstlerische Farbtupfer in der Stadt. Mittlerweile sind die wenigen Geschäfte, die Kunst anbieten, aus der Stadt verschwunden. Nach dem Ende des Kunsthauses Huggele in der Küferstraße, hatte die Galerie Brisky in der Ritterstraße geschlossen und nun auch noch das Kunstkaufhaus Hops.

Zurück zum Oberen Metzgerbach. Auch hier verschwindet ein Farbtupfer. Denn die rührige Geschäftsfrau Andrea Menze verändert ihr Konzept. Sie macht jetzt ihren Ausverkauf in ihrem Modegeschäft Art und Wert, das in wenigen Wochen schließt. Sie will aber den Standort nicht aufgeben, sondern ein Studio für Yoga und Pilates einrichten. Der Mode jedoch will sie trotzdem treu bleiben und an einem anderen Ort in der Altstadt ein Geschäft eröffnen.

Die Baustellen haben das Geschäft vermiest

„Das Umfeld im Oberen Metzgerbach passte einfach nicht mehr für ein Modegeschäft“, klagt Andrea Menze. Sie habe seit Jahren meistens von ihren Stammkunden gelebt, in die Straße selbst würden viel zu wenige Laufkunden strömen. Überdies hätten ihr Baustellen vor dem Haus das Geschäft vermiest.

Es scheint, als wandle sich die Stadt von einem Handelszentrum zu einem Vergnügungszentrum, und es zöge immer mehr Gastronomie in die Altstadt ein. Belegen lässt sich dieser Eindruck allerdings nicht. Weder die Wirtschaftsförderung Esslingen noch das Esslinger Stadtmarketing hat dazu Zahlen.