Ladensterben in Filderstadt Harthausen trocknet weiter aus

Der kleine Gemüseladen in Harthausen macht zu. Unser Bild zeigt Mitarbeiterin Gabriele Rüdenauer.Foto: Caroline Holowiecki Foto:  

Am Montag wird Simon Knecht sein Gemüselädle an der Ortsdurchfahrt im kleinsten Filderstädter Ortsteil zum letzten Mal öffnen. Der Betrieb lohne sich nicht mehr. Zumindest für den Wochenmarkt in Harthausen hat sich eine Lösung ergeben.

Das Postcafé ist seit dem Jahreswechsel geschlossen, die Bank ist eine reine SB-Filiale, und nun macht auch noch der kleine Gemüseladen in Harthausen zu. Simon Knecht, der Betreiber, wird die Tür zu seinem Geschäft an der Ortsdurchfahrt am Montag, 14. April, ein letztes Mal aufsperren. Dann ist Schluss – nach 15 Jahren. Es lohnt sich nicht mehr, erläutert der 41-Jährige unumwunden. „Der Umsatz geht stetig zurück, und die Kosten steigen in allen Bereichen“, sagt er. Er bemerke einen Besucherschwund in seinem Laden. Ja, es gebe auch Kundinnen und Kunden, die bereit seien, mehr für Obst und Gemüse auszugeben, aber die würden immer weniger. „Von meinen älteren Kunden sind viele gestorben, die jungen ziehen nicht nach.“

 

Simon Knecht betreibt den Weiherbachhof am Ortsausgang von Harthausen in Richtung Grötzingen. In direkter Sichtweite befindet sich ein Lebensmitteldiscounter. „Seit mehr als drei Generationen bewirtschaften wir unseren Familienbetrieb mit unserem Hof und den dazugehörigen Feldern in Filderstadt-Harthausen“, liest man auf der Knecht-Homepage. In den vergangen Jahren habe sich aber vieles sehr verändert, sagt Simon Knecht. „Vor fünf Jahren hatten wir noch mehr als 60 Gemüsearten“, sagt er, das sei aber immer weniger geworden, und in diesem Jahr habe er komplett auf den Getreideanbau umgestellt. „Ich muss mich an den Markt anpassen“, erklärt er, Erntehelfer zu bekommen, sei auch schwer. Hinzu komme, dass die Bürokratie zunehme. Internet über Glasfaserkabel könne er auch nicht beziehen, „ich werde hier abgehängt“, klagt Simon Knecht. Diese Gemengelage habe ihn schließlich dazu gebracht, das Geschäft zu schließen. Der Entschluss sei lang gereift. „Das ging über Jahre“, sagt er.

Der Gemüse- und Obstladen ist ein kleiner Nahversorger in Harthausen, hier gibt es auch Dosenwurst, Mehl oder Eier. Simon Knecht schließt nicht nur das Geschäft. Auch seinen Stand auf den Wochenmärkten von Harthausen und Bonlanden betreibt er seit Kurzem nicht mehr. Für Filderstadt ist das ein Problem. „Die Geschäftsaufgabe sowie die Aufgabe der Wochenmarktbeschickung durch Gemüse Knecht auf den Wochenmärkten Harthausen und Bonlanden stellen uns vor große Herausforderungen“, sagt Jan-Stefan Blessing, der Leiter des Ordnungsamtes. Das Ziel der Stadtverwaltung sei, weiterhin ein Grundversorgungsangebot in allen Stadtteilen und auf allen Wochenmärkten anzubieten und vor allem die Wochenmärkte als regionale Vermarktungs- und Begegnungsorte in allen Ortsteilen zu erhalten. Zumindest in Bonlanden gibt es auch nach dem Abschied von Simon Knecht noch einen Gemüsestand, zudem hat der Feinkostladen sein Geschäft vor nicht allzu langer Zeit in den Marktbereich verlegt.

Kein Gemüse mehr auf dem Wochenmarkt

In Harthausen jedoch ist die Situation kritischer. Dort gibt es auf dem Wochenmarkt aktuell kein Gemüse mehr. Allerdings wird sich die Situation bald bessern. Die Stadtverwaltung, die Knechts und der SPD-Stadtrat Walter Bauer haben Gespräche mit potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern geführt. „Nach anfänglichen Absagen hoffen wir, nach Ostern einen neuen Marktlieferanten in Harthausen begrüßen zu dürfen“, sagt Jan-Stefan Blessing. Dieser neue Lieferant ist Thomas Weis aus Wolfschlugen. Er bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich probier’s aus.“ Am Samstag nach Ostern werde er zum ersten Mal beim Wochenmarkt in Harthausen dabei sein. „Ich bin ein hartnäckiger Typ“, sagt er, und 25 Jahre Erfahrung bringe er auch mit. Schon jetzt ist Thomas Weis auf den Wochenmärkten in Wolfschlugen, in Aich, Grötzingen und Neuenhaus sowie in mehreren anderen Ortschaften vertreten.

Derweil knabbert Simon Knecht an seinem nahenden Aus. „Psychisch nimmt mich das ganz schön hart ran“, bekennt er. Ihm blute das Herz. Der Vater zweier kleiner Kinder sitzt am Esstisch und schaut resigniert drein. Eine Pferdepension betreibe er noch – und eben den Getreideanbau. Den Traum von einem Hofladen mit Gemüse habe er zwar noch, aktuell sei die Umsetzung aus zeitlichen und persönlichen Gründen aber „utopisch“, so Simon Knecht. Er sagt: „Das ist total offen.“

Wochenmärkte in Filderstadt

Standorte
In Filderstadt gibt es noch in allen fünf Stadtteilen Wochenmärkte. In Bernhausen kann man mittwochs und samstags zwischen 7 Uhr und 12.30 Uhr an der Fußgängerzone einkaufen, in Bonlanden sind die Stände am Donnerstagvormittag zu finden. In Sielmingen auf dem Rathausplatz ist der Wochenmarkt freitags, allerdings am Nachmittag, nämlich ab 13.30 Uhr und bis 17 Uhr. In Harthausen auf dem Festplatz am Rathaus sowie in Plattenhardt vor dem Technischen Rathaus kann man samstags zwischen 7 und 12 Uhr beziehungsweise 12.30 Uhr einkaufen.

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