Ladenstraße in Stuttgart-Dürrlewang Rechtsanwalt gründet Scal

Der Rechtsanwalt Uwe Mettang (Zweiter von links) und vier seiner Mitstreiter vom Stuttgart Center for Arabic Law (von links): Bashar Alajloub, Shaza Naaseh, Fadi Rahima und Ahmad Altaleb. Foto: Alexandra Kratz
Der Rechtsanwalt Uwe Mettang (Zweiter von links) und vier seiner Mitstreiter vom Stuttgart Center for Arabic Law (von links): Bashar Alajloub, Shaza Naaseh, Fadi Rahima und Ahmad Altaleb. Foto: Alexandra Kratz

Der Jurist Uwe Mettang hat mit syrischen Kollegen ein Beratungszentrum gegründet. Es ist eine Anlaufstelle für diejenigen, die Fragen zum arabischen Recht haben.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Dürrlewang - Es sieht völlig unscheinbar aus. An den großen Schaufenstern hängen schlichte weiße Jalousien, ein kleiner grüner Schriftzug auf der Scheibe besagt: „Scal – stuttgart center for arabic law“. Der Laden befindet sich zwischen der Bäckerei Bausch und dem Mosaik-Atelier in Dürrlewang. Uwe Mettang hat ihn vor etwa einem Jahr angemietet. Der 59-Jährige ist Rechtsanwalt und hat seine Kanzlei an der Möhringer Landstraße in Vaihingen. Die Räume an der Osterbronnstraße beschreibt er als eine „Zweigniederlassung“.

Die Einrichtung ist schlicht. Wer zur Tür hineinkommt, schaut auf einen großen Schreibtisch. An den Schaufenstern entlang stehen auf einer Art Galerie mehrere kleine Schreibtische. „Auch ich habe hier einen Arbeitsplatz“, sagt Mettang.

Seine Kollegen sind größtenteils Flüchtlinge

Seine Kollegen sind größtenteils ehemalige Flüchtlinge. Ahmad Altaleb hat in seiner Heimat Syrien 17 Jahre lang als Rechtsanwalt gearbeitet. Vor drei Jahren kam er nach Deutschland. Er lebt mit seiner Familie in Obertürkheim. Seit Kurzem ist er berechtigt, auch in Deutschland im syrischen Recht zu beraten. Fadi Rahima (26) hat in Damaskus Jura studiert und einen Bachelor-Abschluss. Seit etwa 15 Monaten ist er in Deutschland. Bashar Alajloub (20) hatte in Damaskus schon vier Semester lang Jura studiert, bevor er nach Deutschland kam. Derzeit macht er einen Sprachkurs. Anschließend will er wieder studieren. Am liebsten Jura, vielleicht Politikwissenschaften. Shaza Naaseh hat in Damaskus studiert und ein Jahr gearbeitet, bevor sie 2009 nach Deutschland kam. Sie folgte ihrer Familie.

Uwe Mettang hat noch mehr Mitstreiter. Er spricht bewusst von Kollegen. „Es sind nicht meine Mitarbeiter“, betont er. Jeder arbeite als Selbstständiger auf eigene Rechnung. Mettang versteht „Scal“ als einen Rechtsberatungsort. „Center“ ist vielleicht etwas hochgegriffen“, räumt er ein. Das Scal solle eine Anlaufstelle für diejenigen sein, die „ein Problem aus dem arabischen und insbesondere dem syrischen Rechtskreis haben“, erklärt der Initiator und nennt ein paar Beispiele. „Das können Flüchtlinge sein, die zurück in ihre Heimat wollen. Oder es kann um das Familienrecht gehen. Also zum Beispiel um die Frage, was jemand tun muss, der nach syrischem Recht heiraten will. Das Scal kann aber auch für Unternehmer eine Anlaufstelle sein, die im Nahen Osten eine Niederlassung aufbauen wollen.“

Fast ein Jahr lang dauerte es, das Scal aufzubauen

Manchmal gehe es auch schlicht um die Übersetzung von arabischen Dokumenten. Und Shaza Naaseh betreue derzeit einen Konvoi mit Hilfsgütern für Syrien. Aber die Türkei mache Probleme. Naaseh habe die syrischen Behörden kontaktiert und versuche nun auf diesem Weg, das Projekt voranzubringen. Mittelfristig sei auch denkbar, das Scal für gemeinnützige Organisationen tätig werde und zum Beispiel Hilfsgüterlieferungen unterstütze.

Fast ein Jahr lang dauerte es, das Scal aufzubauen. Ursprünglich wollte Mettang nur einen Vortrag in einer Flüchtlingsunterkunft über das deutsche Rechtssystem halten. Er wollte den Flüchtlingen die deutschen Gepflogenheiten näherbringen, weil es immer wieder hieß, dass die Flüchtlinge davon keine Ahnung haben. „Woher auch?“, fragt Mettang. So sei der Kontakt zu den Freundeskreisen und städtischen Ämtern und schließlich die Idee für das Scal entstanden. „Den Vortrag habe ich übrigens immer noch nicht gehalten“, sagt Mettang und schmunzelt.

Ein risikobereites Investment

Am 3. Februar haben er und seine Kollegen das Scal eröffnet. Seine Mitstreiter fand er dank Mund-zu-Mund-Propaganda. Für Mettang ist Scal kein soziales Projekt. „Vielleicht hat es einen sozialen Ursprung. Aber im Grunde geht es darum, für Menschen, die eine gute Ausbildung haben, eine Tür zu öffnen“, sagt Mettang. Das Wort „Integration“ sei da schon passender. Es sei nicht einzusehen, warum diese Frauen und Männer keine Perspektive haben sollen. „Schließlich können wir deren Qualifikationen auch hier vor Ort gut gebrauchen“, sagt der Rechtsanwalt. Die Menschen sollten die Chance haben, einer Tätigkeit nachzugehen, die ihren Fähigkeiten gerecht werde und die sie zufriedenstelle. Und irgendwann könnte auch Syrien wieder ins Lot kommen, hofft Mettang. Und dann würden gut ausgebildete Menschen gebraucht, welche das Land wieder aufbauen.

Er selbst spricht von einem risikobereiten Investment. Kurzfristig lasse sich mit Scal sicher kein Geld verdienen. Aber mittel- bis langfristig könne er vielleicht von den Kontakten und Beziehungen profitieren, die er dank Scal aufbaue. Seine Kollegen aber sehen es dann doch vielleicht ein bisschen anders. In jedem Fall sind sie dem Vaihinger Rechtsanwalt dankbar, dass sie dank seiner die Chance bekommen, Erfahrungen zu sammeln und den Grundstein für eine berufliche Zukunft zu legen.




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