E-Mobilität in Baden-Württemberg Diese Gemeinden liegen beim Ladesäulenausbau vorne

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur kommt unterschiedlich schnell voran. Foto: dpa/Georg Wendt

Ohne gute Ladeinfrastruktur steigt niemand aufs E-Auto um. Unser Ranking zeigt erstmals, warum bestimmte Städte in Baden-Württemberg beim Ausbau besonders schnell oder langsam vorankommen – und wo Stuttgart im Bundesvergleich liegt.

Ihre Pläne zur Zukunft der Elektromobilität hat die Bundesregierung schriftlich festgehalten: „Wir machen Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität und beschleunigen massiv den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur.“ So steht es im Koalitionsvertrag der Ampel. Bis 2030 will die Bundesregierung 15 Millionen elektrisch betriebene Pkw auf den Straßen sehen, die ihren Saft aus mindestens einer Million öffentlicher Ladepunkte ziehen können. So klar das Ziel klingt, so holprig ist der Weg dorthin. Selbst innerhalb Baden-Württembergs fällt der Zwischenstand höchst uneinheitlich aus, wie das Ladesäulenranking unserer Zeitung zeigt.

 

Schon in den Großstädten gibt es deutliche Unterschiede. Heilbronn bietet im Südwesten mit 3,29 Ladesäulen die meisten Ladepunkte pro 1000 Einwohner (Platz drei im bundesweiten Vergleich), Schlusslicht Karlsruhe kommt auf einen Wert von 0,68. Die Daten, die erstmals in dieser Detailtiefe verfügbar gemacht werden, können auch als Gradmesser für die Ambition der Kommunen bei der Verkehrswende gedeutet werden. Außerdem verdeutlichen die Daten unterschiedliche Konzepte: Die einen setzen auf viele Ladepunkte in Wohngebieten, andere auf tankstellenähnliche Schnellladepunkte.

Der Zuwachs an öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten gilt in Umfragen als entscheidend für die Akzeptanz von Elektroautos, besonders in Ballungsgebieten, wo viele Fahrerinnen und Fahrer keinen Zugang zu einer privaten Wallbox haben. So hat Heilbronn aus einem unterdurchschnittlichen Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern im Stadtgebiet seine Ausbauziele abgeleitet. Obwohl im Ranking bereits weit vorne platziert, will die Stadt in Zusammenarbeit mit diversen Betreibern bis 2025 jährlich 50 weitere Ladepunkte installieren. „Wir wollen bis 2035 klimaneutral werden, deshalb treiben wir das voran“, sagt eine Sprecherin.

Hat Karlsruhe die bessere Strategie?

Um geeignete Standorte zu finden, wandte sich Heilbronn 2020 per Onlineumfrage auch an seine Bürger. Den guten Platz im Ranking verdankt die Stadt auch einer lokalen Besonderheit: Im zentralen Parkhaus beim Science Center Experimenta sind gleich 34 Ladepunkte installiert.

Karlsruhe erklärt den letzten Platz im Großstädtevergleich mit einer anderen Strategie. Die Stadt will vor allem Schnellladesäulen nahe den Hauptverkehrsstraßen fördern, um „den ohnehin schon hohen Parksuchverkehr innerhalb der Quartiere nicht durch Ladesuchverkehr zu verstärken“, wie eine Sprecherin erläutert. Normalladestationen in Wohnvierteln würden wegen „hoher Standzeiten und einer geringen Frequentierung“ nicht forciert. Allerdings blieb eine Ausschreibung von vier Schnellladestationen zuletzt mangels Angeboten ergebnislos. Und auf den Zubau etwa auf Supermarkt- oder Tankstellenparkplätzen habe die Stadt keinen direkten Einfluss, so die Sprecherin.

Tatsächlich können Schnellladesäulen mit höherer Leistung mehrere Normalladesäulen aufwiegen. Doch auch nach der Ladeleistung pro 1000 Einwohnern liegt Karlsruhe auf dem letzten Platz der Großstädte. In diesem Punkt läuft Ulm Heilbronn den ersten Rang ab – mit mehr als doppelt so vielen Schnellladern. In einer dritten Kategorie, dem Verhältnis von E-Autos zu Ladepunkten, stehen wiederum Heilbronn auf dem ersten und Karlsruhe auf dem letzten Platz.

Der Blick in die Zahlen lohnt sich auch in kleineren Gemeinden: Schwieberdingen etwa verdankt seinen Spitzenplatz den Ladepunkten von Bosch. Das Ranking wird regelmäßig aktualisiert, der Ausbau des Ladenetzes damit nachvollziehbar.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu E-Autos Infografik Exklusiv