Hinter verrosteten Toren und bröckelnden Fassaden offenbart sich in Stuttgart eine Welt voller Rätsel. Entdecken Sie die Gründe für Verfall und Anziehungskraft mit unseren Lost Places.

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

Lost Places sind verlassene Orte und Gebäude, die aus verschiedenen Gründen leer stehen. Ob versteckt im Wald oder mittendrin im Großstadttrubel. Gründe dafür gibt es viele. Ob fehlendes Geld für die Sanierung einer alten Villa, unklare Besitzverhältnisse oder einfach mangelndes Interesse der Besitzer. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie faszinieren, bieten Fotomotive, dokumentieren Geschichte und wecken die Neugier.

 

Auch in Stuttgart gibt es viele solcher geheimnisvollen Orte, rätselhafte Ruinen und längst vergessene Gebäude, hinter denen sich spannende Geschichten verbergen und die wir unseren Leserinnen und Leser in loser Abfolge immer wieder präsentieren. Ein Überblick.

1. Offizierscasino: Heute fühlen sich dort nur Ratten pudelwohl

Das Offizierscasino auf dem Hallschlag in Stuttgart. Foto: Uli Nagel

In Nachbarschaft zur ehemaligen Reiterkaserne liegt, teilweise von dichtem Buschwerk versteckt, ein Prachtbau, von denen es in Stuttgart nicht mehr all zu viele geben dürfte: das ehemalige Offizierscasino. Doch das 115 Jahre alte Gebäude fristet mittlerweile ein jämmerliches Dasein und verrottet immer mehr. Das Problem: Die Stadt will es angesichts einer schwierigen und teuren Sanierung nicht kaufen und der aktuelle Besitzer zeigt wenig Interesse daran, Geld für das Offizierscasino in die Hand zu nehmen.

2. Daimlerplatz in Weilimdorf: vom Testgelände zum Feuchtbiotop

Am Daimlerplatz gab es viele Jahre lang Testfahrten für Lastwagen. Foto: Daimler AG

Nach dem Zweiten Weltkrieg mietete der Automobilbauer Daimler ein Stück Wald in der Nähe von Weilimdorf an, um es als Testgelände für seine Lastwagen und Unimogs zu benutzen. Mittlerweile hat die Stadt Stuttgart in den vergangenen 25 Jahren dort ein gut 0,7 Hektar großes Feuchtgebiet etabliert, in dem sich heute seltene Tier- und Pflanzenarten wohlfühlen.

3. Villa Berg in Stuttgart: Ein Prachtbau soll zum Leben erweckt werden

Die Stadt Stuttgart will die Villa Berg endlich sanieren. Foto: Uli Nagel

Mitten im Stuttgarter Osten liegt eines der schönsten Bauwerke der Landeshauptstadt: die Villa Berg. Der Prachtbau hat mehr als 170 Jahre auf dem Buckel und diente einst als königliche Sommerresidenz. Später wurde er viele Jahre lang vom SWR genutzt, ehe 2015 die Stadt Stuttgart das Gebäude kaufte. Doch in den folgenden Jahren verlotterte die Villa Berg zusehends – innen wie außen. Hier lesen Sie, wie der „Lost Place“ für viel Geld aus seinem Dornröschenschlaf wieder erweckt und mit Leben erfüllt werden soll.

4. Stadtbad Bad Cannstatt: Ein Traditionsbad wird zum Schandfleck

Wurde 2022 geschlossen: das Cannstatter Stadtbad Foto: Lichtgut

Nach der Eröffnung des Sportbads im Neckarpark wurde das Cannstatter Stadtbad in der Hofener Straße nach mehr als 50 Jahren geschlossen, wie hier nachzulesen ist. Ein Traditionsbad, in dem Tausende Cannstatterinnen und Cannstatter das Schwimmen gelernt haben. Doch seit gut vier Jahren steht das Gebäude leer und verrottet immer weiter. Kein schöner Anblick für alle, die täglich auf dem Neckardammweg unterwegs sind.

5. Öl-Epple-Areal: Stuttgarts größter Umweltskandal

Das ehemalige Öl-Epple-Areal, Stuttgarts größter Umweltskandal, ist heute ein Brachfläche. Foto: Uli Nagel

Nur ein Steinwurf entfernt vom Wizemann-Areal im ehemaligen Industriegebiet Pragstraße in Bad Cannstatt, in dem sich nach dem Umbau Künstler, Start-Up-Unternehmen und Kreative angesiedelt haben, liegt eine unscheinbare Brachfläche. Ein Wohnungsbau-Unternehmen wollte hier schon investieren und auch die Abfallwirtschaft Stuttgart zeigte Interesse.

Was viele nicht mehr wissen: Rund um das verseuchte Öl-Epple-Areal spielte sich vor rund vier Jahrzehnten Stuttgarts größter Umweltskandal ab. Mittlerweile ist das Areal sauber, doch seine Zukunft bleibt ungewiss, wie unsere hier nachzulesende Recherche ergeben hat.

6. Gaskessel. Droht dem Wahrzeichen ein Schicksal als Lost-Place?

Was wird aus dem Gaskessel in Stuttgart? Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Im August 2021 endete in der Landeshauptstadt eine Ära: Der mehr als 100 Meter hohe Gaskessel an der Talstraße spielte für die Stuttgarter Gasversorgung keine Rolle mehr und wurde von Netze BW stillgelegt. Damit war auch die Zeit des geschichtsträchtigen Gaswerks Gaisburg, im Jahr 1875 gegründet und über viele Jahrzehnte Herzstück der Stuttgarter Gasversorgung, endgültig vorbei.

Doch wie geht es weiter mit dem weithin sichtbaren Wahrzeichen, das unter Denkmalschutz steht? Ideen, teilweise visionäre, gab es schon einige. Doch die Umnutzung wie etwa die der Gasspeicher in Pforzheim und Oberhausen scheiterte bisher an den extrem hohen Kosten.

7. Bettfedernfabrik: Der Traum von der Stadt am Fluss

Das Gelände der ehemaligen Bettfedernfabrik am Fuße der Weinberge Foto: Uli Nagel

In der Landeshauptstadt gibt es Flächen, die schreien geradezu nach einer Wohnbebauung. Eine davon liegt in Bad Cannstatt an der Ecke Hofener Straße/Zuckerleweg am Fuß der Weinberge. Eine idyllische Lage, zumal der Neckar ganz in der Nähe fließt. Stichwort Stadt am Fluss, von der Stuttgart schon seit Jahrzehnte träumt.

Doch seit mehr als 20 Jahren beißt sich die Stadt an der gewünschten Wohnbebauung auf dem ehemaligen Bettfedernfabrik-Gelände die Zähne aus. Wobei es nicht hilfreich war, dass die Eigentümer sich dort die Klinke in die Hand gaben und Feuerwehr und Polizei eine Zeit lang Stammgäste waren. Hier geht es zu den Hintergründen mit aufschlussreichen Fotos.

8. Bahnhof Münster: Trotz Denkmalschutz eine verwahrloste Bruchbude

Das Bahnhofsgebäude in Stuttgart-Münster Foto: Uli Nagel

Die Fassade bröckelt, Fenster und Türen sind zugenagelt. An den Wänden wuchern Pflanzen vogelwild in die Höhe und rund um das Bahnhofsgebäude liegt viel Wohlstandsmüll. An manchen Tagen türmen sich sogar wilde Müllkippen auf dem Parkplatz, der tagsüber von Pendlern benützt wird. Keine Frage, der Bahnhof Münster ist längst eine unansehnliche Bruchbude geworden, die – man mag es kaum glauben – unter Denkmalschutz steht. Alles Wissenswerte über den Lost Place, findet sich hier:

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