Lärm in Gerlingen „Unser Haus zittert“ – Anwohner klagt über Baulärm

Franz Wolf wohnt unweit der Großbaustelle in der Gerlinger Hofwiesenstraße – seine Nerven sind wegen Lärms strapaziert. Foto: Torsten Schöll

Ein Großprojekt in Gerlingen stresst Anwohner. Ein 75-Jähriger berichtet von nächtlichem Baulärm und Erschütterungen, die das Haus beben lassen. Was sagen Stadt und der Bauträger?

Das Siedlungsbauprojekt in der Gerlinger Hofwiesenstraße strapaziert die Nerven der Anwohner. Zum Staub, den eine solche Großbaustelle zwangsläufig mit sich bringt, kommt jede Menge Lärm hinzu. Auf einem rund 1,5 Hektar großen Areal baut im Wohngebiet zwischen Schillerstraße, Hofwiesenstraße und Wettegraben der Bau- und Wohnungsverein Stuttgart (BWV) Häuser mit insgesamt 124 Wohnungen. Die ersten Wohnblocks mit 96 Wohnungen sollen bis Herbst 2027 fertig werden.

 

Einem Anwohner aus Schillerstraße ist jetzt aber der Geduldsfaden gerissen. Er hat sich wegen des Baustellenlärms nicht nur bei der Stadt beschwert, sondern laut eigener Aussage auch Anzeige erstattet. Der Grund: Wie der Bewohner ranz Wolf mitteilt, komme es immer wieder vor, dass bereits deutlich vor sieben Uhr am Morgen mit den Arbeiten begonnen werde und auch in den Abendstunden schon einige Male noch längst nicht Schluss gewesen sei.

„Einmal wurde sogar nachts durchgearbeitet“, erzählt der 75-jährige Franz Wolf, von dessen Balkon aus man direkt ins riesige Bauloch blicken kann. An einem anderen Tag sei bis 22 Uhr Betrieb gewesen. „Wenn dort etwas in den Boden gerammt wird, zittert bei uns das ganze Haus“, sagt er. Noch näher an der Baustelle als der Beschwerdeführer wohnen nur die Bewohner der Wohnblocks, die im zweiten Bauabschnitt abgerissen werden sollen, damit Platz frei wird für weitere zwei neue Gebäude mit 28 Wohnungen. Ihnen dürfte es nicht besser ergehen. Was den Wolf besonders ärgert: Niemand habe sich bislang auf seine Beschwerden hin bei ihm zurückgemeldet.

Wann auf einer Baustelle im Wohngebiet gearbeitet werden darf

Doch wann darf eigentlich auf einer Baustelle in einem Wohngebiet wie in Gerlingen tatsächlich gearbeitet werden? Eine Sprecherin der Stadt erklärt auf Anfrage, dass ihr die Beschwerde bekannt sei. Sie erklärt, dass auf Baustellen an Werktagen, also von Montag bis Samstag, zwischen sieben und 20 Uhr gearbeitet werden dürfe. „Dies gilt auch für diese Baustelle.“ Blickt man ins Gesetzbuch, erfährt man zudem, dass der Betrieb besonders lauter Geräte in Wohngebieten werktags zwischen 7 und 9 Uhr, zwischen 13 und 15 Uhr sowie von 17 bis 20 Uhr untersagt ist. Danach gilt ohnehin Nachtruhe.

Der Bau- und Wohnungsverein Stuttgart erstellt in Gerlingen Häuser mit insgesamt 124 Wohnungen. Foto: Torsten Schöll

Nach dem Kenntnisstand der Stadt Gerlingen sei es in der Hofwiesenstraße „zwei Mal vorgekommen, dass in den Abendstunden eine Lieferung mittels eines Schwertransports stattgefunden hat“. Eine allgemeine Ausnahmegenehmigung, die ein längeres Arbeiten nach 20 Uhr erlauben würde, gebe es für die Baustelle nicht.

„Seitens des Bauträgers wurde uns versichert, dass dafür Sorge getragen wird, dass in der Regel nur von 7 bis 17 Uhr gearbeitet wird“, erklärt die Sprecherin weiter. Wenn keine besonders lauten Tätigkeiten verrichtet werden, würden Arbeiten bis maximal 20 Uhr durchgeführt. Der Bauträger habe angeboten, dass sich alle Nachbarn direkt an ihn wenden können, wenn es zu Problemen komme.

Wegen eines schweren Bohrgeräts gab es nachts Einsätze

Der Bau- und Wohnungsverein Stuttgart lässt auf Anfrage unserer Zeitung wissen, dass „grundsätzlich die geltenden Ruhezeiten von allen beauftragten Unternehmen eingehalten werden“. Im Zusammenhang mit dem An- und Abtransport eines 70 Tonnen schweren Bohrgeräts zur Herstellung von Betonpfählen sei es im Februar sowie im März zu zwei nächtlichen Einsätzen gekommen. Aufgrund der Überbreite des eingesetzten Schwertransports sei dies nur in den späten Abend- und Nachtstunden möglich gewesen. „Entsprechende Ausnahmegenehmigungen wurden im Vorfeld ordnungsgemäß beantragt und erteilt“, so der BWV. Der Bauträger weist im Übrigen darauf hin, dass nur eine einzige Beschwerde wegen Lärms vorliege.

Dass „nach aktuellem Stand“ nun keine weiteren Arbeiten geplant seien, die außerhalb der regulären Arbeitszeiten stattfinden und zu zusätzlichen Lärmbelastungen führen könnten, wie der Bauträger betont, dürfte den Anwohner kaum besänftigen. Im jüngsten Gespräch hat Franz Wolf darauf hingewiesen, dass „sie heute Morgen wieder um halb sieben angefangen haben“.

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