Lärmaktionsplan Esslingen Werden Verkehrsachsen Tempo-30-Zonen?

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Um den Lärm im Esslinger Stadtgebiet zu reduzieren, schlägt die Verwaltung einen Maßnahmenkatalog zur Reduzierung der Geschwindigkeit auf vielen Hauptverkehrsstraßen vor.

Auch auf dem  nördlichen Altstadtring soll demnächst dauerhaft langsamer gefahren werden. Foto: / Horst Rudel/Archiv
Auch auf dem nördlichen Altstadtring soll demnächst dauerhaft langsamer gefahren werden. Foto: / Horst Rudel/Archiv

Esslingen - Auch Esslingen leidet unter erheblichem Lärm. Schuld daran sind viele Faktoren: Die Lage im Neckartal ebenso wie die Bahnlinie, die an der Stadt vorbeiführende Bundesstraße 10 mit täglich weit mehr als 100 000 Fahrzeugen, aber natürlich auch der innerstädtische Verkehr. Deshalb ist auch Esslingen dazu verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um die Lärmbelastung an den Stellen, an denen die Grenzwerte überschritten werden, zu reduzieren.

Dazu gibt es jetzt einen Vorstoß, der durchaus massive Einflüsse auf den Verkehr in der Stadt haben wird. Denn die Verwaltung schlägt die Einführung von zahlreichen Tempo-30-Zonen auf vielen Hauptverkehrsstraßen im Stadtgebiet vor. „Wenn die Belastung der Anwohner am Tag höher als 70 Dezibel und in der Nacht höher als 60 Dezibel ist, sind wir nach den Richtlinien des Lärmaktionsplans in einem gesundheitsgefährdenden Bereich – und damit zum Handeln gezwungen“, erklärte Gerhard Gorzellik, der Leiter des Esslinger Ordnungsamts, bei der Vorstellung der Pläne im Mobilitätsausschuss des Gemeinderats.

Im gesundheitsgefährdenden Bereich

Etwas mehr Spielraum gebe es dort, wo der Lärm tagsüber die 65-Dezibel-Marke und nachts die 55-Dezibel-Grenze nicht überschreite. Hier handele es sich dann um einen „gesundheitskritischen“ Bereich. Leider gebe es aber in Esslingen etliche Stellen im Stadtgebiet, in denen der Grenzwert für die Gesundheitsgefährdung teilweise deutlich überschritten werde.

Die nun vorliegenden Tempo-Beschränkungen beruhen auf einem bereits zweieinhalb Jahre alten Beschluss des Esslinger Gemeinderats. Der hatte die Verwaltung beauftragt, Einzelmaßnahmen zu prüfen, um des Lärmproblems Herr zu werden. Dabei sollte die Verwaltung nicht nur den Lärm, sondern auch die Auswirkungen von Tempo-30-Regelungen auf die Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastung untersuchen. Das nun vorliegende Maßnahmenbündel ist nun ein erstes Paket, das zunächst nur einen Vorschlagskatalog darstellt. Weitere Straßenabschnitte sollen in der weiteren Fortschreibung des Lärmaktionsplanes noch näher untersucht werden.

Gemeinderat und Regierungspräsidium müssen zustimmen

Bevor es mutmaßlich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres umgesetzt werden kann, müssen zunächst noch der Gemeinderat zustimmen und das Stuttgarter Regierungspräsidium die Ausweisung der Zonen genehmigen. Demnach soll auf neun Straßenabschnitten Tempo 30 zum Schutz der Bevölkerung vor Verkehrslärm eingeführt werden. Zusätzlich soll der Verkehr in den Ortszentren von Hegensberg und Hohenkreuz weiter beruhigt werden. Für die Einführung von Tempo 30 sind unter anderem Teile der Schorndorfer Straße, der nördliche und östliche Altstadtring, Abschnitte der Hirschlandstraße und die Mettinger Straße vorgesehen.

Dazu kommen Teile der Wielandstraße, der Stuttgarter Straße, der Wäldenbronner Straße sowie nachts der Esslinger Straße. Auch für die Ortsmitte von Hohenkreuz, zwischen dem Kreisverkehr Barbarossa-/Kirchackerstraße und der Tobias-Mayer-Straße sowie in weiten Teilen der Wäldenbronner Straße ist Tempo 30 geplant. Ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich – sogar nur mit Tempo 20 – soll zudem in der Esslinger Straße in der Ortsmitte des Stadtteils Hegensberg entstehen.

Stickstoffbelastung geht zurück, Feinstaubbelastung steigt

Bei der Untersuchung der durch die Regelung entstehenden Umweltbelastung kommt die Stadt Esslingen zu dem Ergebnis, dass die aktuell kritische Stickstoffdioxid-Belastung ein wenig zurückgehen wird, die im Stadtgebiet eher unproblematische Feinstaubbelastung hingegen geringfügig steigen würde.

Allerdings sind mit den Maßnahmen auch einmalige Kosten in Höhe von rund 200 000 Euro für die Ausweisung der Tempo-30-Gebiete und jährliche Kosten in Höhe von 300 000 Euro zu erwarten. Denn kommen die Tempo-30-Zonen, muss der Verkehrsbetrieb auf einigen Strecken zusätzliche Busse einsetzen, um Verspätungen zu vermeiden.

Nicht überall werden die Grenzwerte unterschritten

Ein Wermutstropfen bleibt: Denn selbst wenn die Stadt die neuen Tempo-30-Zonen einführt, wird es nicht in allen Bereichen gelingen, die geforderten Grenzwerte zu unterschreiten. Der Ordnungsamtsleiter Gerhard Gorzellik kündigt deshalb an, dass man nach weiteren Möglichkeiten suchen müsse, um die Lärmbelastung in den Griff zu bekommen. Notfalls müsse man auch über die Subventionierung von Lärmschutzfenstern für die Anwohner nachdenken.