Lärmaktionsplan In Göppingen soll Tempo 30 der Normalfall werden
Wenn es nach der Stadt Göppingen und ihrem neuen Lärmaktionsplan geht, dann herrscht auf vielen Hauptstraßen bald ein strenges Tempolimit. Jetzt haben die Bürger das Wort.
Wenn es nach der Stadt Göppingen und ihrem neuen Lärmaktionsplan geht, dann herrscht auf vielen Hauptstraßen bald ein strenges Tempolimit. Jetzt haben die Bürger das Wort.
Massen von Autofahrern müssen sich darauf einstellen, dass sie auf den Hauptachsen des Verkehrs in Göppingen und den Ortsdurchfahrten der Stadtbezirke den Fuß vom Gas nehmen müssen. Tempo 30 soll eher der Normalfall als die Ausnahme werden. Jedenfalls dann, wenn die Vorschläge aus dem neuen Entwurf des Göppinger Lärmaktionsplans umgesetzt werden. Denn darin setzt die Stadt auf so gut wie allen Hauptstrecken darauf, dass bei geringen Geschwindigkeiten weniger Lärm entsteht. „Das Mittel der Wahl werden auch Tempolimits sein“, sagte Baubürgermeisterin Eva Noller, als sie den Stadträten die öffentliche Auslegung für die Bürger ankündigte. Noch bis zum 7. November können die Göppinger dazu jetzt Stellung nehmen.
Mit gestrichelten Linien haben die Gutachter in den Plänen eingezeichnet, wo sie eingreifen wollen. Und gestrichelte Linien gibt es zuhauf. In den meisten Stadtteilen und Stadtbezirken bestehen auf weiten Strecken Lärmbelastungen, die als gesundheitskritisch angesehen werden. Und das sind naturgemäß die, auf denen jeden Tag zigtausende Pendler mit dem Auto unterwegs sind.
Beispiel Bezgenriet: Dort soll künftig annähernd auf der gesamten Ortsdurchfahrt ganztags Tempo 30 statt 50 vorgeschrieben sein. Dasselbe gilt für die Ortsdurchfahrten von Holzheim und Hohenstaufen. In Jebenhausen, wo in der Kernzone heute schon 30 gefahren werden muss, soll die Strecke etwa doppelt so lange werden. In Bartenbach ist es etwas komplizierter. Dort schlagen die Planer auf der B297 in weiten Teilen der Ortslage nachts Tempo 30 vor, auf der Ortsdurchfahrt Richtung Lerchenberg soll fast durchgängig und ganztags Tempo 30 gelten.
Und wer aus der Göppinger Innenstadt hinaus oder in sie hineinfahren will, soll abends von 22 Uhr an auch auf den meisten Ausfallstraßen nur noch 30 fahren dürfen: auf der Lorcher Straße, auf der Jebenhäuser Steige, auf der Strecke zwischen der Wilhelmshilfe und dem Freibad, auf den innerörtlichen Lagen der Hohenstaufenstraße. Dazu kommen viele Hauptachsen wie die Nördliche Ringstraße und die Schumannstraße oder die Jahnstraße, auf denen künftig auch tagsüber Tempo 30 gelten soll.
Ob die Geschwindigkeitslimits umgesetzt werden, liegt in den Händen des Gemeinderats. In der Vergangenheit waren viele Fraktionen kritisch eingestellt im Blick auf solche Beschränkungen. Und wie schätzt die Baubürgermeisterin die Akzeptanz in der Bevölkerung ein? „Sicherlich werden - wie bei vielem – die Meinungen und Bedürfnisse unterschiedlich gelagert sein,“ meint Eva Noller. „Tatsache ist, dass sich immer wieder Anwohnende mit der Bitte melden, dass wir als Stadt etwas gegen den Verkehrslärm an den jeweiligen Wohnorten tun. Das Bundesimmissionsschutzgesetz verpflichtet uns auch dazu, bei einer zu hohen Lärmbelastung zum Schutz der Bevölkerung tätig zu werden.“
Die Baudezernentin betont auch, dass zum Lärmschutz beileibe nicht nur Tempolimits verhängt werden. „Wo wir können, sanieren wir die Straßen, wie aktuell die Mörikestraße, um durch neue gute Beläge den Verkehrslärm zu dämpfen. Natürlich hat das finanzielle und auch personelle Grenzen.“ Deshalb geht es nicht ohne Tempolimits. „Wir schlagen eine maßvolle Reduktion vor und nicht wie der Rasenmäher überall auf 30 Kilometer pro Stunde zu gehen.“
Die Baubürgermeisterin weist auch darauf hin, dass die meisten Nachbarkommunen diesen Schritt ebenfalls machen. Und: „Im innerstädtischen Bereich geht es auch um das Sicherheitsthema. Wenn ich beispielsweise an die großen Straßen wie Nördliche Ringstraße oder an die Lorcher Straße denke, die von Fußgängern und auch Kindern häufig gequert werden müssen, ist das ein Sicherheitsgewinn.“ Wenn es mit der aktiven Lärmreduktion nichts wird, müsse die Stadt auch passive Maßnahmen wie die Bezuschussung von Schutzfenstern ergreifen, sagt Noller. Das würde Bürokratie erzeugen und Geld kosten. „Und dennoch hätten die Anwohnenden nicht den Schutz, den sie bräuchten, weil dies nur im Inneren des Gebäudes bei geschlossenen Fenstern wirkt.“
Dem Lärmaktionsplan zu Grunde liegt ein umfangreiches, mit Anhängen 163 Seiten dickes Werk, das die BE Ingenieursgesellschaft erarbeitet hat. Es beinhaltet die Zählungen der Stadt für die Fahrzeugzahl der einzelnen Straßenabschnitte, aber auch die sogenannte Lärmkartierung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Für jedes Gebäude wurden Lärmbelastungen berechnet.
Demzufolge sind 2655 Göppinger tagsüber Pegeln von 65 dB(A) und mehr ausgesetzt. 784 Bewohner sind gar von dauerhaften Pegeln von 70 dB(A) betroffen. In der Nacht liegen die Wohnungen von 3371 Göppingern bei Pegeln oberhalb der Auslösewerte. Das ist nach Ansicht der Experten gesundheitskritisch oder, bei hohen Pegeln, gesundheitsgefährdend.
Vorschläge
Tempo 30 ganztags ist vorgeschlagen für: Nördliche Ringstraße von der Reuschstraße bis zur Mörikestraße, Schumannstraße, Hohenstaufenstraße von der Schumanstraße bis zur Wilhelmshilfe, Mörikestraße, Theodor-Heuss-Straße zwischen Theodor-Heuss-Platz und Hohenstaufenstraße, Reuschbuckel, Fischstraße, Grabenstraße, Gerberstraße, Geislinger Straße, Poststraße zwischen Mörikestraße und Hohenstaufenstraße, Gartenstraße von der Bahnhofstraße bis zur Schützenstraße, Bahnhofstraße von der Willi-Bleicher-Straße bis zur Freihofstraße, Freihofstraße zwischen Grabenstraße und Gerberstraße, Schützenstraße zwischen Gartenstraße und Geislinger Straße. Tempo 40 tags und Tempo 30 nachts: Lorcher Straße (B297), Stuttgarter Straße von der Sternkreuzung bis zum Märklineum. Tempo 30 nachts: Faurndauer Straße am Christophsbad, Metzgerstraße, Jebenhäuser Straße, weite Teile der Jahnstraße, Schwabstraße, Heubachstraße, Poststraße zwischen Hohenstaufenstraße und Ulmer Straße, Ulmer Straße bis zur Karl-Schurz-Straße, Heininger Straße bis zur Jahnstraße. Bundesstraße 297 außerorts Zwischen Göppingen und Bartenbach Tempo 50 nachts.
Mitsprache
Die Beteiligung der Öffentlichkeit läuft noch bis Donnerstag, 7. November. Die Einwohner, dazu zählen auch Kinder, können zu den Plänen Stellung nehmen. Die Stellungnahmen können an laermaktionsplan@goeppingen.de geschickt oder im Technischen Rathaus, Zimmer 202, abgegeben werden. Am Ende wägt die Verkehrsbehörde ab. Die Stellungnahmen werden auch beim Beschluss im Gemeinderat veröffentlicht.