Immer wieder Unfälle, immer wieder teils massive Geschwindigkeitsverstöße und jede Menge Beschwerden von Anwohnern aus den umliegenden Orten: Der Aasrücken, jener schöne Bergrücken zwischen Fils- und Remstal im Süden und Norden sowie Hohenstaufen und Rechberg im Westen und Osten, hat sich zu einer beliebten Raserstrecke entwickelt. Die Stadt Göppingen greift jetzt durch und startet einen Versuch, der bis zum Sommer andauern soll.
Es ist mittlerweile ein vertrautes Bild in der warmen Jahreszeit: Täglich füllen sich ab Nachmittag die beiden langgezogenen Parkbuchten mit Autos und vor allem Motorrädern. Einige kommen, um die traumhaften Ausblicke in alle Richtungen zu genießen, andere treffen Freunde und wieder andere kommen her, um von hier aus mit ihrem Motorrad die kleinen Straßen nach Maitis, Lenglingen, Ottenbach und Göppingen runter- und wieder hochzujagen – verbunden mit der entsprechenden Lärmkulisse. Bis lange nach Einbruch der Dunkelheit herrscht Partystimmung, besonders voll ist es an Wochenenden.
Regelmäßige Tempokontrollen bringen offenbar keine Besserung
Doch die Attraktivität hat Folgen: Immer wieder gibt es teilweise schwere Unfälle, oft mit Motorrädern. Zwei Bikes krachten im August neben den Parkbuchten zusammen, im Einsatz war gegen Mitternacht auch ein Rettungshubschrauber. Ähnliche Unfälle gab es auch im April und Mai vergangenen Jahres. Einen Tag nach dem diesjährigen Frühlingsanfang krachte es bereits wieder, gegen 19 Uhr am 21. März kollidierten zwei Motorräder auf der Steige nach Lenglingen.
Auch regelmäßige Tempokontrollen haben offenbar keine Besserung gebracht. Erst am Freitag, 11. April, wurde ein Motorradfahrer mit 134 statt der erlaubten 70 Kilometer pro Stunde auf dem Aasrücken geblitzt. Doch gerast wird nicht nur von Zweiradfahrern: Nur fünf Tage zuvor, am 6. April, nahm die Polizei schon einmal Raser auf dem Aasrücken ins Visier, drei Autofahrer waren zu schnell, ein 50-jähriger BMW-Fahrer beschleunigte sein Gefährt gar auf 126 Kilometer pro Stunde. Am Samstag, 22. März, bauten die Polizisten ebenfalls ihre Messgeräte auf, erwischt wurden mehrere Autofahrer, die bis zu 100 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho hatten. Am Kernproblem ändert all dies nichts, zumal die meisten Motorradfahrer ohnehin via Open Mesh miteinander verbunden sind und so über ihr Helm-Mikrofon alle anderen Biker im Umkreis schon lange vor Sichtweite der Laserpistole der Polizei warnen können, entsprechend gering ist die Ausbeute. Was die Anwohner wütend macht, ist der in der warmen Jahreszeit nicht enden wollende Lärm. Nicht der vom Aasrücken, sondern beispielsweise am Kreisverkehr in Maitis, wo gewendet wird und es mit Vollgas wieder bergauf geht oder in Hohenstaufen.
Parkbuchten sollen versuchsweise abgesperrt werden
Da Tempokontrollen offenbar nicht fruchten, will die Stadt Göppingen jetzt durchgreifen. „Trotz regelmäßiger Polizeikontrollen konnte die Situation bisher nicht dauerhaft entschärft werden“, schreibt die Stadtverwaltung am Abend des 14. April auf ihren Social-Media-Kanälen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Parkbuchten als Zuschauerränge für die „riskanten Fahrmanöver“ genutzt würden. Und teilt mit: „Deshalb haben die Verkehrsschaukommission der Stadt Göppingen sowie die Bezirksbeiräte beschlossen, die beiden Parkbuchten aus Gründen der Verkehrssicherheit versuchsweise abzusperren.“ Die Maßnahme werde bis zu den Sommerferien eng begleitet und anschließend erstmals ausgewertet. „Der Schritt ist niemandem leicht gefallen – aber zum Schutz von Mensch und Umwelt leider notwendig.“
Am Dienstag, 15. April, waren die Buchten am Aasrücken um die Mittagszeit noch frei zugänglich. Wann sie gesperrt werden sollen, kann die städtische Pressestelle nicht sagen. Vielleicht an Ostern, vielleicht auch früher. Oder später. Was dann passiert, kann sich ein Motorradfahrer, der am Dienstagmittag eine Pause auf dem Aasrücken einlegte, schon denken: Dann werde eben auf den beiden anderen Parkplätzen geparkt, sagt er. Ein kleiner befindet sich in Richtung Hohenstaufen südlich der Straße, ein deutlich größerer am andere Ende des Bergrückens bei der Abzweigung nach Ottenbach. Dort ist viel Platz.
Verständnis auf beiden Seiten
Termin
Erst im August vergangenen Jahres haben sich Betroffene zusammengesetzt und sind anschließend zum Vor-Ort-Termin auf den Aasrücken gefahren, um mit den Bikern ins Gespräch zu kommen.
Lautstärke
Anwohner berichteten davon, dass sie Balkon und Terrasse wegen des ständigen Lärms nicht mehr benutzen können. Generell haben sie zwar alle Verständnis für die Biker und respektieren deren Hobby, wenn nur der Krach nicht wäre. So sagte der frühere Göppinger CDU-Stadtrat Ingo Hagen aus Maitis: „Wenn man mit einzelnen von denen spricht, haben die auch Verständnis.“
Verständnis
Die meisten Motorradfahrer vor Ort räumten ein, dass sie solchen Lärm auch nicht vor ihrer Haustür wollten, einer sagte, er könne es „total verstehen, dass sich die Leute aufregen“.