Lärmschutz an der A 81 Freiberg muss sich auf mehr Lärm einstellen

Von Michael Bosch 

Auf der Autobahn 81 wird im Kreis Ludwigsburg eine Lärmschutzwand demontiert. Wann es dafür Ersatz gibt, ist noch unklar. Ein Teil der Einwohner der ohnehin geplagten Stadt Freiberg am Neckar muss vorerst damit leben.

Die demontierte Lärmschutzwand am Autobahnaufstieg bei Freiberg soll zunächst durch ein Provisorium ersetzt werden. Foto: factum/Andreas Weise
Die demontierte Lärmschutzwand am Autobahnaufstieg bei Freiberg soll zunächst durch ein Provisorium ersetzt werden. Foto: factum/Andreas Weise

Freiberg am Neckar - In dieser Woche haben Arbeiter eine rund 300 Meter lange Lärmschutzwand an der Steigung der Autobahn 81 bei Freiberg am Neckar abgebaut. Einen langen Vorlauf gab es nicht. Das Regierungspräsidium hatte die Demontage der Wand gerade einmal eine Woche vorher angekündigt. Jubiliert haben die Verantwortlichen im Rathaus nicht, als sie erfahren haben, dass es in einigen Teilen von Freiberg am Neckar nun ein bisschen lauter werden wird. Immerhin die Kommunikation habe geklappt, findet Bürgermeister Dirk Schaible. Etwas dagegen tun, dass vor allem die Bewohner des Ortsteils Geisingen jetzt ohne Schutz sind, kann die Stadt aber nicht. Schaible sieht es pragmatisch: „Das musste halt sein.“

Die Schallschutzwand war so marode, dass sie Auto- und Lastwagenfahrer gefährdet hätte. Bemerkt hatte das ein Ingenieurbüro bei einer turnusmäßigen Überprüfung im vergangenen Monat.

Bauwerk bekam die Note vier

Lärmschutzwände werden alle drei Jahre grob überprüft, alle sechs Jahre steht eine umfassendere Prüfung an. Das Ergebnis aus dem vergangenen Monat: Weil der Wind über Jahre gegen sie gedrückt hatte, waren die Lamellen der Wand teilweise locker, die Halterungen bereits brüchig. Das Bauwerk bekam die Note vier – und das bedeutet, sie muss demontiert werden.

Lesen Sie hier: Große Pläne für Freiberg – die Autobahn soll verschwinden

Hätte man das nicht voraussehen können? Das Regierungspräsidium (RP) verneint. „Vor drei Jahren war der kritische Punkt noch nicht überschritten“, sagt Andreas Klein, der Leiter des zuständigen Baureferats West. „Und sechs Jahre sind halt eine Zeit.“ Auch eine Stütze sei mittlerweile unterspült. Die Lärmschutzwand wäre zwar nicht beim nächsten Windstoß zusammengebrochen, so Klein, aber ein Risiko habe man auch nicht eingehen wollen. Deshalb wurden in dieser Woche die einzelnen Elemente der Wand entfernt, die Stützen stehen noch. Sie allein schirmen den Ortsteil Geisingen aber nicht vom Verkehrslärm ab. Über 130 000 Autos fahren durchschnittlich pro Tag auf der Strecke.

Ein Provisorium soll Abhilfe schaffen

Lange soll der jetzige Zustand aber nicht anhalten, ein Provisorium ist bereits geplant. Das RP hat sich für diese Variante entschieden, weil es viel länger dauert, eine neue, feste Lärmschutzwand zu planen. Sie verlangt eine baurechtliche Prüfung. „Bei so einer Maßnahme vergehen nicht Monate, das dauert über ein Jahr – mindestens“, sagt Andreas Klein. Einige Wochen werde es aber auch brauchen, ehe die Arbeiten am Provisorium beginnen. Die Zeit ohne Lärmschutz sei aber „überschaubar“, so Klein.

Die Stadt Freiberg stellt sich trotzdem auf die ein oder andere Beschwerde ein. Das Thema Lärm ist in der 16 000-Einwohner-Kommune ein Dauerbrenner. Die Stadt forderte bereits in ihrem Lärmaktionsplan 2008 ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde – momentan sind 120 auf dem Teilstück der A 81, das die Stadt von Norden nach Süden durchschneidet, erlaubt. Vor ein paar Jahren wurde auf der Neckarbrücke sogenannter Flüsterasphalt aufgetragen.

Dirk Schaible kann dem Zeitpunkt, da die Lärmschutzwand abgebaut wurde, sogar noch etwas Gutes abgewinnen. Weil wegen der Corona-Krise viele Menschen zuhause bleiben, ist auf den Straßen weniger los – auch auf der Autobahn.




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