Die Stadt möchte auf allen großen Hauptstraßen nachts Tempo 30 einführen. Das besagt der neue Lärmaktionsplan. Doch das letzte Wort hat das Landratsamt.

Heimsheim - Nachts Tempo 30 auf allen großen Hauptstraßen im Stadtgebiet: Das ist der Wunsch der Stadt Heimsheim, mit dem sie auf die nächtliche Lärmbelastung für die Anwohner reagieren möchte. Der Gemeinderat hat jetzt den Lärmaktionsplan beschlossen, in dem sämtliche Vorhaben festgehalten sind.

Doch bis sich wirklich etwas tut, wird es noch ein weiter Weg sein. Denn die Entscheidungen trifft letztlich nicht die Stadt, sondern das Landratsamt, da es sich nicht um Gemeindestraßen, sondern um Landesstraßen handelt. Und das Landratsamt hat bereits einige der Vorschläge für unnötig befunden. „Als erstes schicken wir den fertigen Plan an das Landratsamt“, erklärt der Bauamtsleiter Andor Varszegi. „Im nächsten Schritt werden wir das Gespräch suchen, da es doch einige konträre Ansichten gibt.“

Nachts kann es richtig laut werden

Für die Erstellung des Plans hat das Büro BS Ingenieure Ludwigsburg untersucht, in welcher Lautstärke der Straßenlärm in den Häusern Heimsheims ankommt. Dabei zeigte sich, dass es vor allem entlang der Mönsheimer Straße, der Pforzheimer, Hausener und Leonberger Straße vor allem nachts richtig laut werden kann. Hier möchte die Stadt mit dem nächtlichen Tempolimit Abhilfe schaffen.

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Manche Messwerte sind tatsächlich so hoch, dass sie als gesundheitsgefährdend gelten. Das betrifft die Mönsheimer Straße ab dem Kreisverkehr Richtung Süden und einen Teil der Leonberger Straße etwa bis zur Tankstelle. Hier gab es für die Geschwindigkeitsreduzierung bereits ein positives Signal vom Landratsamt. An den anderen Straßenzügen ist der Lärm zwar auch sehr groß, aber nicht groß genug, dass ein Eingreifen zwingend vorgeschrieben ist. Als eine mögliche Alternative steht eine allgemeine Tempo-40-Regelung im Raum, falls das Landratsamt den Plänen der Stadt eine Absage erteilt. Allerdings bringe Tempo 40 lange nicht so viel, wandte das Ingenieurbüro ein.

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Darüber hinaus gäbe es auch noch die Möglichkeit, rechtlich gegen einen Negativbescheid vorzugehen. „Aber wir wollen es erst mal so probieren“, sagt Andor Varszegi. Das Tempolimit sei immerhin der Wille der Bürgerschaft, was das Landratsamt nicht einfach so abtun könne.

Tempo 50 für die Nordtangente?

Zumindest für die Pforzheimer Straße sieht die Stadt gute Chancen, falls es gelingt, die Straße ab dem Kreisverkehr zu einer Gemeindestraße herabstufen zu lassen. „Stattdessen möchten wir die Nordtangente als Landesstraße klassifizieren lassen“, erklärt der Bauamtsleiter. Die Nordtangente verbindet den Kreisel der Pforzheimer und den der Mönsheimer Straße und gilt als wichtige Umgehungsstrecke. Auch dann könnte die Stadt zwar nicht einfach so ein Tempolimit in der Pforzheimer Straße einführen. „Aber unsere Ausgangsposition wäre dann eine ganz andere.“

Eine besondere Herausforderung werde dann allerdings der zweite Wunsch der Stadt für ein Tempolimit: eine Reduzierung von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde auf der gesamten Nordtangente. „Denn von dort aus wird auch viel Lärm in die Stadt getragen.“ Falls die Straße zur Landesstraße werde, könnte das aber schwerer zu erreichen sein, als wenn es eine Gemeindestraße bliebe.