Für einen Holzbau anstatt eines Zelts auf dem Pragsattel benötigt das Varieté 300.000 Euro von der Stadt. Ein Zeltbetrieb ist laut Gutachter aus Lärmschutzgründen nicht möglich.

Stuttgart - Für das vom Aus bedrohte Stuttgarter Varieté wird es eng. Die bisher im Friedrichsbau beheimatete Spielstätte hatte, wie berichtet, vom bisherigen Sponsor L-Bank zum Januar 2014 die Kündigung erhalten. Doch die von der Varieté-Chefin Gabriele Frenzel erdachte Variante, künftig in einem Zelt auf dem Pragsattel beim Theaterhaus Akrobatik und Artistik zu präsentieren, hat sich zerschlagen.

 

Der Grund: die Lärmgrenzwerte würden bei Vorstellungen im Zelt deutlich überschritten. Die Kosten für den ersatzweise ins Auge gefassten Holzbau an gleicher Stelle sprengen allerdings das Budget  von einer Million Euro. Frenzel und ihrem Team bleibt jetzt nur die Hoffnung, dass die  Stadträte in den laufenden Haushaltsberatungen weitere 300 000 Euro zuschießen. Während CDU und FDP am Mittwoch im Verwaltungsausschuss Un- terstützung signalisierten, wollten sich die  anderen Fraktionen nicht festlegen. Und auch der Finanzbürgermeister Michael Föll warnte die Betroffenen vor „falscher Euphorie“. Das Ergebnis der Beratungen sei „völlig offen“.

Stadt hat in der Vergangenheit finanzielle Hilfe angeboten

Die Stadt hat sich in den vergangenen Wochen dem Varieté gegenüber durchaus kooperativ gezeigt. Eine Bürgschaft für einen Bankkredit über eine Million Euro für die Anschaffung eines Großzeltes war ebenso zugesagt worden wie die befristete mietfreie Überlassung des städtischen Grundstücks nördlich des Theaterhauses. Auch die Erschließungskosten würde die Stadt übernehmen. Doch eine von ihr in Auftrag gegebene Lärmprognose, die der Gutachter Carsten Dietz am Mittwoch vorstellte, kommt zum Ergebnis, dass die vorgeschriebenen Lärmgrenzwerte bei einem Zeltbetrieb deutlich überschritten würden. Das Grundstück grenzt an ein Seniorenwohnheim sowie mehrere Wohnhäuser an. Für ausgeschlossen hält der Gutachter auch den an das Theaterzelt angedockten Parkplatz mit 20 Stellplätzen: „Das funktioniert definitiv nicht.“

Die um ihre Jobs bangenden Varieté-Beschäftigten haben nun den Stadträten eine Holzbaukonstruktion präsentiert, die zumindest die Schallpegel von Lautsprecher und Publikum dämpfen soll. Diese Variante würde allerdings 300 000 Euro mehr kosten als bisher veranschlagt. „Diesen Betrag können wir nicht auch noch auftreiben“, so Timo Steinhauer vom Varieté.

Sarah Wiener zeigt Interesse am Betrieb der Gastronomie

In der Tat hat das Team um Gabriele Frenzel in den vergangenen Monaten nichts unversucht gelassen, um das Varieté vor dem Aus zu retten: Sponsoren für die Inneneinrichtung und Ausstattung wurden geworben, die Gründung einer gemeinnützigen GmbH ist in Vorbereitung – Voraussetzung für die Übernahme der Millionenbürgschaft durch die Stadt. Und für den gastronomischen Bereich stünde nach Angaben Steinhauers mit Sarah Wiener eine renommierte Spitzenköchin bereit.

Doch der Lärmschutz könnte all diesen Bemühungen nun einen Strich durch die Rechnung machen. Für den CDU-Stadtrat Jürgen Sauer, dessen Fraktion einen Antrag zur Rettung des Theaters initiiert hatte, geht es jetzt nicht mehr um „den Exodus, sondern um den Exitus des Varietés“. Und auch der FDP-Fraktionschef Bernd Klingler sagte, man werde den Wunsch des Varietés „positiv mitdiskutieren“. Fraglich ist allerdings, wie der in Rede stehende Betrag im Doppelhaushalt 2014/2015 zusätzlich finanziert werden soll – es sei denn, eine Mehrheit des Rats entschließt sich, dem Unterhaltungstheater auf Kosten von Kürzungen bei anderen Kultureinrichtungen unter die Arme zu greifen.