Lärmschutzdeckel über A 81 bei Böblingen und Sindelfingen Licht am Anfang des Tunnels

Durch die nördliche Röhre soll der Verkehr fließen, während der Tunnel an die Autobahn angeschlossen wird. Foto: Stefanie Schlecht

Lange Zeit war der Lärmschutzdeckel, der einen Teil der Autobahn 81 zwischen Sindelfingen und Böblingen einfassen soll, bildlich eher schwer zu fassen. Jetzt langsam nimmt er Gestalt an.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Mal wieder verändert die Autobahn 81 zwischen Sindelfingen und Böblingen ihr Gesicht. Etliche rund fünf Meter hohe Betonwände werden gerade auf der Sindelfinger Seite neben den Fahrbahnen erreichtet. Etwa auf der Höhe Schauwerk (Sindelfinger Seite) und dem Parkhaus Mercedes-Benz/Smart-Areal (Böblinger Seite) entsteht ein Deckel für die Autobahn. Wände und Deckel – gleich Tunnel: Dieser ist ein Teil der sieben Kilometer umfassenden Erweiterung der A 81 zwischen den Anschlussstellen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Sindelfingen von vier auf sechs Spuren.

 

„Man sieht langsam die Dimensionen“, sagt Johannes Kuhn, der bei der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) Projektleiter für die Erweiterung der A 81 ist. Von Osten her werden 84 Tunnelblöcke mit Bodenplatten und drei Wänden gebaut – je eine Außenwand und eine für die Mittelwand zwischen den Tunnelröhren. Zuerst entsteht dabei die nördliche Tunnelröhre – die in Fahrtrichtung Gärtringen. In den kommenden Wochen sollen dann auch die ersten Deckenelemente erstellt werden.

Planungen reichen weit zurück

850 Meter lang wird der Tunnel, der den Anwohnern in erster Linie Lärmschutz bieten soll. Durch die topografischen Gegebenheiten, etwa den Einschnitt zwischen den Wohnquartieren auf beiden Seiten der Fernstraße, habe sich ein Tunnel eben gut angeboten, sagt Kuhn. Die Pläne dafür reichen schon weitaus länger zurück, als die Deges mit dem Projekt befasst ist; sie war im Jahr 2019 ins Boot geholt worden. Die Pläne hatten 2008 ordentlich Unmut ausgelöst. So hatte beispielsweise die Bürgerinitiative Leise A 81 gefordert, den Lärmschutzdeckel mit 1500 Metern fast viermal so lang zu machen wie die damals vom Bund in Aussicht gestellten 400 Meter.

In Vorbereitung auf die Tunnelbauarbeiten hat Deges bereits den Verkehr verlegt, sodass die Tunnelbaustelle frei ist und Großbohrpfähle in den Boden gebohrt. Besonders deutlich zu sehen sind die aktuell am sogenannten Elefantenbrückle. „Da haben wir die Böschung ersetzt durch eine Pfahlwand“, sagt Kuhn. Die Erdmassen, die für die Baugrube ausgehoben wurden, sind am Rande des Flugfelds zu sehen. Sie sollen später auf den fertigen Tunnel geschüttet werden.

Elefantenbrückle muss weichen

Zurück zur Elefantenbrücke. Sie ist die Planer eine Schwierigkeit, denn das Widerlager der Brücke in der Leipziger Straße ragt in die Baugrube hinein. Dass die Brücke weichen müsse, sei von Anfang an klar gewesen, sagt Kuhn. Am ersten Adventswochenende, also in rund fünf Monaten, wird es soweit sein. Dann wird der Teil der Brücke, der über die Autobahn führt, abgerissen. „Es wird dann eine kurze Phase geben, in der an dieser Stelle keine Querung von Sindelfingen nach Böblingen möglich ist“, so Kuhn. Man werde aber zügig eine Behelfsbrücke anbringen, damit zumindest der Rad- und Fußverkehr wieder fließen kann. Später soll dann eine große Behelfsbrücke kommen. „Für den Busverkehr wird für den Zeitraum bis zur Fertigstellung dieser Behelfsbrücke ein neues Konzept mit anderen Verbindungen erarbeitet.“

Das Elefantenbrückle, beziehungsweise die von ihm ermöglichte Verbindung zwischen den Städten, wird übrigens auch nach Fertigstellung des Tunnels noch existieren: An der gleichen Stelle soll dann aber eine Straße über den Tunnel führen. „Es ist dann eben keine Brücke mehr“, sagt Kuhn.

Johannes Kuhn Foto: Eibner-Pressefoto/Christian Stroetges

Den Rest des Verkehrs stets mitzudenken, sei eine der schwierigsten Aufgaben der Erweiterung. „Viele Arbeiten, die man gerne parallel machen würde, können wir nur nacheinander angehen, weil wir nicht mehr als eine Verbindung zwischen den Städten auf einmal kappen wollen“, erklärt Kuhn.

Lückenschluss muss noch warten

Anfang 2027 soll mit dem Tunnel das letzte Stück der Autobahnerweiterung fertig werden – das ist etwas später, als eigentlich geplant. Das liegt unter anderem daran, dass der Lückenschluss zwischen den Fahrstreifen, die zukünftig in Richtung Stuttgart führen, und dem Tunnel erst möglich ist, wenn der Verkehr schon durch die nördliche Tunnelröhre läuft. „Der Bereich unmittelbar vor und hinter dem Tunnel ist derzeit noch durch die Verschwenkung der bauzeitlichen Umfahrung belegt“, erklärt Deges-Pressesprecherin Pia Verheyen. Ist die nördliche Tunnelröhre fertig, werden zunächst beide Fahrtrichtungen mit jeweils zwei Fahrstreifen in den Tunnel gelegt. „Im Anschluss wird die südliche Tunnelröhre komplettiert und die baulich an die erweiterte Fahrbahn außerhalb des Tunnels angeschlossen.“

Gut zu sehen ist hier die Wand aus Pfählen, die die Dimensionen des Tunnels erahnen lässt. /Stefanie Schlecht

Abwasser wird künftig gefiltert

Offen ist noch, was genau auf den Deckel kommt – eine Aufgabe der Städte. Sicher ist nur, dass die Deges ein einstöckiges Betriebsgebäude für den Tunnel darauf bauen wird. Zudem soll es im Bereich der Tunnelportale Solarmodule geben. Die sollen den Tunnel möglichst energieautark machen.

Und was passiert auf den immerhin drei Hektar mitten zwischen den Städten? Im Moment steht nur eines steht fest: Man ist sich nach wie vor ein bisschen uneins. Die Stadt Böblingen sei auf dem Stand, teilt Pressesprecher Gianluca Biela mit, dass Sindelfingen bei der Planung der Deckelnutzung die Federführung haben sollte – immerhin liege der Tunnel auf deren Gemarkung. Der Gemeinderat hatte 2022 entschieden, den Sindelfinger Vorschlag, die Fläche zu begrünen, anzunehmen. Weitere Pläne seien nicht bekannt. Für die Stadt Sindelfingen, für die der Deckel eines der aktuell teuersten Projekte sei, beruft sich Pressesprecherin Katrin Sadroschinski ebenfalls auf einen Beschluss aus dem gleichen Jahr. Hier habe der Sindelfinger Gemeinderat beschlossen, PV-Anlagen auf dem Deckel entstehen zu lassen. Auch der Radschnellweg Herrenberg-Stuttgart könnte das Bauwerk queren.

Auch sechs neue Rückhalte- und Reinigungsbecken müssen gebaut werden für das Regenwasser, das von der Autobahn abläuft. „Das ist bisher ungefiltert in die Oberflächengewässer gelaufen und in der Schwippe gelandet“, so Kuhn. Das wolle man sowohl in Hinblick auf den Umwelt- als auch den Hochwasserschutz ändern. Eins dieser Becken ist schon in der Nähe der Betonmischanlage der Deges bei der Unterführung der Leibnizstraße zu sehen.

Dass all das eine Menge Geld kostet, kann man sich denken. Wie viel genau, kann Deges nicht sagen. Es gebe Baulose, etwa für die westliche Seite des Tunnels, die noch nicht vergeben seien. Die gesamte Autobahnerweiterung war lange mit 360 Millionen Euro veranschlagt. Jetzt zeichne sich ab, dass das nicht ausreiche. Die Deges habe schon eine Steigerung der Kosten angemeldet.

Wie weit ist der Ausbau der A 81?

Das Projekt
 Die A 81 wird von vier auf sechs Spuren ausgebaut. Das passiert zwischen den Anschlussstellen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Sindelfingen.

Fertig
 Seit 2021 wird gebaut. Abgeschlossen sind sowohl die Überführung der Calwer Straße über die A 81 Richtung Dagersheim als auch die Bahnbrücke und die Brücke Böblinger/Sindelfinger Straße.

In Arbeit
 Das Hauptaugenmerk liegt gerade auf dem Lärmschutzdeckel. Der soll 2027 fertig werden.

Zukünftig
 In den kommenden Jahren werden Anschlussstellen umgebaut. Dafür werden auch Sperrungen nötig sein. Über diese will Deges informieren.

 

 

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