Lärmschutzmaßnahmen in Stuttgart-Vaihingen Der Krach reicht nicht für Schallschutzfenster

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Das Regierungspräsidium hat erneut Messungen an der Gründgensstraße vorgenommen. Doch der Lärm ist nicht das einzige Ärgernis für die Anwohner.

Trotz Lärmschutzwand beklagen einige Anwohner der Gründgensstraße weiterhin den Krach von der Autobahn. Foto: Archiv Kai Müller
Trotz Lärmschutzwand beklagen einige Anwohner der Gründgensstraße weiterhin den Krach von der Autobahn. Foto: Archiv Kai Müller

Vaihingen - Christl Schwarz-Flaig wohnt mit ihrer Familie im oberen Bereich der Gründgensstraße, der nicht von der Lärmschutzwand von der Autobahn abgeschirmt wird. Diese wurde Ende 2015 realisiert, nachdem Anwohner lange Jahre dafür gekämpft hatten. Allerdings kamen im Herbst 2016 Beschwerden auf, der Lärm erscheine bei manchen Wohnhäusern lauter als vor dem Bau der Wand in Stuttgart-Vaihingen.

Der Lärmpegel ist zu niedrig

Die Familie Flaig hat sich im November wegen des Lärms an das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) gewandt. „Wir haben drei Beschwerden von Anwohnern bekommen“, bestätigt Matthias Kreuzinger, Pressereferent des RP. Daraufhin habe man erneut Mitarbeiter für Lärmmessungen zur Gründgensstraße geschickt. Das Ergebnis: die Lautstärke liegt meist unter den Grenzwerten. „Es gibt nur drei Wohnhäuser, die außerhalb der Lärmschutzwand liegen, bei denen die Schallpegelwerte überschritten werden“, erklärt Kreuzinger. „Den Haushalten haben wir passive Lärmschutzmaßnahmen durch Schallschutzfenster angeboten.“ Von den drei Haushalten hätte allerdings nur einer Unterlagen für die Schallschutzfenster angefordert, bislang jedoch keinen Antrag gestellt.

Das bestätigt auch das baden-württembergische Verkehrsministerium. „Im November 2015 wurde der Bau der Lärmschutzwand Gründgenstraße abgeschlossen. Prinzipiell besteht hier weiterer Anspruch auf passiven Lärmschutz, die betroffenen Anwohner zeigten aber kein Interesse“, sagt Edgar Neumann, der Leiter der Pressestelle.

Bei den übrigen Wohnhäusern außerhalb der Lärmschutzwand – auch dem der Familie Flaig – seien die Werte zu niedrig, als dass sie Lärmschutzfenster angeboten bekommen könnten, erklärt Kreuzinger.

Der Durchgangsverkehr nimmt zu

Der Lärm von der Autobahn ist allerdings nicht das einzige Ärgernis für die Anwohner. Seitdem die Gründgensstraße im letzten Jahr als Umleitungsstrecke während Bauarbeiten von der Pascalstraße her geöffnet war, habe der Durchgangsverkehr zugenommen. „Seit dem Ende der Bauarbeiten wird das Durchfahrtsverbot einfach ignoriert“, sagt Schwarz-Flaig. „Und an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält sich auch kaum einer.“ Im oberen Bereich der Gründgensstraße parken regelmäßig Busse und Lastwagen. Damit die Heizung und die Klimaanlage weiter funktionieren, ließen die Fahrer ihre Motoren lange Zeit laufen. Manche werfen ihren Müll auf die Straße oder verrichten sogar ihre Notdurft auf dem Gehweg, berichtet Christl Schwarz-Flaig. „Es ist ein Ärgernis“, fasst sie die Situation an der Gründgensstraße zusammen.

Die Anwohner wünschen sich, dass das gesamte Wohngebiet rund um die Gründgensstraße als Anliegergebiet ausgeschildert wird. Einen entsprechenden Antrag hat die CDU im vergangenen Herbst im Bezirksbeirat eingebracht. „Aber so lange nicht sicher ist, was auf dem Eiermann-Campus passiert und wie die Anbindung aussehen wird, wird sich vermutlich bei uns nichts tun“, mutmaßt Schwarz-Flaig. Die Anwohner fürchten, dass mit dem Campus der Verkehr in ihrem Wohngebiet noch weiter zunehmen wird.

Lärmschutz auch an der B 14 geplant

Aktuell hat die CDU einen Antrag formuliert, in dem sie die Stadtverwaltung auffordert, mit dem Verkehrsministerium und dem Regierungspräsidium zu klären, welche Lärmschutzmaßnahmen für 2017 in Vaihingen vorgesehen sind. Zudem solle die Verwaltung berichten, „ob die Maßnahmen aus Sicht der Stadt Stuttgart, für die Bürger Vaihingens als ausreichend erachtet werden“ und ob es im Stadtbezirk weitere Bereiche gebe, die solcher Maßnahmen bedürfen.

Grundlage für den Antrag ist eine Pressemitteilung des Verkehrsministeriums zum „Lärmsanierungsprogramm 2014 bis 2016 für Bundes- und Landstraßen“. „Von den ursprünglich 71 geplanten Maßnahmen des Lärmsanierungsprogramms sind zwischenzeitlich 49 Maßnahmen umgesetzt worden. Mit der Umsetzung weiterer acht Maßnahmen wurde begonnen. Die verbleibenden 14 Maßnahmen werden größtenteils im kommenden Jahr starten“, erklärt Verkehrsminister Winfried Hermann in der Pressemitteilung.

Auf Anfrage erklärt das Verkehrsministerium, dass die Lärmsituation im Bereich A 831 / B 14 (Johannesgrabentunnel) geprüft werden soll. „Passive Maßnahmen infolge sich eventuell ergebender Überschreitungen der Auslösewerte sollen in der zweiten Jahreshälfte 2017 durchgeführt werden“, erklärt Neumann.

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